Jazz als an­re­gen­des Hin und Her

Pia­nist Omer Klein und Bas­sist Hag­gai Co­hen-Mi­lo beim „As­phalt-Fes­ti­val“.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR - VON DO­RO­THEE KRINGS

DÜS­SEL­DORF Noch ein Blick über den auf­ge­klapp­ten Flü­gel, dann lässt der Pia­nist Omer Klein die ers­ten Me­lo­di­en per­len, wan­delt sie in die­se oder je­ne Ton­art, als klei­de er sie in ein neu­es Män­tel­chen, um zu se­hen, wie die Me­lo­die sich dar­in wohl macht. Schon greift Hag­gai Co­hen-Mi­lo in die Sai­ten sei­nes Kon­tra­bas­ses, mischt sich mit sei­nen Ide­en ein, treibt den Mann am Kla­vier an und er­det zugleich des­sen vir­tuo­ses Spiel. Manch­mal ru­fen die bei­den ein­an­der auch et­was zu, la­chen, wie zwei Freun­de, die ne­ben­ein­an­der zum See hin­un­ter­lau­fen. Es ist Som­mer – und was zählt, ist nur der Au­gen­blick.

Jazz ist Ge­spräch, ist an­re­gen­des, un­vor­her­seh­ba­res Hin und Her zwi­schen Mu­si­kern. Das konn­te man beim Kon­zert der is­rae­li­schen Künst­ler Omer Klein und Hag­gai Co­hen-Mi­lo beim As­phalt-Fes­ti­val in Düs­sel­dorf in pu­rer Form er­le­ben. Die bei­den ken­nen ein­an­der seit Ju­gend­ta­gen, ha­ben ge­mein­sam in Is­ra­el und den USA stu­diert, wa­ren zeit­wei­se WG-Ge­nos­sen und spie­len seit Jah­ren im Omer-KleinT­rio. Dies­mal aber woll­ten sie es mit ei­nem Dia­log ver­su­chen. Dass das kein Mi­nus sei, kein Feh­len des drit­ten Kol­le­gen, son­dern freie Wahl und ihr künst­le­ri­scher Wil­le, schick­te Klein dem Kon­zert vor­ne­weg.

Doch hät­te er das gar nicht sa­gen müs­sen, es war zu hö­ren. Ob­wohl die bei­den un­ter an­de­rem Stü­cke spiel­ten, die man auch aus der Tri­oBe­set­zung kennt, et­wa von ih­rem neu­en Al­bum „Sleep­wal­kers“, war da et­was Neu­es, Ei­gen­stän­di­ges: ein mun­te­res, manch­mal über­ra­schend me­lan­cho­li­sches Ge­spräch zwi­schen zwei Künst­lern, die sich Ge­schich­ten von frü­her er­zäh­len, auch mal dis­ku­tie­ren, je­den­falls ge­nie­ßen, dass sie bei­sam­men sind.

Und weil sich sol­che Ge­füh­le auf ein Pu­bli­kum über­tra­gen, war da ei­ne be­son­de­re Stim­mung vol­ler Wohl­wol­len und Neu­gier in der Glas­hal­le des Welt­kunst­zim­mers, dem Ge­län­de ei­ner ehe­ma­li­gen Brot­fa­brik. Die­ses Are­al mit dem Charme der In­dus­trie­bra­che ver­wan­delt das „As­phalt-Fes­ti­val“je­den Som­mer in ei­nen al­ter­na­ti­ven Kul­tur­ort. Der ist auch für Men­schen jen­seits Düs­sel­dorfs span­nend ge­wor­den.

FO­TO: RALF PUDER

Jazz­pia­nist Omer Klein und Bas­sist Hag­gai Co­henMi­lo im Kon­zert.

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