Ri­si­ko für mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men?

Das Ra­ting bil­det die Ba­sis für die Hö­he des zu ent­rich­ten­den Zin­ses – Teil I

Nordwest-Zeitung - - 46 -

Ri­si­ko­ma­nage­ment ist in ei­nem Um­feld dy­na­mi­scher Ent­wick­lun­gen in Ge­sell­schaft, Po­li­tik, Tech­no­lo­gie und Wirt­schaft in­zwi­schen ein un­ver­zicht­ba­res und letzt­lich auch ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nes In­stru­ment, um ei­ne Vor­stel­lung über die wei­te­re un­ter­neh­me­ri­sche Ent­wick­lung so­wie die nö­ti­gen Ein­griffs­not­wen­dig­kei­ten des Ma­nage­ments zu be­kom­men. Ein mehr­di­men­sio­na­les RMS kann wie folgt auf­ge­baut wer­den:

Ein Ri­si­ko früh­zei­tig über ei­nen per­ma­nen­ten Pro­zess zu iden­ti­fi­zie­ren, das Ein­zel­ri­si­ko zu be­wer­ten, es zu kom­mu­ni­zie­ren und ent­spre­chend zu re­agie­ren, soll­te in der na­he­zu täg­li­chen Ar­beit des Ma­nage­ments ei­nes Un­ter­neh­mens lie­gen. Die Rea­li­tät ge­ra­de im Mit­tel­stand sieht häu­fig gänz­lich an­ders aus. Die Ab­hän­gig­keit des Mit­tel­stands von Kre­dit­in­sti­tu­ten bei der Um­set­zung von In­ves­ti­tio­nen und dem täg­li­chen Ge­schäft über Kon­to­kor­rent­li­ni­en ist un­be­strit­ten. Gleich­wohl be­schäf­tigt sich ein Groß­teil des Mit­tel­stan­des nach un­se­ren Er­fah­run­gen nicht im An­satz mit der Be­wer­tung durch die Fremd­ka­pi­tal­ge­ber und wei­te­re Drit­te (u.a. Cre­dit­re­form). Der Be­griff Ra­ting ist zwar dem Na­men nach be­kannt, sei­ne Her­lei­tung und vor al­lem sei­ne Aus­wir­kung kaum. Hier gilt es, nach wie vor noch deut­lich mehr Auf­klä­rung zu ge­ne­rie- ren und An­pas­sun­gen vor­zu­neh­men, so­weit ins­be­son­de­re der qua­li­ta­ti­ve Teil der Be­wer­tung nicht den ei­ge­nen Wahr­neh­mun­gen ent­spricht. Letzt­lich ist das Ra­ting, als In­di­ka­tor für die Aus­fall­wahr­schein­lich­keit, die Ba­sis für die Hö­he des zu ent­rich­ten­den Zin­ses, so­wohl im lang­fris­ti­gen als auch im kurz­fris­ti­gen Be­reich.

Auch heu­te ist im­mer noch zu se­hen, dass vie­le Un­ter­neh­men des Mit­tel­stan­des von der be­reits mehr­jäh­ri­gen an­hal­ten­den Pha­se der nied­ri­gen Zin­sen kaum oder gar nicht par­ti­zi­pie­ren. Die Un­ter­neh­mer küm­mern sich schlicht­weg nicht oder trau­en sich nicht der Bank ihr An­lie­gen vor­zu­stel­len. Bis hin, dass an­ge­nom­men wird, dass oh­ne­hin kei­ne An­pas­sung mög­lich ist. Das kann viel­fach auch so sein und ist ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn lang­fris­tig Zins­kon­di­tio­nen fest ge­macht wer­den konn­ten. In den al­ler­meis­ten Fäl­len der Fi­nan­zie­rung mit kurz- oder mit­tel­fris­ti­ger Struk­tur un­ter­lie­gen die Ver­trä­ge in der Au­s­prä­gung der Hö­he des Zins- Dr. Bern­hard Be­cker, Ol­den­burg, Part­ner und Ge­sell­schaf­ter der co­mes Un­ter­neh­mens­be­ra­tung, Ge­schäfts­füh­rer und Ge­sell­schaf­ter meh­re­rer mit­tel­stän­di­scher Un­ter­neh­men (li.); Univ.-Prof. Dr. Ste­fan Mül­ler, Ham­burg, In­ha­ber der Pro­fes­sur für All­ge­mei­ne Be­triebs­wirt­schafts­leh­re, ins­bes. Rech­nungs­le­gung und Wirt­schafts­prü­fungs­we­sen, an der Hel­mu­tSchmidt-Uni­ver­si­tät/Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr Ham­burg (Mit­te); Pe­ter Bött­ger, Ol­den­burg, Se­ni­or-Be­ra­ter der co­mes Un­ter­neh­mens­be­ra­tung.

sat­zes der so­ge­nann­ten Zin­s­an­pas­sungs­klau­sel. Die­se be­sagt, dass ori­en­tiert an ei­nem aus­sa­ge­fä­hi­gen Re­fe­renz­markt­zins, ei­ne An­pas­sung des zu leis­ten­den Zin­ses nach oben oder un­ten sei­tens der Kre­dit­in­sti­tu­te vor­ge­nom­men wer­den kann. Die­ses muss trans­pa­rent, nach­voll­zieh­bar und kon­trol­lier­bar für den Kun­den sein. Hier wur­de in

den letz­ten Jah­ren sehr häu­fig ein­sei­tig durch die Kre­dit­in­sti­tu­te ge­han­delt. Mit Ur­teil des Land­ge­rich­tes Düs­sel­dorf vom 21.11.2014 (Az.: 8 O 253/13) wur­de wie­der­holt fest­ge­stellt, dass die Aus­wir­kun­gen des Mark­tes im Auf und Ab des Markt­ni­veaus glei­cher­ma­ßen sich auch in den Zin­sen zum Kre­dit­neh­mer wie­der­fin­den sol­len. Und ge-

nau an die­ser Stel­le liegt ein er­heb­li­ches Ri­si­ko bei vie­len Kre­dit­neh­mern. Un­ter­neh­mer, die es nach­ge­hal­ten ha­ben, ih­re Zins­last de­mMarkt­ni­veau nach un­ten an­zu­pas­sen, wer­den glei­cher­ma­ßen von ei­ner, wann auch im­mer ein­tre­ten­den, Er­hö­hung ge­trof­fen wer­den.

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