Er­mitt­lun­gen ge­gen Böh­mer­mann ein­ge­stellt

Nordwest-Zeitung - - VORDERSEITE - VON ANDRE­AS HER­HOLZ, BÜ­RO BER­LIN @ Den Au­tor er­rei­chen Sie un­ter fo­rum@in­fo­au­tor.de

– Die Er­mitt­lun­gen ge­gen den ZDF-Mo­de­ra­tor und Sa­ti­ri­ker Jan Böh­mer­mann nach des­sen Ge­dicht „Schmäh­kri­tik“über den tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan sind ein­ge­stellt wor­den. Straf­ba­re Hand­lun­gen sei­en nicht mit der er­for­der­li­chen Si­cher­heit nach­zu­wei­sen, teil­te die Staats­an­walt­schaft Mainz am Di­ens­tag mit.

Im No­vem­ber kommt noch ei­ne Pri­vat­kla­ge Er­do­gans ge­gen Böh­mer­mann in Ham­burg vor Ge­richt.

War’s das? Kann der Fall Böh­mer­mann jetzt end­lich zu den Ak­ten ge­legt wer­den? Oder schlägt Re­cep Tay­yip Er­do­gan zu­rück, zeigt ein­mal mehr, dass er das Prin­zip der Un­ab­hän­gig­keit der Jus­tiz nicht ach­tet? Die Staats­an­walt­schaft Mainz je­den­falls hat das Ver­fah­ren ge­gen Jan Böh­mer­mann we­gen des Ver­dachts auf Be­lei­di­gung des tür­ki­schen Staats­prä­si­den­ten ein­ge­stellt.

Ganz gleich, was man von den Ver­sen des Fern­seh­man­nes auch hal­ten mag – nicht ei­ne Re­gie­rung ent­schei­det in ei­nem Rechts­staat dar­über, was Recht und Un­recht ist, son­dern die Jus­tiz. Staats­an­walt­schaf­ten und Ge­rich­te sind hier­zu­lan­de un­ab­hän­gig, an­ders als im Reich des tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan.

Hier­zu­lan­de gilt das Grund­ge­setz und die dar­in ga­ran­tier­te Mei­nungs-, Pres­se- und Kunst­frei­heit. Die Kanz­le­rin hat­te sich im Fall Böh­mer­mann nicht ge­ra­de mit Ruhm be­kle­ckert. Ihr Ver­such, das au­to­kra­ti­sche tür­ki­sche Staats­ober­haupt aus Sor­ge um den Flücht­lings­pakt mit An­ka­ra zu be­sänf­ti­gen, war gründ­lich schief­ge­gan­gen und hat­te Er­do­gan ge­ra­de­zu an­ge­spornt, sei­nen irr­wit­zi­gen Feld­zug ge­gen Böh­mer­mann fort­zu­set­zen. Die Jus­tiz hat jetzt Klar­heit ge­schaf­fen.

BILD: KNABE/ZDF

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.