Ho­tels wer­ben mit fal­schen Ster­nen

Ver­band De­ho­ga fin­det Miss­stän­de bei acht Pro­zent der Be­trie­be

Nordwest-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON BURKHARD FRAUNE UND JÖRG SCHÜRMEYER

BER­LIN/FRIESOYTHE – Vie­le deut­sche Ho­tels schmü­cken sich zu Un­recht mit ih­ren Ster­nen: Der Bran­chen­ver­band De­ho­ga hat 3000 Ho­tels über­prüft und fest­ge­stellt, dass bei acht Pro­zent die Ster­ne ab­ge­lau­fen oder selbst ver­ge­ben wa­ren.

Die Über­prü­fung ha­be „ein ho­hes Maß an il­le­gi­ti­mer Ster­ne­wer­bung“er­ge­ben, teil­te Mar­kus Lu­the, der Ge­schäfts­füh­rer der De­ho­ga-Toch­ter Deut­sche Hotelklassifizierung Gm­bH, am Mon­tag mit. Er be­stä­tig­te über­dies Re­cher­chen des ZDF vom Ju­li. Von 251 da­mals ent­tarn­ten Ho­tels hät­ten auch Wo­chen spä­ter noch 189 un­be­rech­tigt mit Ho­telster­nen ge­wor­ben.

Die Bran­che geht nicht im­mer von be­trü­ge­ri­scher Ab­sicht aus. Es kom­me auch vor, dass In­ha­ber ver­ges­sen, ei­ne ab­ge­lau­fe­ne Klas­si­fi­zie­rung zu ver­län­gern. Neu­lin­ge auf dem Markt über­sä­hen ge­le­gent­lich, dass die Ho­telster­ne in Deutsch­land ein ge­schütz­tes Mar­ken­zei­chen sei­en.

Im Nordwesten sei die Ster­ne­schum­me­lei bis­lang „kein gro­ßes The­ma“ge­we­sen, sag­te Ber­nard Sie­ger aus Friesoythe-Thü­le, 1. Vor­sit­zen­der des De­ho­ga-Be­zirks­ver­bands We­ser-Ems. Nur in „we­ni­gen Ein­zel­fäl­len“sei­en Miss­stän­de fest­ge­stellt wor­den, vor al­lem weil Ho­tel­be­trei­ber ih­re ab­ge­lau­fe­ne Klas­si­fi­zie­rung nicht ver­län­gert hät­ten. Die­se dürf­ten dann nicht mehr da­mit wer­ben und wür­den auch nicht mehr mit ei­ner Klas­si­fi­zie­rung in Tou­ris­mus-Pro­spek­ten auf­ge­führt, er­klär­te Sie­ger.

Die De­ho­ga Deut­sche Hotelklassifizierung kün­dig­te auf­grund der Miss­stän­de an, ge­gen­steu­ern zu wol­len. Ei­ne Soft­ware soll Ster­ne­schum­me­lei au­to­ma­ti­siert auf­de­cken und es soll bun­des­weit Über­prü­fun­gen nach dem Zu­falls­prin­zip ge­ben. Ho­te­liers sol­len deut­li­che­re Hin­wei­se er­hal­ten, wenn das Recht, die Ster­ne zu füh­ren, nach drei Jah­ren aus­läuft. Wer il­le­gi­ti­me Ster­ne­wer­bung nicht un­ter­las­se, wer­de der Zen­tra­le zur Be­kämp­fung un­lau­te­ren Wett­be­werbs ge­mel­det.

Da­mit wol­le man „den tem­po­rä­ren Ge­gen­wind wie­der in ei­nen sta­bi­len Auf­wind“um­wan­deln, sag­te Lu­the. Ge­ra­de in Zei­ten der On­li­ne-Be­wer­tung sei der Nut­zen der Ster­ne als ob­jek­ti­ve Ori­en­tie­rungs­hil­fe hö­her denn je.

Das bun­des­weit ein­heit­li­che Ster­ne-Sys­tem des De­ho­ga gibt es seit 20 Jah­ren. Die Klas­si­fi­zie­rung er­folgt an­hand von 270 Kri­te­ri­en – von der Re­ser­verol­le Klo­pa­pier bis zum Blu­men­gruß – und ist für die Ho­tels frei­wil­lig. Ak­tu­ell neh­men rund 8500 Be­trie­be teil, die Zahl ist erst­mals seit Jah­ren leicht rück­läu­fig.

@ In­fos: www.ho­telster­ne.de

DPA-BILD: PERREY

Soll Gäs­ten ei­ne Ori­en­tie­rungs­hil­fe bie­ten: die Hotelklassifizierung mit Ster­nen

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