Das gro­ße Glück ist mit den Jun­gen

Kin­der und Ju­gend­li­che sind mit Sport­an­ge­bo­ten zu­frie­den, mit dem WLAN-An­ge­bot aber nicht

Nordwest-Zeitung - - OLDENBURG - VON MARC GESCHONKE

Nur Os­na­brück kann in der Ge­samt­be­wer­tung mit­hal­ten. Von der lo­ka­len Po­li­tik schei­nen jun­ge Men­schen hin­ge­gen we­ni­ger be­geis­tert.

OL­DEN­BURG – Ein Eis mit Sah­ne! Heim­lich mit der Ta­schen­lam­pe un­ter der Bett­de­cke le­sen! Ei­ne Höh­le aus De­cken! Wah­res Glück kann doch so ein­fach zu ha­ben sein. Vor al­lem in Ol­den­burg, schenkt man dem „Glüx­test“des Lan­des­ju­gend­rings Glau­ben. Der al­ler­dings stell­te bei 2100 jun­gen Men­schen in Nie­der­sach­sen nicht nur be­sag­te klei­ne Glücks­mo­men­te in den Fo­kus, son­dern so­gleich die Stadt­po­li­tik in Fra­ge. Wie zu­frie­den ist die neue Ge­ne­ra­ti­on mit Ju­gend­treffs? Wie mit Sport­an­ge­bo­ten, mit Bus und Bahn? Wie sehr wer­den ei­ge­ne Wün­sche von der Po­li­tik ernst­ge­nom­men? Fra­gen über Fra­gen, de­ren Be­ant­wor­tung un­term Strich ei­nes ver­deut­licht: Kin­der und Ju­gend­li­che die­ser Stadt sind sehr zu­frie­den. Um nicht zu sa­gen: Ol­den­burgs jun­ge Men­schen sind die glück­lichs­ten in Nie­der­sach­sen – von Os­na­brück und frei­em WLAN-Zu­gang in der Öf­fent­lich­keit ein­mal ab­ge­se­hen.

Denn in der End­ab­rech­nung lie­gen bei­de Städ­te mit der Ge­samt­no­te 2,3 gleich­auf an der Spit­ze; der feh­len­de Zu­gang ins In­ter­net aber sorgt bei den Be­frag­ten in Ol­den­burg ganz of­fen­bar für Frust: ei­ne 4,1 gibt’s nur da­für. Und das, ob­wohl auf den Rat­haus­trep­pen doch tag­täg­lich und -nächt­lich jun­ge Leu­te sit­zen und sich im Netz her­um­trei­ben. „Zum Glück“ist dies die mit Ab­stand schlech­tes­te Be­wer­tung (in Schul­no­ten). Mit dem Rest kön­nen Ver­wal­tung und Po­li­tik al­ler­dings ganz zu­frie­den sein. Bei­spie­le?

Mit der Durch­schnitts­no­te 1,9 ver­mer­ken die Kin­der und Ju­gend­li­chen, wie gern sie in der Stadt le­ben. Ei­ne 2,2 weist die Zuf­rie­den­heit mit den Sport­an­ge­bo­ten der Ver­ei­ne, Schwimm­bä­dern oder Bolz­plät­zen aus.

Ju­gend­ver­bän­de und Ju­gend­grup­pen er­hal­ten ei­ne 2,4, Dis­ko­the­ken, Kon­zer­te, Ki­nos, Thea­ter und – Obacht! – Kn­ei­pen ei­ne 2,5. Dann wä­re da noch die 2,7 für öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel und noch ei­ne durch­aus gu­te 2,8 für of­fe­ne Treffs wie Ska­ter­an­la­gen, Ju­gend­zen­tren oder -clubs. Sprich: Al­les, was Spaß macht, bringt bes­te No­ten – das macht im Schnitt ei­ne 2,5 für den wei­ten Be­reich Frei­zeit­ge­stal­tung. Da kann nur noch Han­no­ver mit­hal­ten.

So weit, so gut. Hin­ter­fra­gen soll­ten er­wach­se­ne Ent­schei­der al­ler­dings ih­re Ar­beit im Be­reich Be­tei­li­gung. Da sind die Kin­der näm­lich frus­triert – kei­ne gu­te Ba­sis für die künf­ti­ge Wäh­ler­schaft: Nur ei­ne 3,8 gibt es da fürs Ge­fühl, mit den ei­ge­nen Wün­schen von der Po­li­tik ernst­ge­nom­men zu wer­den. Dass jun­ge Men­schen an kom­mu­nal­po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen aus­rei­chend be­tei­ligt wer­den, scheint auch nicht selbst­ver­ständ­lich: Hier gibt es le­dig­lich ei­ne 3,6. Und das En­ga­ge­ment der Po­li­tik vor Ort, die Aus­bil­dungs- und Ar­beits­platz­si­tua­ti­on für jun­ge Men­schen zu ver­bes­sern, wird auch nur mit ei­ner 3,4 quit­tiert. Im­mer­hin: Ver­sor­gung, Si­tua­ti­on und bau­li­cher Zu­stand der Schu­len er­hal­ten ei­ne 3,1. Das ist im wahrs­ten Sin­ne be­frie­di­gend. Aber eben nicht gut.

Glei­ches gilt für den The­men­be­reich „Ju­gend­freund­lich­keit“. Die „Men­schen in der Schu­le“er­hal­ten da­für ei­ne er­wart­ba­re 2,6, die „Men­schen auf der Stra­ße“aber nur ei­ne 3,1. Über­dies: Durch­schnitt­lich – nicht mehr, nicht we­ni­ger und da­mit auch nicht wirk­lich gut – wur­de die Fra­ge be­ant­wor­tet, wie oft Kin­der im letz­ten hal­ben Jahr er­le­ben muss­ten, dass Freun­de we­gen ih­rer Herkunft, Re­li­gi­on, po­li­ti­schen Ein­stel­lung, se­xu­el­len Ori­en­tie­rung oder kör­per­li­chen wie geis­ti­gen Fähig­kei­ten dis­kri­mi­niert wur­den: 2,3. Be­deu­tet laut Fra­ge­bo­gen: 1 bis 3 Mal ha­ben sie es schon er­lebt, al­so 1 bis 3 Mal zu oft. Und da­mit soll­te sich Ol­den­burg nun wirk­lich nicht zu­frie­den ge­ben.

Da­von ab­ge­se­hen: Un­se­re Bil­der zei­gen neun gu­te Grün­de, wes­halb jun­ge Leu­te in Ol­den­burg glück­lich sein kön­nen und soll­ten – oder?

BIL­DER: MARC GESCHONKE

Glück: Weil man hier al­les wer­den kann. So­gar Prinz!

Glück: Weil man im­mer und über­all Sport trei­ben kann!

Glück: Weil für al­le Ge­ne­ra­tio­nen et­was da­bei ist!

Glück: Weil selbst der Re­gen in Ol­den­burg ein Herz hat!

Glück: Weil hier auch El­tern wie­der zu Kin­dern wer­den!

Glück: Weil auch jun­ge Über­flie­ger will­kom­men sind!

Glück: Weil Ol­den­burg ein­fach zum Ver­lie­ben ist!

Glück: Weil der Ge­gen­ver­kehr manch­mal zi­ckig ist!

Glück: Weil die Stadt im­mer Grün­de fürs Fei­ern fin­det!

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