Ge­richts­hof stärkt Ge­braucht­wa­gen-Käu­fer

Wer muss die Ur­sa­che für ei­nen Scha­den be­wei­sen?

Nordwest-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON CLAU­DIA KORNMEIER

Das BGH-Ur­teil macht dem Ge­braucht­wa­gen­han­del wich­ti­ge Vor­ga­ben. Das Ge­schäft wird da­durch wohl nicht ein­fa­cher.

KARLS­RU­HE – Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) in Karls­ru­he hat die Rech­te von Ver­brau­chern beim Ge­braucht­wa­gen­Kauf ge­stärkt. In dem Ur­teil von Mitt­woch geht es um die Fra­ge, wer die Ur­sa­che für ei­nen Scha­den be­wei­sen muss, der in­ner­halb von sechs Mo­na­ten auf­tritt. We­gen ei­ner Ent­schei­dung des EU-Ge­richts­hofs muss­te Karls­ru­he sei­ne Recht­spre­chung än­dern.

In dem ver­han­del­ten Fall ging es um ei­nen Ge­trie­be­scha­den. Nach fünf Mo­na­ten funk­tio­nier­te die Au­to­ma­tik­schal­tung nicht mehr rich­tig, wes­halb der Käu­fer sein Geld zu­rück­ha­ben woll­te.

Die Sa­che ging dann al­ler­dings vor Ge­richt. Ge­strit­ten wur­de dar­über, ob der Käu­fer be­wei­sen muss, dass er die Schal­tung nicht selbst durch ei­nen Be­di­en­feh­ler ka­putt ge­macht hat­te.

Nach der neu­en Recht­spre­chung wird nun zu­guns­ten des Ver­brau­chers ver­mu­tet, dass der Scha­den be­reits von An­fang an vor­ge­le­gen hat. Der Ver­käu­fer muss das Ge­gen­teil be­wei­sen – im kon­kre­ten Fall al­so et­wa nach­wei­sen, dass der Käu­fer des Ge­braucht­wa­gens die Schal­tung nicht rich­tig be­dient hat.

Das hat al­ler­dings zeit­li­che Gren­zen, wie noch­mals be­tont wur­de: Vor­aus­set­zung ist im­mer, dass der Scha­den in­ner­halb von sechs Mo­na­ten auf­tritt.

Ge­lingt dem Ver­käu­fer der Nach­weis nicht, wird ver­mu­tet, dass der Scha­den von An­fang an zu­min­dest im An­satz vor­han­den war – auch wenn un­ge­klärt bleibt, ob über­haupt ein Man­gel vor­liegt, für den der Ver­käu­fer ver­ant­wort­lich ist (Ak­ten­zei­chen: VIII ZR 103/15).

Un­term Strich se­hen Ex­per­ten nach dem Ur­teil ei­ne stär­ke­re Stel­lung der Ver­brau­cher. Der Au­to-Club Eu­ro­pa be­grüß­te das Ur­teil: „Der Käu­fer ist jetzt im­mer auf der si­che­ren Sei­te und muss sich nicht mit der Be­weis­füh­rung ab­kämp­fen“, teil­te der Ver­band mit.

DPA-BILD: KAH­NERT

Ge­braucht­wa­gen bei ei­nem Händ­ler in Stutt­gart: Gibt es nach dem Ver­kauf tech­ni­sche Pro­ble­me, wird oft hef­tig dar­um ge­strit­ten, beim wem die Schuld liegt.

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