Po­li­zis­tin ver­steht ru­mä­ni­sche Be­lei­di­gung

29-Jäh­ri­ger muss in Haft – Se­xis­ti­sche Be­schimp­fun­gen bei Tu­mul­ten am Land­ge­richt

Nordwest-Zeitung - - STADT OLDENBURG - VON FRANZ-JO­SEF HÖFFMANN

Der An­ge­klag­te muss nun für zwei Mo­na­te ins Ge­fäng­nis. Ei­ne Dol­met­sche­rin wur­de als Sach­ver­stän­di­ge ge­la­den.

OL­DEN­BURG – Weil er ei­ne Po­li­zis­tin auf das Übels­te be­lei­digt hat, ist ein 29 Jah­re al­ter Ru­mä­ne zu zwei Mo­na­ten Ge­fäng­nis ver­ur­teilt wor­den. Ein ent­spre­chen­des Ur­teil des Amts­ge­rich­tes hat das Land­ge­richt am Mitt­woch be­stä­tigt. Der An­ge­klag­te hat­te die Be­am­tin in sei­ner ru­mä­ni­schen Mut­ter­spra­che be­lei­digt. Die Po­li­zis­tin spricht ru­mä­nisch und hat­te je­des Wort ver­stan­den. Sie hat­te An­zei­ge er­stat­tet.

Die Be­lei­di­gun­gen fan­den am Ran­de ei­nes gro­ßen Raub­pro­zes­ses statt, der be­reits am 6. Mai ver­gan­ge­nen Jah­res mit Ur­teil be­en­det wur­de. Da­mals war es zu tu­mult­ar­ti­gen Sze­nen im Land­ge­richt ge­kom­men. Die Ur­teils­be­grün­dung muss­te un­ter­bro­chen wer­den. Die Po­li­zei rück­te an, dar­un­ter die Be­am­tin, die dann so übelst be­lei­digt wor­den war.

In dem da­ma­li­gen Pro­zess muss­te sich auch der Bru­der des An­ge­klag­ten ver­ant­wor­ten. Der 22-jäh­ri­ge Bru­der des An­ge­klag­ten hat­te schon wäh­rend des lau­fen­den Raub­pro­zes­ses die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin und die An­kla­ge­ver­tre­te­rin als „Hu­ren“und „Schlam­pen“be­schimpft. Er wur­de da­mals we­gen schwe­ren Rau­bes in meh­re­ren Fäl­len zu zehn Jah­ren Ge­fäng­nis ver­ur­teilt, der jet­zi­ge An­ge­klag­te zu sechs Jah­ren und drei Mo­na­ten Ge­fäng­nis.

Di­rekt nach der Ver­kün­dung des Ur­teils war es da­mals zu den Tu­mul­ten ge­kom­men. Die se­xis­ti­schen Be­lei­di­gun­gen soll­ten vor al­lem die Mut­ter der Po­li­zis­tin ver­un­glimp­fen. Das sei in un­se­rem Kul­tur­kreis ehr­ver­let­zend, hat­te die Amts­rich­te­rin im ers­ten Be­lei­di­gungs-Ur­teil aus­ge­führt.

Der Ver­tei­di­ger des An­ge­klag­ten aber mein­te, in Ru­mä­ni­en sei das an­ders. Des­we­gen hat­te die Be­ru­fungs­kam­mer für Mitt­woch ei­ne Dol­met­sche­rin für die ru­mä­ni­sche Spra­che als „Sach­ver­stän­di­ge“ge­la­den.

Von we­gen in Ru­mä­ni­en ist das an­ders: Ge­ra­de die Eh­re der Mut­ter sei un­an­tast­bar, er­klär­te die Dol­met­sche­rin. Der An­ge­klag­te woll­te al­so be­lei­di­gen und das auch tief. Da­von war das Ge­richt über­zeugt. In Deutsch­land ha­be sich der An­ge­klag­te zu be­neh­men, ver­warf die Kam­mer un­ter Vor­sitz von Rich­ter Alex­an­der Wie­be die Be­ru­fung des 29-Jäh­ri­gen.

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