An­ke En­gel­ke: „Ich ha­be kein Smart­pho­ne“

51-jäh­ri­ge Schau­spie­le­rin und Mo­de­ra­to­rin ist ei­ne über­zeug­te Brief­schrei­be­rin

Nordwest-Zeitung - - PANORAMA - VON CHRISTOPH DRIES­SEN

Sie schreibt mit der Hand und auf ei­ner al­ten Schreib­ma­schi­ne. Ih­ren Lap­top packt sie zu Hau­se erst abends zum Ar­bei­ten aus.

FRA­GE: Bei der Lit.Co­lo­gne le­sen Sie am 23. Ok­to­ber aus ei­nem wun­der­ba­ren Sam­mel­band mit Brie­fen, „Mo­re Let­ters of No­te“. Die Brie­fe sind mal ko­misch, mal er­grei­fend. Heu­te gibt es das so nicht mehr, es wer­den kaum noch Brie­fe ge­schrie­ben. EN­GEL­KE: Ich kau­fe nach wie vor oft Brief­mar­ken in der lus­ti­gen Post­stel­le bei uns im Ort, und wenn da ei­ne Schlan­ge ist, hof­fe ich im­mer, dass nicht nur Pa­ke­te zu­rück­ge­ge­ben wer­den. FRA­GE: Es schrei­ben heu­te viel we­ni­ger Men­schen Brie­fe auf Pa­pier als frü­her. EN­GEL­KE: Al­so, ich ha­be heu­te schon ei­nen Brief und ei­ne Post­kar­te ge­schrie­ben. Mir kommt das gar nicht un­ge­wöhn­lich vor. Hat es nicht auch et­was da­mit zu tun, wie man sei­nen All­tag ein­rich­tet? Wenn man in sei­nem Sicht­feld im­mer ein Han­dy hat, dann simst oder mailt man eben stän­dig. Mein Lap­top pa­cke ich zu Hau­se erst abends zum Ar­bei­ten aus. Ich ha­be auch kein Smart­pho­ne. FRA­GE: Da ge­hö­ren Sie zu ei­ner ganz klei­nen Min­der­heit. EN­GEL­KE: Ja, ich bin da sehr gest­rig. Ich ha­be zu Hau­se ei­ne Rie­sen­box mit Post­kar­ten und lat­sche 20 Mal am Tag dar­an vor­bei, da schreibt man au­to­ma­tisch. FRA­GE: Wo­bei man die E-Mail ja als Nach­fol­ger des ge­schrie­be­nen Brie­fes be­trach­ten kann. Oder gibt man sich da beim For­mu­lie­ren zu we­nig Mü­he? EN­GEL­KE: Man kann auch EMails mit Be­dacht und mit Ver­gnü­gen for­mu­lie­ren, ich ma­che das gern. Aber ich se­he den Un­ter­schied. Ich schaf­fe viel­leicht 20 E-Mails an ei­nem Abend oder in ei­ner Nacht – aber Brie­fe? Da schaf­fe ich ganz be­stimmt kei­ne 20. FRA­GE: Gibt es Brie­fe, für die Sie sich be­son­ders viel Zeit neh­men? EN­GEL­KE: Ja, das sind sol­che, die in mir ar­bei­ten. Ich ha­be ein paar Freun­din­nen und Freun­de, da in­for­mie­ren wir uns al­le paar Mo­na­te über das, was so läuft. Das sind län­ge­re Brie­fe. FRA­GE: Wo­her neh­men Sie die Zeit? EN­GEL­KE: Die neh­me ich mir ein­fach. Da­für ha­be ich kein Face­book, Twit­ter, Ins­ta­gram. Da wür­de ich dann näm­lich den­ken: „Oh nein, wie scha­de um die Zeit!“FRA­GE: Schrei­ben Sie per Hand? EN­GEL­KE: Ja. Frü­her hab ich im­mer mit Tin­te ge­schrie­ben, aber seit ei­ni­gen Jah­ren schrei­be ich mit ei­nem ganz tol­len, dün­nen Stift, der hat ei­ne Ele­ganz, aber auch so ei­ne Graf­fi­ti-Rot­zig­keit, weil der manch­mal un­ver­hofft kleckst. Manch­mal tip­pe ich die Brie­fe aber auch auf ei­ner al­ten Schreib­ma­schi­ne, vor al­lem, wenn es ein biss­chen ko­misch wer­den soll. FRA­GE: Be­wah­ren Sie die Brie­fe auf? EN­GEL­KE: Ja, ich bin ge­ne­rell ein Auf­be­wah­rer und ha­be ei­ne spe­zi­el­le Brief­sam­mel­wut. Ich neh­me Schuh­kar­tons da­für. Ich ge­he im­mer in ei­nen be­stimm­ten La­den, weil die die sta­bils­ten Kar­tons ha­ben, und fra­ge: „Kann ich wie­der drei Kar­tons ha­ben, aber oh­ne Schu­he bit­te?“

DPA-BILD: VEN­NEN­BERND

Schau­spie­le­rin An­ke En­gel­ke

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.