Rei­che sol­len mehr zah­len

Nie­der­sach­sens In­nen­mi­nis­ter Pis­to­ri­us will so­zia­le Staf­fe­lung ein­füh­ren

Nordwest-Zeitung - - VORDERSEITE - VON GUNARS REICHENBACHS, BÜ­RO HAN­NO­VER

Das Land kri­ti­siert ei­ne Schief­la­ge. Gut­ver­die­ner wür­den Stra­fen deut­lich we­ni­ger spü­ren.

HAN­NO­VER – In der De­bat­te um den ak­tu­el­len Buß­geld-Ka­ta­log für Ver­kehrs­sün­den for­dert Nie­der­sach­sens rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung ei­ne so­zia­le Staf­fe­lung der Stra­fen. Buß­gel­der sol­len künf­tig ein­kom­mens­ab­hän­gig ver­hängt wer­den: Rei­che sol­len här­ter zur Kas­se ge­be­ten wer­den als Ar­me. Das Ka­bi­nett be­schloss am Di­ens­tag ei­ne ent­spre­chen­de Bun­des­rats­in­itia­ti­ve, die die Bun­des­re­gie­rung auf­for­dert, die ge­setz­li­chen Grund­la­gen zu än­dern.

„Die be­ste­hen­de Sys­te­ma­tik dif­fe­ren­ziert nicht aus­rei­chend nach der Hö­he des je­wei­li­gen Ein­kom­mens“, kri­ti­sier­te Nie­der­sach­sens In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD). Die Fol­ge: so­zia­le Un­ge­rech­tig­kei­ten bei Buß­gel­dern. „Wer we­nig ver­dient, be­kommt ein Buß­geld deut­li­cher zu spü­ren als je­mand mit hö­he­rem Ein­kom­men – und das sieht der Nor­mal- und Ge­ring­ver­die­ner zu Recht nicht ein“, be­tont Pis­to­ri­us, der bei an­de­ren Bun­des­län­dern Un­ter­stüt­zung spürt für den Vor­stoß. „Ich ha­be sehr vie­le po­si­ti­ve Stim­men ge­hört“, sagt Pis­to­ri­us, der von der Herbst­ta­gung der In­nen­mi­nis­ter im No­vem­ber im Saar­land kla­re Si­gna­le er­war­tet.

Auf der Ta­ges­ord­nung ste­hen auch hö­he­re Stra­fen für ge­fähr­li­che Ra­ser. „Zu ho­hes Tem­po ist nach wie vor Kil­ler Num­mer eins auf un­se­ren Stra­ßen“, ar­gu­men­tiert Pis­to­ri­us. Bun­des­weit gin­gen je­doch die Zah­len der Un­fall­to­ten und Schwer­ver­letz­ten nicht zu­rück. Des­halb dür­fe es „kei­ne Denk­ver­bo­te ge­ben“, um Tem­posün­der zum Ab­brem­sen zu zwin­gen. Im Ver­gleich zu an­de­ren EU-Län­dern sei­en die Buß­gel­der für Tem­po­ver­stö­ße viel nied­ri­ger. Pis­to­ri­us: „Die ab­schre­cken­de Wir­kung ver­pufft viel zu oft. Das wür­de ganz an­ders aus­se­hen, wenn auch bei uns für gro­be Tem­po­ver­stö­ße bis zu 3000 Eu­ro fäl­lig wä­ren.“

Nie­der­sach­sen for­dert zu­dem ei­ne „au­to­ma­ti­sche Ver­dop­pe­lung von Buß­gel­dern, wenn von der Hand­lung ei­ne be­son­de­re Ge­fahr aus­geht – bei­spiels­wei­se ho­hes Tem­po in ei­ner Bau­stel­le“. PRO & CON­TRA-KOM­MEN­TA­RE, SEI­TE 4

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DPA-BILD: HOLLEMANN

Für so­zia­le Staf­fe­lung: Bo­ris Pis­to­ri­us

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