BGH ver­bie­tet Ban­ken Ge­bühr

Bun­des­rich­ter leh­nen Min­dest­pau­scha­len für ge­dul­de­te Kon­to­über­zie­hung ab

Nordwest-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON ANJA SEM­MEL­ROCH

Kun­den wür­den durch sol­che Klau­seln un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt. Ge­klagt hat­ten Ver­brau­cher­schüt­zer.

KARLS­RU­HE – Ban­ken dür­fen Kon­to­in­ha­bern für ei­ne ge­dul­de­te Über­zie­hung kei­ne Min­dest­pau­scha­le be­rech­nen. Das hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) nach Kla­gen von Ver­brau­cher­schüt­zern ent­schie­den. Die Karls­ru­her Rich­ter se­hen die Kun­den durch der­ar­ti­ge Klau­seln un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt. Ban­ken wür­den so un­ab­hän­gig von der Hö­he und Lauf­zeit des Kre­dits ih­ren Auf­wand auf die Kun­den ab­wäl­zen, heißt es in dem Ur­teil vom Di­ens­tag.

Ge­dul­de­te Über­zie­hung be­deu­tet, dass der Kon­to­in­ha­ber nicht nur ins Mi­nus rutscht, son­dern da­bei auch noch sei­nen Dis­po­kre­dit über­schrei­tet. Das ist in al­ler Re­gel teu­er.

Kas­siert die Bank nicht ein­fach Zin­sen, son­dern grund­sätz­lich ein Min­des­tent­gelt, kann sich das für den Kun­den aber be­son­ders un­güns­tig aus­wir­ken. Im Ex­trem­fall pas­siert es, dass er we­gen ei­ner Über­zie­hung um we­ni­ge Cent an nur ei­nem ein­zi­gen Tag meh­re­re Eu­ro Ge­bühr be­zah­len muss. Im kon­kre­ten Fall hat­ten die Ver­brau­cher­zen­tra­len die Deut­sche Bank und die Targo­bank ver­klagt, weil die­se für die Über­zie­hung min­des­tens 6,90 und 2,95 Eu­ro ver­lang­ten.

Die­se Pau­scha­len kipp­te der BGH. Die Rich­ter rech­nen vor, dass ei­ne ein­tä­gi­ge Kon­to­über­zie­hung um zehn Eu­ro den Ver­brau­cher da­mit so teu­er kom­me, dass es ei­nem Jah­res­zins­satz von 25 185 und 10 767,5 Pro­zent ent­spre­che – das sei un­ver­hält­nis­mä­ßig. Sie ver­pflich­ten die Ban­ken, ih­re Kos­ten künf­tig kom­plett in die Zin­sen ein­zu­prei­sen.

Ein Spre­cher der Targo­bank er­klär­te, sein Haus wer­de ab so­fort auf die Er­he­bung des Ent­gelts ver­zich­ten. „Be­rech­tig­ten An­sprü­chen un­se­rer Kun­den be­züg­lich be­reits ge­zahl­ter Ent­gel­te wer­den wir selbst­ver­ständ­lich um­ge­hend nach­kom­men“, sag­te er. Auch ei­ne Spre­che­rin der Deut­schen Bank teil­te mit, man wer­de die Vor­ga­ben „selbst­ver­ständ­lich um­set­zen“.

In der Ver­hand­lung hat­ten die BGH-An­wäl­te der Ban­ken noch von „Pea­nuts“ge­spro­chen. Nach ih­rer Darstel­lung ent­steht der Bank durch ei­nen kurz­fris­tig ge­währ­ten Kleinst­kre­dit, bei dem schon bei­de Au­gen zu­ge­drückt wer­den, ein ho­her Auf­wand. So müss­ten Sach­be­ar­bei­ter in je­dem Ein­zel­fall die Bo­ni­tät des Kun­den prü­fen (Az. XI ZR 9/15 und XI ZR 387/15).

DPA-BILD: SCHIERENBECK

Das Über­zie­hen des Kon­tos kos­tet Geld. Doch nicht al­le Ge­büh­ren der Ban­ken sind laut BGH er­laubt.

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