Di­gi­tal ist nicht im­mer ide­al

PC-WELT - - Editorial -

ZEIT DI­GI­TA­LER VER­WIR­RUNG Falls Sie es noch nicht be­merkt ha­ben soll­ten: Wir be­we­gen uns auf ei­ne Zeit ma­xi­ma­ler di­gi­ta­ler Ver­wir­rung zu. Vi­el­leicht ha­ben wir sie auch schon er­reicht. Das weiß man nicht ge­nau. Neh­men wir Bill Ga­tes. Der Grün­der der Fir­ma Mi­cro­soft, reichs­ter Mann der Welt, schlägt vor, man sol­le Ro­bo­ter be­steu­ern. So ei­ne Art Ein­kom­mens­steu­er für Ma­schi­nen, die Men­schen an ih­ren Ar­beits­plät­zen er­set­zen. Ro­bo­ter ha­ben kein Ein­kom­men, und die Men­schen, die durch sie er­setzt wur­den, auch nicht (mehr). Wes­halb die Steu­er schon wie­der Sinn macht. Oder?

MA­XI­MA­LE VE­R­UN­SI­CHE­RUNG Kürz­lich ging der Fall ei­nes USA­me­ri­ka­ners durch die Pres­se, der sein kom­plet­tes Heim di­gi­tal ver­netzt hat­te. Je­den Schnick­schnack hat­te er ein­ge­baut – bis ei­nes Ta­ges sein Nach­bar vor der Tür stand und laut rief: „Hey Si­ri, mach die Tür auf“– was dann auch prompt ge­schah. Für Mi­gran­ten aus Me­xi­ko wä­re das bald ei­ne sinn­vol­le Ein­rich­tung. Wir le­ben in ei­ner Zeit, in der Ver­tre­ter der mäch­tigs­ten Re­gie­rung der Welt un­ge­straft „Al­ter­na­ti­ve Fak­ten“prä­sen­tie­ren und un­lieb­sa­me Nach­rich­ten als „Fa­ke News“dif­fa­mie­ren. Am liebs­ten di­gi­tal über Twit­ter.

RÜCK­KEHR ZUM ANA­LO­GEN In Deutsch­land will das Com­mu­ni­ty­Por­tal Face­book, ne­ben Twit­ter si­cher der größ­te Emit­tend von „Fa­ke News“, aus­ge­rech­net mit Fo­cus On­li­ne ko­ope­rie­ren, um ge­fälsch­te Nach­rich­ten auf­zu­de­cken. Am liebs­ten hät­te man Al­go­rith­men, die Un­wahr­hei­ten er­ken­nen – und das, wo man an­geb­lich nicht mal Be­lei­di­gun­gen und Volks­ver­het­zung di­gi­tal un­ter­bin­den kann. Vi­el­leicht ist es Zeit, wie­der zum Ana­lo­gen zu­rück­zu­keh­ren?

IKEA SCHAFFT ORD­NUNG Wäh­rend die Welt di­gi­tal ver­rückt spielt, flat­tert uns aus­ge­rech­net vom Mö­bel­haus Ikea, bis­lang ein ver­läss­li­cher Hort des Ana­lo­gen, ei­ne Pres­se­mit­tei­lung ins Haus: Ikea Ho­me Smart, die „Plug-and-Play-Lö­sung“oh­ne zu­sätz­li­che Ver­ka­be­lung. Ers­ter Baustein ist ei­ne far­bi­ge LED-Leuch­te mit Fern­be­die­nung – man ver­spricht aber mehr. Lie­be Freun­de aus Schwe­den, vi­el­leicht wollt Ihr Euch das noch mal über­le­gen. Di­gi­tal ist in Eu­rer hei­len Mö­bel­welt nicht un­be­dingt ide­al. „Hey Si­ri, mach die Tür zu!“

Herz­lichst, Ihr

Shirsch@pcwelt.de

Se­bas­ti­an Hirsch, Chef­re­dak­teur

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