Re­port: Strea­m­ing-Ab­mah­nun­gen Im­mer mehr Ta­blet-Nut­zer be­tro en

In den letz­ten Wo­chen zog wie­der ei­ne der ge­fürch­te­ten Ab­mahn­wel­len übers Land. Be­trof­fen wa­ren dies­mal ne­ben PCAn­wen­dern auch vie­le Smart­pho­neund Ta­blet-Nut­zer. War­um, le­sen Sie im Fol­gen­den. von Chris­toph Hoff­mann

PCgo - - Editorial -

Ei­nem PCgo-Le­ser at­ter­te kürz­lich ei­ne Ab­mah­nung ins Haus – Ab­sen­der war die Münch­ner An­walts­kanz­lei Wal­dorf From­mer, die un­ter an­de­rem die Film rmen 21st Century Fox und Warner Bro­thers so­wie deut­sche Rech­te­inha­ber wie Te­le München oder Uni­ver­sum Film ver­tritt. Der Le­ser wur­de zu ei­ner Zah­lung von über 900 Eu­ro auf­ge­for­dert und soll­te zeit­nah die bei­ge­füg­te Un­ter­las­sungs­er­klä­rung un­ter­schrei­ben. Sein Ver­ge­hen: Er hat auf sei­nem An­dro­id-Ta­blet mit­hil­fe der Gra­tis-App Pop­corn Ti­me ei­ni­ge Fol­gen der US-Kult­se­ri­en Home­land und Die Simpsons so­wie auf dem Note­book mit der PC-Soft­ware von Pop­corn Ti­me ei­ni­ge Ki­no lme wie Fack ju Göh­te an­ge­se­hen. Den ent­spre­chen­den Warn­hin­weis „Das Her­un­ter­la­den von ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­tem

Ma­te­ri­al kann in Ih­rem Land ver­bo­ten sein. Be­nut­zung auf ei­ge­ne Ge­fahr.“auf der Web­sei­te https://pop­corn­ti­me.io hat der Le­ser igno­riert. Dass es sich bei der Ab­mah­nung der An­walts­kanz­lei Wal­dorf From­mer um kei­nen Ein­zel­fall han­delt, wird nach ei­ner Google­Su­che schnell klar. Ne­ben Pop­corn Ti­me sind auch wei­te­re Di­ens­te und Pro­gram­me be­tro en, die nach dem glei­chen Prin­zip ar­bei­ten und ver­meint­lich un­wis­sen­de Nut­zer in die teu­re Ab­mahn­fal­le tap­pen las­sen.

Ver­häng­nis­vol­le Soft­ware

Zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen, es ist ver­lo­ckend. Ein­fach auf PC, Note­book oder An­dro­id-Ta­blet die kos­ten­lo­se Pop­corn-Ti­me-Soft­ware in­stal­lie­ren, da­nach in ei­ner Art Pro­gramm­zeit­schrift ei­nen Film oder ei­ne Se­ri­en­fol­ge aus­wäh­len und die Wie­der­ga­be star­ten. Je nach Ge­schwin­dig­keit der In­ter­net­ver­bin­dung schaut man Fil­me in ho­her Qua­li­tät, ganz oh­ne Ruck­ler. Vie­les er­in­nert da­bei bei­spiels­wei­se an die Me­dia­the­ken von ARD, ZDF und an­de­ren Fern­seh­sen­dern. Pro­blem: Bei den In­hal­ten, die man via Pop­corn Ti­me auf sei­nen Bild­schirm holt, han­delt es sich in den meis­ten Fäl­len um ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­tes Ma­te­ri­al, des­sen Wei­ter­ver­brei­tung il­le­gal ist – das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Jus­tiz hält das blo­ße Be­trach­ten ei­nes Vi­deo­st­reams für recht­mä­ßig. Da­zu der Köl­ner Rechts­an­walt Chris­ti­an Sol­me­cke „Nicht al­les was Strea­m­ing heißt, ist auch Strea­m­ing. Wer sich auf die­sem Por­tal (Pop­corn Ti­me, die Re­dak­ti­on) Fil­me über ei­nen ver­meint­li­chen Stream an­schaut, lädt die­sen Film auch au­to­ma­tisch, oh­ne ge­son­der­te Vor­war­nung per BitTor­rent hoch. Im Er­geb­nis wur­de die Da­tei ge­nau­so ge­teilt wie beim klas­si­schen Fi­le­sha­ring.“Das be­stä­tigt un­miss­ver­ständ­lich auch die FAQ auf der Web­sei­te von Pop­corn Ti­me: „Pop­corn Ti­me works using tor­rents, fair en­ough. Am I see­ding whi­le watching a mo­vie? In­de­ed, you are. You‘re go­ing to be uploa­ding bits and bits of the mo­vie for as long as you‘re watching it on Pop­corn Ti­me.“Man lädt al­so ei­nen Film auf sei­ne Fest­plat­te her­un­ter und stellt ihn im Tor­rent-Netz­werk zur Ver­fü­gung. Ver­ein­facht: Ih­re IP-Adres­se wird von Pop­corn Ti­me ö ent­lich ge­macht, an­de­re Nut­zer ver­bin­den sich mit Ih­rem PC und la­den den Film – üb­ri­gens so lan­ge, wie die Pop­corn-Ti­me-Soft­ware ak­tiv ist.

Iden­ti­fi­zie­rung über die IP

Die Iden­ti zie­rung der Pop­corn-Ti­me-Nut­zer, die ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­te Da­tei­en strea­men, er­folgt über ih­re IP-Adres­se (sie­he Kas­ten auf der nächs­ten Sei­te). So­bald Sie ei­nen Down­load – in die­sem Fall die Wie­der­ga­be ei­nes Films – star­ten, ist Ih­re IP-Adres­se als Fi­le­sha­rer sicht­bar. Im Auf­trag der Kanz­lei Wal­dorf From­mer über­nimmt die Iden­ti zie­rung ein ex­ter­ner Di­enst­leis­ter. Er führt ein Aus­kunfts­ver­fah­ren beim je­wei­li­gen In­ter­net­pro­vi­der durch, dem ein ge­richt­li­cher Be­schluss zu­grun­de­liegt. Nur wer über ei­ne ge­si­cher­te VPN-Ver­bin­dung (vir­tu­el­les pri­va­tes Netz­werk) ins In­ter­net geht, kann si­cher sein, dass man ihm nicht auf die Sch­li­che kommt. An­ony­mi­sie-

Auf dem An­dro­id-Ta­blet ist die Gra­tis-App schnell in­stal­liert und be­reit.

Auch un­ter Win­dows funk­tio­niert das Strea­m­ing mit­tels Soft­ware.

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