Rheinische Post Erkelenz

BVB sieht noch viel Luft nach oben

- VON HOLGER SCHMIDT

Beim 3:1-Arbeitssie­g in Köln beweist Dortmund Nerven. Die sind wichtig im Kampf um die Meistersch­aft.

KÖLN (dpa) Durchatmen war angesagt. Denn am Ende waren die Schwarz-Gelben froh, ihren Job am zweiten Spieltag erfüllt und einen Ausrutsche­r knapp vermieden zu haben. Das war beim 3:1 (0:1) bei Aufsteiger 1. FC Köln schwer genug. „Wenn wir uns das am Dienstag nochmal ansehen, werden wir uns in den Arsch beißen“, sagte Reus mit bangem Blick auf das Videostudi­um der ersten Halbzeit und bekannte: „Wir haben sechs Punkte, aber noch viel Luft nach oben. Wir sind noch lange nicht da, wo wir uns sehen und wo wir hinwollen.“Am Ende waren es die schon bekannte Comeback-Mentalität und die Breite des Kaders, die einen frühen Patzer im Meisterren­nen verhindert­en.

Für Letzteres stand am Freitag geradezu sinnbildli­ch Julian Brandt. Der Nationalsp­ieler war in der 62. Minute beim Stande von 0:1 in ein aus Dortmunder Sicht zerfahrene­s Spiel gekommen. Er brachte Schwung, die Wende und den Sieg durch Tore von Sancho (70.), Achraf Hakimi (86.) und Paco Alcácer (90.+4). Sancho ist mit 19 Jahren und 151 Tagen nun der jüngste Spieler der Bundesliga-Historie, der die Marke von 15 Toren knackte.

Die Frage, ob er nicht lieber von Anfang an spielen wolle, erübrige sich ja wohl, sagte Brandt nach seinem ersten großen Auftritt im Dortmunder Trikot. Doch dann dachte er augenschei­nlich an Mario Götze und sagte: „Es gibt Spieler, die haben auch gute Namen auf dem Rücken, die haben heute gar nicht gespielt.“Der WM-Goldjunge von Rio 2014 schmorte in Köln mal wieder 90 Minuten auf der Bank.

„Diese Auswechslu­ngen haben uns sehr, sehr viel gebracht. Man hat sofort gesehen, dass vieles anders war“, sagte Trainer Lucien Favre nach dem Spiel über jenen Doppelwech­sel, bei dem neben Brandt auch Hakimi kam. Auch die Mitspieler wussten, wem sie den Sieg am ehesten zu verdanken hatten. „Mit seiner fußballeri­schen Qualität war er sehr belebend“, sagte Torhüter Roman Bürki über Brandt. Und Reus erklärte: „Er hat andere Lösungen gefunden.“

Dem für 25 Millionen aus Leverkusen verpflicht­eten Nationalsp­ieler war das Lob fast schon unangenehm. „Dafür sitzen wir ja auf der Bank, damit wir nachlegen und ein belebendes Element sein können“, sagte er nach der 28-Minuten-Gala, die gleichzeit­ig ein klares Empfehlung­sschreiben für einen Startelf-Platz war. Diesen brauche er aber nicht zwangsläuf­ig in der Zentrale, wo er in der Rückrunde in Leverkusen bestach und auch am Freitag so herausrage­nd agierte, versichert­e Brandt. „Ich spiele gerne im Zentrum“, sagte er. „Aber am wichtigste­n ist: Ich will überhaupt spielen. Und ich will gewinnen.“

Das gelang am Freitag, obwohl der Meistersch­aftsanwärt­er sich eine Stunde lang vom Aufsteiger den Schneid abkaufen ließ. Dabei bewies der BVB zumindest wieder Mentalität. Nachdem er in der vergangene­n Saison fünf Spiele nach Rückstand gewann – so viele wie kein anderes Team – klappte es in dieser Spielzeit nun schon zum zweiten Mal. „Es ist ein gutes Gefühl, immer noch eine Schippe drauflegen zu können“, sagte Reus und kannte auch den Hauptgrund dafür. Nämlich den, „Potenzial auf der Bank in der Hinterhand zu wissen“.

Der breite Kader und somit die Stärke der Bank könnte im erwarteten Titel-Zweikampf mit dem FC Bayern in der Tat der große Trumpf des BVB werden.

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FOTO: AP Neuzugang Julian Brandt hatte großen Anteil am späten Sieg.

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