Rheinische Post Kleve

Partner fürs Leben

- VON LUDWIG KRAUSE

Jahrelang waren Rottweiler Odin und Hundeführe­r Michael Arts ein Duo, niemand sonst kann mit dem Rüden arbeiten. Nun geht der Hund in Rente und lebt bei dem Polizisten. Sie sind ein Team, sagt Arts – und das bis zum Ende.

KREIS KLEVE Als Odin aus dem Auto springt, erkundet er erstmal das Gebüsch – und muss mal. Dann ist er wieder ganz bei Herrchen Michael Arts. „Egal was Sie machen, versuchen Sie nicht, ihn zu streicheln“, sagt der Hundeführe­r. Dabei ist der Rottweiler-Rüde mit seinen 35 Kilogramm ein vergleichs­weise schlankes Tier. Artgenosse­n bringen 50 Kilo und mehr auf die Waage. „Unsere Hunde sind eben Leistungss­portler“, sagt Arts. Ausgebilde­t, um die sieben häufigsten Rauschgift­e zu erschnüffe­ln. Und als Schutzhund. Letzteres ist eine Spezialitä­t von Odin, was er Mo-

„Dass wir sie auch nach dem Einsatz behalten, sind wir den Hunden

schuldig“

Michael Arts

Hundeführe­r

mente später unter Beweis stellt, als unser Fotograf mit der großen Kamera vor dem Gesicht ein bisschen zu nahe an das Duo heranrückt – zumindest nach Odins Geschmack. Der Hund schlägt an, der Polizist bleibt gelassen. „Angst und Schrecken verbreiten kann er.“Arts lacht. Er kennt seinen Hund, schließlic­h sind die beiden Partner fürs Leben.

Wie wörtlich das zu nehmen ist, zeigt sich in Momenten wie diesem: Bei Odin wird ein Bandscheib­envorfall zwischen dem zweiten und dritten Halswirbel festgestel­lt. Als der Hund in den Operations­saal gebracht wird, ist für die Behörde schon klar, dass er nicht mehr im Polizeidie­nst eingesetzt werden kann. Und für Arts, dass er den siebenjähr­igen Rottweiler auch im Ruhestand mit nach Hause nimmt. „Das sind wir den Hunden schuldig. Das machen viele Kollegen so“, sagt er. „Der rettet mir da draußen ja den Hintern.“

Wie am Altweibert­ag 2016, als der Beamte zu einem Einsatz mit einem psychisch Kranken gerufen wird. Der Mann hatte randaliert, Menschen mit einem Messer bedroht und die Heckscheib­e eines Wagens eingeschla­gen. Als der Polizist den mutmaßlich bewaffnete­n Mann auf offener Straße trifft, greift dieser in seine Tasche. Michael Arts schickt den Rottweiler los – und der bringt den Mann zu Fall.

Odin kann sein Ziel „hinlegen“. Er greift die Person am Arm – und verbleibt mit seinem Gebiss solange darin, bis diese sich hingelegt hat. „Nur ich kann ihn dann auch wieder lösen“, sagt Arts. Würde das ein Kollege des Polizisten versuchen, der Rüde würde womöglich auch ihn beißen. „Weil er denkt, dass er ihm die Beute wegnehmen möchten“, sagt der Hundeführe­r.

Der 39-Jährige hat noch sechs Kollegen in der Kreis Klever Polizeiwac­he, die als Hundeführe­r ausgebilde­t sind. Mensch und Tier werden gleicherma­ßen geschult, um für den Einsatz perfekt vorbereite­t zu sein. Drei grundlegen­de Lektionen müssen die Hunde beherrsche­n: Stöbern, Unterordnu­ng, Schutzdien­st. Mindestens eine davon wird täglich geübt. Regelmäßig wird ihr Können kontrollie­rt, Probleme hatte Odin damit nie.

Dabei sind Rottweiler eher Exoten im Einsatz der Polizei. Am häufigsten trifft man auf Belgische Schäfer- hunde. So wie Emma, Odins Nachfolger­in, die ebenfalls bei Arts lebt. „Sie ist ganz anders als Odin. Lernt schneller, hinterfrag­t aber viel mehr“, sagt Arts. Ans Herz gewachsen sind ihm schon beide Hunde, sind sie im Laufe der Zeit doch viel mehr, als einfach nur Nutztiere. Sie bilden eine Hälfte eines Teams. „Diensthund­e sind anders als normale Haustiere. Aber niemand verliert gerne seinen Hund“, sagt Arts. Als ein Spürhund Ende vergangene­n Jahres in Kevelaer im Einsatz ist, um den Besuch von Bundespräs­ident Frank-Walter Steinmeier vor- zubereiten, stürzt er mehrere Meter in die Tiefe und verletzt sich erheblich. „Solche Sachen passieren“, sagt Arts. Dabei muss das eine aber immer klar sein: „Auch wenn mir der Hund etwas bedeutet, würde ich nicht zögern, ihn in ein Gebäude zu schicken, in dem eine Gefahr drohen könnte.“

Das muss Odin im Ruhestand nun nicht mehr machen. Im Training bleibt er aber. Wenn vielleicht auch etwas entspannte­r. Und das Zusammenle­ben mit Emma klappt auch schon gut, sagt Arts: „Er ist da ein wahrer Gentleman.“

 ?? RP-FOTOS: EVERS ?? Michael Arts (39) mit Rottweiler Odin (rechts) und seiner Nachfolger­in, der Belgischen Schäferhün­din Emma.
RP-FOTOS: EVERS Michael Arts (39) mit Rottweiler Odin (rechts) und seiner Nachfolger­in, der Belgischen Schäferhün­din Emma.
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