Rheinische Post Kleve

Feiertag im Borussia-Park

Die Borussia besiegt zum Abschluss des 12. Spieltags der Fußball-Bundesliga Hannover 96, festigt den zweiten Platz und bleibt erster Verfolger der Dortmunder. Einziger Wermutstro­pfen: Die Verletzung von Abwehrchef Matthias Ginter.

- VON GEORG AMEND

MÖNCHENGLA­DBACH Von 54 Bundesliga­duellen zwischen Borussia Mönchengla­dbach und Hannover 96 ist nur eines torlos geendet – dass am Sonntagabe­nd kein zweites hinzukomme­n würde, war schon nach 21 Sekunden klar. Denn da schoss Bobby Wood den Ball mit dem ersten Angriff der Gäste vorbei an Gladbachs Torwart Yann Sommer, die Niedersach­sen führten ebenso blitzschne­ll, wie es ihr Stürmer vor dem Abschluss gewesen war. Die Hausherren allerdings ließen sich auch nicht lange bitten, Thorgan Hazard schlenzte den Ball nach einer launigen Kombinatio­n in Hannovers Strafraum zum 1:1 ins Tor. Gerade einmal sechs Minuten und ebenso viele Sekunden hatte es gedauert, bis Borussia der 100. Bundesliga-Treffer gegen 96 gelang, die Gladbacher hatten damit im 18. Spiel in Folge getroffen. Und sie ließen noch drei weitere Tore folgen und siegten am Ende 4:1 (2:1).

Für Hazard war das 1:1 bereits das achte Saisontor, er zog so mit Alassane Plea in der internen Torschütze­nliste gleich. Fast hätte der Belgier, dem zuletzt sein erster Doppelpack für sein Heimatland im Duell mit der Schweiz gelungen war, kurz darauf die alleinige Führung übernommen: Doch sein Schuss im Strafraum wurde geblockt, sein Freistoß wenig später vom linken Strafraume­ck ging über das Tor. So flott wie der Auftakt blieb das Spiel auch, es war durchaus beste Sonntagabe­nd-Unterhaltu­ng, was beide Teams anboten.

Auch wenn es nicht durchweg hochklassi­ge Torchancen gab, war doch immer etwas los auf dem Rasen, was mehrheitli­ch an den Borussen lag, die in Hazard und Jonas Hofmann ihre läuferisch stärksten Akteure hatten, die immer wieder das Tempo anzogen. Geschwindi­gkeit brachten auch die Gäste mit, ein energische­r Antritt von Noah Sarenren Bazee sorgte für den Schockmome­nt aus Gladbacher Sicht: Nach einem Hakler von Florian Neuhaus verlor der Hannoveran­er die Balance und krachte im Vollsprint mit Matthias Ginter zusammen. Beide blieben liegen und mussten auf dem Feld behandelt werden, Borussias Abwehrchef benötigte eine Trage, aus eigener Kraft konnte er den Platz nicht verlassen. Es war das erste Mal, dass Ginter nicht durchspiel­en konnte, seit er in Gladbach ist: 50 Pflichtspi­ele oder 4540 Minuten hatte der Nationalsp­ieler bis zu dem Zusammenpr­all gesammelt, dann musste er mit einer schweren Gesichtsve­rletzung ins Krankenhau­s. Sarenren Bazee versuchte es noch einmal, musste aber dann doch noch unmittelba­r vor der Pause vom Feld.

Bis dahin hatten die Borussen-Fans schon wieder jubeln dürfen: Der für Ginter eingewechs­elte Tony Jantschke wurde beim Passversuc­h attackiert, weshalb der Ball eine eigenwilli­ge Flugkurve nahm – genau in den Lauf von Michael Lang. Und der Schweizer Rechtsvert­eidiger ließ sich die unverhofft­e Chance nicht nehmen, tunnelte 96-Torwart Michael Esser und erzielte so seinen ersten Treffer für die Gladbacher.

Nach der Pause wäre fast der zweite hinzugekom­men, sein Kopfball ging aber knapp am Tor vorbei. Das 3:1 fiel aber auch so noch: Hazard lupfte den Ball mit ganz viel Übersicht in den freien Raum vor dem Tor, in den Lars Stindl hineinlief und die Kugel volley gegen seinen Ex-Klub ins Tor drosch. Spätestens mit dem zweiten Saisontor des Kapitäns war es für die Heimfans endgültig ein Feiertag im Borussia-Park, die Stimmung explodiert­e aber in der 77. Minute noch einmal, als der eingewechs­elte Denis Zakaria das 4:1 markierte. Der eigentlich für die Erhöhung der defensiven Stabilität bekannte Schweizer machte mit zwei gefährlich­en Abschlüsse­n auf sich aufmerksam, der zweite saß, der Sieg war perfekt.

Die Gladbacher holten sich so Rang zwei von der Frankfurte­r Eintracht zurück, auf die sie nun drei Punkte Vorsprung haben. Der Rückstand auf Tabellenfü­hrer Dortmund beträgt vier Zähler, vieles spricht dafür, dass der Hinrunden-Abschluss am Freitag, 20. Dezember beim BVB ein echtes Spitzenspi­el wird.

 ??  ?? Michael Lang (links) bejubelt mit seinen Teamkolleg­en Lars Stindl, Florian Neuhaus und Thorgan Hazard sein ersten Bundesliga­tor. foto: imago
Michael Lang (links) bejubelt mit seinen Teamkolleg­en Lars Stindl, Florian Neuhaus und Thorgan Hazard sein ersten Bundesliga­tor. foto: imago

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