Rheinische Post Langenfeld

Langenfeld­s Gymnasium im Rausch der Farben

- VON THOMAS GUTMANN

„Mauern“ohne Grenzen – 40 Schüler aus 17 Nationen starten ein internatio­nales Projekt der Völkervers­tändigung.

LANGENFELD „Da“, sagt Neela und zeigt ihre bunten Hände: „Meine Mutter wird sich freuen.“Vermutlich wird sie das wirklich, denn sie hat allen Grund, stolz zu sein auf ihre elfjährige Tochter. Hat die doch zwei Stunden lang an einem 16 Quadratmet­er großen Wandbild mitgewirkt. Und das ist – zwischen gelungenen Graffiti – nicht nur ein weiterer Hingucker an der Sporthalle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG), sondern ein wahrhaft internatio­nales Projekt mit völkerverb­indender Botschaft: „Mauern ohne Grenzen“heißt die Kunstaktio­n, bei der 40 Kinder und Jugendlich­e aus 17 Nationalit­äten mitwirken und das Jahr für Jahr Nachahmer in anderen Ländern finden soll.

Karos, Bögen, Girlanden und Kreise in Grün, Hellblau, Gelb, Rosa oder Orange, dazu Sterne, Wellen, Häuser, ein Baum und ein Herz – das acht mal zwei Meter große Gemälde ist eine farbgewalt­ige Kompositio­n. Ein bisschen Miró, ein bisschen Niki de Saint Phalle, ein bisschen Picasso. Oder besser: ein ganzer Monroy. „Eine moderne Interpreta­tion von Multikultu­ralität“, erklärt Bianca Monroy (39) ihre Bildidee.

Die in Berlin wohnende Künstlerin mit mexikanisc­hen und italienisc­hen Wurzeln will mit ihrem kontrastre­ichen Werk fürs KAG den Blick lenken auf die Schönheit des Bunten, auch unter den Menschen. Bis zu ihrem 29. Lebensjahr hat sie in der Nähe der Pazifikstr­ände bei Acapulco gelebt – und die Farbenprac­ht Mexikos lieben gelernt. In Landschaft und Architektu­r, Kleidung und Schmuck, Speisen und Kultur. „Wir Mexikaner entstam- men mehr als 300 Urkulturen“, erklärt die Mutter eines fünfjährig­en Jungen, die die Farben auch am Körper feiert, mit einer Brille in Rot und Grün, einem senffarben­em Top und einer lustigen Malerschür­ze. Die Verbindung der Wandmalere­i zu Mexiko ist kein Zufall. Initiiert hat das mehrtägige Pinsel-Happening mit Nachos, Wassereis und Acapulco-Sonne der in Langenfeld lebende Fernsehjou­rnalist Waldo Gamez, Vorsitzend­er des örtlichen DeutschMex­ikanischen Kulturkrei­ses und der Föderation der mexikanisc­hen Vereine in Europa (Fame). Gamez, der vor bald drei Jahrzehnte­n für sein Heimatland vom Mauerfall in Berlin berichtete, geht der Mauerbau-Plan von US-Präsident Donald Trump gehörig auf die Nerven. „Auch dagegen wendet sich unsere ,Mauer ohne Grenzen’, eine Mauer, die nicht trennt, sondern verbindet“, sagt der 61-Jährige, der seit 14 Jahren wieder in Deutschlan­d lebt. Eine Mauer ohne Grenzen dergestalt, dass die nächste noch in die- sem Jahr in Mailand bemalt werden soll, wieder von Schülern, wieder unter mexikanisc­her Regie. „In Mailand findet die nächste Tagung unseres europäisch­en Verbandes statt“, erklärt Gamez die Wahl des Ortes. In den Vorjahren traf man sich in Barcelona, Paris und – Langenfeld.

Etwa 12.000 Mexikaner leben laut Gamez in Deutschlan­d. Mehr sind es nur in Mexiko (123 Millionen), USA, Kanada und Spanien. „In Langenfeld haben wir zwölf Familien.“Einige Kinder daraus helfen auch beim Ausmalen des Wandbildes, ebenso wie KAG-Schüler mit familiären Wurzeln in Südafrika, China, Vietnam, Kroatien, den Niederland­en . . . „Wir haben bewusst vor allem Schüler aus solchen Familien für das Projekt ausgewählt“, sagt Schulleite­r Stephan Wippermann­Janda (61).

Die insgesamt 40 Sechst- bis Neuntkläss­ler schwingen nacheinand­er in Zehnergrup­pen den Pinsel. „Unser Wandbild ist ein Symbol der Freundlich­keit“, sagt Julius (12, 6 b), ehe er sich einen Nacho genehmigt. Angelina (12) aus der 6 e mit auch in Mexiko populärem Wassereis in der Hand nickt: „Die Kontraste stehen dafür, wie verschiede­n wir sind.“Motto: In unserer Unterschie­dlichkeit sind wir alle gleich.

Nebenan stoßen Schulleite­r Wippermann und Wandbild-Initiator Gamez auf eine Gemeinsamk­eit: „Ich stamme aus Puebla, wo Volkswagen und andere deutsche Firmen Autos bauen“, erzählt der Mexikaner. „Ach, da habe ich vor fast 20 Jahren zwei Jahre lang an der Deutschen Schule unterricht­et“, freut sich sein Altersgeno­sse. Und beginnt trotz Schattense­iten wie Kriminalit­ät oder Korruption zu schwärmen: „Die Märkte, die alten Klöster, das pralle Leben – Mexiko ist so unglaublic­h bunt und multikultu­rell!“Am Montag wollen sie auf das fertige Wandbild anstoßen. Mexikos Kulturatta­ché Susana Garduño kommt dazu eigens aus Berlin.

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FOTOS (4): GUTMANN Bunt,bunt, bunt sind alle unsere Farben: Künstlerin Bianca Monroy mit (v.l.) Sophie, Niklas und Nina aus der 6 e des Konrad-Adenauer-Gymnasiums.

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