In Ser­bi­en sind kroa­ti­sche Er­fol­ge kein The­ma

Rheinische Post Langenfeld - - FUßBALL-WM 2018 -

BEL­GRAD (dpa) Seit Ta­gen sind die Zei­tun­gen in Ser­bi­en bei­na­he sprach­los über die his­to­ri­schen WM-Er­fol­ge von Kroa­ti­ens Fuß­ball-Na­tio­nal­mann­schaft. In Po­li­tik, Wirt­schaft, Ge­schich­te und na­tür­lich auch im Sport stel­len sich die Ser­ben mit dop­pelt so vie­len Ein­woh­nern wie Kroa­ti­en in der Re­gel als bes­ser in je­der Hin­sicht dar. Wie al­so jetzt mit der un­ge­wohn­ten La­ge um­ge­hen?

„Dre­cki­ge Fuß­ball­po­li­tik: Für die Kroa­ten sind die Ser­ben das Haupt­the­ma“, ti­telt die Bou­le­vard­zei­tung „In­for­mer“, die vie­le für ein Sprach­rohr der Re­gie­rung hal­ten, am Frei­tag. „Die Kroa­ten fei­ern das Fi­na­le wie den „Ge­wit­ter­sturm““, ur­teilt das Blatt. Bei die­ser Mi­li­tär­ak­ti­on wa­ren am En­de des Bür­ger­krie­ges 1995 rund 200.000 Ser­ben aus Kroa­ti­en ver­trie­ben wor­den.

Die weit ver­brei­te­te Zei­tung„Kur­ir“be­haup­tet am sel­ben Tag: „Das Er­folgs­ge­heim­nis der Kroa­ten: Die Wahr­heit liegt im Al­ko­hol.“Un­ter dem Fo­to von fei­ern­den kroa­ti­schen Spie­lern steht „Die Be­sof­fe­nen im Fi­na­le.“Die Fach­zei­tung „Sport­ski zur­nal“be­schäf­tigt sich mit dem ei­ge­nen Fuß­ball selbst in den un­te­ren Li­gen. Erst auf Sei­te zehn wird dieWM the­ma­ti­siert, und da geht es um die Fran­zo­sen und die von den Kroa­ten be­sieg­ten En­g­län­der. Erst am Schluss kom­men Kroa­ti­ens Er­fol­ge zur Spra­che.

Die re­nom­mier­te Zei­tung „Po­li­ti­ka“schafft das Kunst­stück, kein Wort über die Kroa­ten zu ver­lie­ren und be­schäf­tigt sich in ih­rer WM-Ru­brik mit dem Show­pro­gramm in Mos­kau, den be­sieg­ten En­g­län­dern und Bel­gi­ern. Al­le Me­di­en brin­gen als WM-Kon­trast­pro­gramm groß das Wim­ble­don-Halb­fi­na­le des ser­bi­schen Stars No­vak Djo­ko­vic ge­gen sei­nen lang­jäh­ri­gen Ten­nis-Ri­va­len Ra­fa­el Na­dal. Staats­prä­si­dent Aleksan­dar Vu­cic kommt über­all zu Wort mit: „Ich wer­de im­mer No­vak an­feu­ern!“

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