AfD-Par­tei­tag macht Köln zur Fe­s­tung

Am Wo­che­n­en­de wer­den 4000 Po­li­zis­ten im Ein­satz sein, weil ge­walt­tä­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen zu be­fürch­ten sind. Es wird mit bis zu 50.000 Teil­neh­mern bei den Pro­test­ak­tio­nen ge­rech­net.

Rheinische Post Opladen - - VORDERSEITE - VON DETLEV HÜWEL UND GRE­GOR MAYNTZ

DÜS­SEL­DORF/KÖLN Mit um­fang­rei­chen Si­cher­heits­vor­keh­run­gen re­agiert die Po­li­zei auf den Bun­des­par­tei­tag der AfD, der mor­gen und am Sonn­tag in der Köl­ner Ci­ty statt­fin­det. Über dem Ver­an­stal­tungs­ort, dem Ho­tel Ma­ri­tim am He­u­markt, wur­de für Pri­vat­flug­zeu­ge und Droh­nen bis Mon­tag­mor­gen ein Flug­ver­bot ver­hängt, um den Ein­satz von Po­li­zei­hub­schrau­bern zu er­mög­li­chen. Aus Pro­test ge­gen die AfD ha­ben sich meh­re­re De­mons­tra­ti­ons­zü­ge an­ge­sagt. NRW-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) und die par­tei­lo­se Köl­ner Ober­bür­ger­meis­te­rin Hen­ri­et­te Re­ker wer­den zu den De­mons­tran­ten spre­chen. Es wird mit bis zu 50.000 Teil­neh­mern ge­rech­net.

Nach An­ga­ben der Po­li­zei kön­nen ge­walt­tä­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Ins­ge­samt wer­den rund 4000 Kräf­te im Ein­satz sein. Köln er­lebt da­mit am Wo­che­n­en­de ei­nen der größ­ten Po­li­zei­ein­sät­ze der ver­gan­ge­nen Jah­re. Stel­len­wei­se wird die Stadt ei­ner Fe­s­tung glei­chen. Es muss mit er- heb­li­chen Ver­kehrs­be­hin­de­run­gen ge­rech­net wer­den. Zur De­mo mor­gen ge­gen den AfD-Par­tei­tag ha­ben die Bünd­nis­se „Köln ge­gen Rechts“und „Köln stellt sich quer“auf­ge­ru­fen. Für Sonn­tag sind zu­dem ei­ne pro­eu­ro­päi­sche Kund­ge­bung auf dem Bahn­hofs­vor­platz so­wie ei­ne Kund­ge­bung ge­gen die AfD na­he dem Ma­ri­tim an­ge­mel­det wor­den.

Der CDU-In­nen­ex­per­te Wolf­gang Bos­bach rief die De­mons­tran­ten zu ge­walt­lo­sem Pro­test auf: „Je­der soll­te wis­sen, dass Cha­os und Ge­walt bei die­sen De­mos der AfD nicht scha­den, son­dern nüt­zen.“De­mons­tra­ti­ons- und Mei­nungs­frei­heit hät­ten in ei­ner De­mo­kra­tie über­ra­gen­de Be­deu­tung: „Aber sie kön­nen Ge­walt nicht recht­fer­ti­gen.“

„Wir Grü­ne zei­gen kla­re Kan­te ge­gen rech­te Het­ze. Wir sind stolz, dass wir in Köln ge­mein­sam mit so vie­len Men­schen fried­lich für ein welt­of­fe­nes und viel­fäl­ti­ges NRW kämp­fen“, sag­te Lan­des­che­fin Mo­na Neu­baur. Auch die FDP un­ter­stützt das Bünd­nis „Köln stellt sich quer“. Die Vor­sit­zen­de der NRW-Lin­ken, Öz­lem De­mi­rel, er­klär­te: „Ich fin­de es toll, dass in Köln so brei­te Ak­tio­nen statt­fin­den.“

Mit Span­nung wird er­war­tet, wie auf dem AfD-Par­tei­tag die per­so­nel­len Que­re­len aus­ge­tra­gen wer­den. Auch nach dem Ver­zicht von Par­tei­che­fin Frau­ke Pe­try auf ei­ne Spit­zen­kan­di­da­tur zur Bun­des­tags­wahl im Herbst ge­hen die Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Par­tei wei­ter. Als „Luft­num­mer“be­zeich­ne­te Alexander Gau­land ei­nen ge­gen ihn ge­rich­te­ten An­trag Pe­trys, in dem sie für Re­al­po­li­tik und ge­gen Fun­da- men­tal­op­po­si­ti­on ein­tritt. „Na­tür­lich wol­len wir ir­gend­wann auch re­gie­ren, sonst wä­re ich nicht in der Par­tei“, sag­te Gau­land. Die AfD dür­fe aber nicht als klei­ner Part­ner in die Ge­fahr ge­ra­ten, aus­ge­spielt oder auf­ge­so­gen zu wer­den. Er emp­fahl das Vor­ge­hen der FPÖ in Ös­ter­reich: „Nicht als An­häng­sel, aber auf Au­gen­hö­he, dann kann man Ver­ant­wor­tung über­neh­men.“

Der Köl­ner Po­li­zei­prä­si­dent Jür­gen Ma­thies be­ton­te, ihm be­rei­te Sor­gen, dass Links­ex­tre­me im In­ter­net da­zu auf­ge­ru­fen hät­ten, den AfD-Par­tei­tag mit Ge­walt zu ver­hin­dern. Auch der NRW-Chef der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP), Ar­nold Pli­ckert, sag­te, es sei zu be­fürch­ten, dass ge­walt­be­rei­te De­mons­tran­ten die in Köln ein­ge­setz­ten Po­li­zis­ten an­grei­fen wer­den, um den Par­tei­tag zu stö­ren. Die aus ganz Deutsch­land hin­zu­ge­zo­ge­nen Po­li­zis­ten, so Pli­ckert, wür­den „mit al­ler Kon­se­quenz ge­gen jeg­li­che Form von Ge­walt, aber auch Stö­run­gen des Par­tei­ta­ges und der Ge­gen­de­mons­tra­tio­nen vor­ge­hen“. Leitartikel Stim­me des Wes­tens Nord­rhein-West­fa­len

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