Pra­xis­se­mes­ter für im­mer

Rheinische Post Opladen - - HOCHSCHULE - VON JU­DITH POHL

Das Pra­xis­se­mes­ter ist der ers­te Schritt ins Be­rufs­le­ben. Ein Test, ob man mit dem Er­lern­ten und sei­nen Fä­hig­kei­ten für den Be­ruf ge­eig­net ist. Für mich hieß das: sie­ben Mo­na­te Jour­na­lis­tin sein. Vier Mo­na­te in der Pres­se­stel­le von Pho­enix und drei Mo­na­te in der Kul­tur­re­dak­ti­on der Rhei­ni­schen Post. Auch wenn ich mich als Jour­na­lis­tik­stu­den­tin per se als freie Jour­na­lis­tin be­zeich­nen darf und auch schon über Ver­an­stal­tun­gen un­se­rer Hoch­schu­le be­rich­tet ha­be, kam ich mir nie wie ei­ne rich­ti­ge Jour­na­lis­tin vor. Ich ha­be zwar Theo­re­ti­sches ge­lernt und Re­por­ta­gen, Fea­tu­res oder Mel­dun­gen ge­schrie­ben so­wie Vi­de­obei­trä­ge pro­du­ziert, doch wuss­te ich nichts über den prak­ti­schen All­tag in ei­ner Re­dak­ti­on.

Da­her war ich vor mei­nem ers­ten Ar­beits­tag ziem­lich ner­vös. Ich kam mir vor wie ein Af­fe im Clown­s­kos­tüm. Ich wuss­te nicht, ob das, was ich mit­brin­ge, aus­rei­chen wür­de. Doch es ist al­les nur ei­ne Fra­ge der Übung. Schritt für Schritt und von Auf­ga­be zu Auf­ga­be wur­de ich si­che­rer. Ich lern­te mit den frem­den Pro­gram­men um­zu­ge­hen und die täg­li­chen Auf­ga- ben auf den Schirm zu be­kom­men, so dass ich ir­gend­wann ein­fach in die Re­dak­ti­on kam, mich an mei­nen Schreib­tisch setz­te und an­fing zu ar­bei­ten. Das Un­be­kann­te wur­de Au­to­ma­tis­mus, doch nie lang­wei­lig. Ich wur­de zu Kar­la Ko­lum­na. So­zu­sa­gen. An die­sem Punkt kam es mir vor, als hät­te es nie et­was an­de­res ge­ge­ben. Mei­ne Hoch­schu­le, mein Stu­di­um, mei­ne Kom­mi­li­to­nen – all das ist weit weg­ge­rückt. Es gab nur die Ar­beit, mei­ne Kol­le­gen und das Mit­tag­es­sen. Jetzt neigt sich das Pra­xis­se­mes­ter dem En­de zu. Im Ok­to­ber geht das Stu­di­um wei­ter. Weg vom Schreib­tisch wie­der auf die Schul­bank. Ein Bild, das mir völ­lig un­wirk­lich er­scheint. Ich ar­bei­te so ger­ne, dass ich nicht mehr auf­hö­ren möch­te. Na­tür­lich möch­te ich viel da­zu­ler­nen, längst ist mir nicht al­les be­geg­net, ich ha­be nicht al­les aus­pro­biert, doch man lernt ja schließ­lich mit der Zeit. Vor­le­sun­gen zu be­su­chen, wie­der in Se­mi­na­ren zu sit­zen und für Klau­su­ren zu ler­nen, all das ist mir fremd ge­wor­den. Es ist un­ge­wiss, ob mich mei­ne Fü­ße An­fang Ok­to­ber wirk­lich in die Hoch­schu­le tra­gen und nicht doch in die Re­dak­ti­on. Ich bin näm­lich ein Ge­wohn­heits­mensch. Un­se­re Au­to­rin stu­diert im 6. Se­mes­ter an der Ma­cro­me­dia-Hoch­schu­le in Köln.

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