„Ich freue mich aufs Fes­ti­val“

Die ku­ba­ni­sche Pia­nis­tin Ma­ria­ly Pache­co hat sich mit ih­rem neu­en Al­bum Träu­me er­füllt. Jetzt kommt sie mit dem WDR Funk­haus­or­ches­ter zum Jazz­fes­ti­val nach Vier­sen

Rheinische Post Viersen - - STADT VIERSEN -

VIER­SEN Ma­ria­ly Pache­co will mit dem WDR Funk­haus­or­ches­ter ein Feu­er­werk ku­ba­ni­schen Tem­pe­ra­ments in der Fest­hal­le ent­fa­chen: Die 34-jäh­ri­ge Pia­nis­tin ist beim Jazz­fes­ti­val am Frei­tag, 22. Sep­tem­ber, zu Gast in Vier­sen.

Was pas­siert beim Pro­jekt mit dem WDR Funk­haus­or­ches­ter in Vier­sen?

MA­RIA­LY PACHE­CO Es heißt „Son cu­ba­no“und ist ein Pro­jekt aus dem ver­gan­ge­nen Jahr. Ich ha­be tra­di­tio­nel­le ku­ba­ni­sche Mu­sik und Stü­cke von mir für Orches­ter ar­ran­giert und wer­de sie mit dem Orches­ter, mei­nem Trio und Joo Kraus an der Trom­pe­te auf­füh­ren. Das macht sehr viel Spaß – und die ku­ba­ni­sche Mu­sik mit gro­ßem Orches­ter klingt toll. Das sind zwei Wel­ten, aber die Mi­schung ist per­fekt: Die Gei­ger zum Bei­spiel kön­nen im La­tin-Jazz auch kur­ze groo­vi­ge Tö­ne spie­len, das ist Wahn­sinn. Es gibt ein Ar­ran­ge­ment von „El Ma­nis­e­ro“, das hört sich in die­ser Be­set­zung su­per an, ge­nau­so das me­xi­ka­ni­sche Lied „La bi­k­i­na“. „Tres lin­das cu­ba­nas“, ei­nen wei­te­ren Klas­si­ker, spie­len wir auch, und von mir „Me­tro“mit Joo an der Trom­pe­te. Ich freue mich auf das Fes­ti­val in Vier­sen.

Ihr neu­es Al­bum „Du­ets“, auf dem zwei die­ser Ti­tel ent­hal­ten sind, ent­hält nur Du­et­te. War­um?

PACHE­CO Ich wur­de vom La­bel ge­fragt, ob ich nicht noch ei­ne Plat­te ma­chen woll­te. Dann ha­be ich mit mei­nem Ma­na­ger über­legt, was ich ma­chen könn­te, und da ich schon so­lo und im Trio Al­ben auf­ge­nom­men hat­te, ka­men wir auf Du­et­te. Ich ha­be ei­ne Lis­te mei­ner Lieb­lings­mu­si­ker auf­ge­schrie­ben, Mu­si­ker, mit de­nen ich schon lan­ge zu­sam­men spie­len woll­te. Da stan­den auch Pat Me­the­ny, Ma­ri­za, Avis­hai Co­hen, Mi­chel Ca­mi­lo und an­de­re drauf, ei­ne „Traum­lis­te“eben. Wir ha­ben al­le an­ge­schrie­ben und Mi­guel Zenón, Ha­mil­ton de Ho­lan­da, Omar So­sa und Max Mutz­ke ha­ben di­rekt ge­ant­wor­tet, an­de­re hat­ten kei­ne Zeit, und man­che ha­ben gar nicht ge­ant­wor­tet. Bei Mi­chel Ca­mi­lo hat sein La­bel es nicht er­laubt.

Mit Omar So­sa geht es los…

PACHE­CO Ich woll­te un­be­dingt mit ei­nem an­de­ren Pia­nis­ten ei­nen Ti­tel ein­spie­len. Mit Omar be­stand schon ein Kon­takt, weil er mir zu mei­ner Plat­te „In­tro­du­cing…“gra­tu­liert hat­te und weil er mei­ne Tan­te auf Ku­ba kennt. Als er das Kon­zept von „Du­ets“ge­le­sen hat­te, war er so­fort da­bei. So­wohl er wie ich ha­ben zum ers­ten Mal mit ei­nem an­de­ren Pia­nis­ten et­was ein­ge­spielt. Aber ob­wohl wir ganz an­de­re Spiel­wei­sen ha­ben, gab es sehr vie­le Ge­mein­sam­kei­ten zwi­schen uns.

Ha­ben al­le Du­ett-Part­ner Stü­cke mit­ge­bracht?

PACHE­CO Bei der Aus­wahl der Mu­si­ker war mir wich­tig, dass sie ei­ne star­ke mu­si­ka­li­sche Iden­ti­tät ha­ben, dass man sie mit ge­schlos­se­nen Au­gen nur am Klang er­kennt. Al­so muss­te ich Stü­cke aus­su­chen, die das un­ter­strei­chen. Von Ha­mil­ton ha­be ich vie­le Plat­ten durch­ge­hört und dach­te bei „Ca­pri­cho do sul“, dass es sich gut auf das Kla­vier über­tra­gen lässt, denn das ist nicht so ein­fach von der Man­do­li­ne her, bei der al­les nah zu­sam­men liegt. Au­ßer­dem ist es rhyth­misch, denn wir ha­ben ja sonst kei­ne Be­glei­tung. Bei Mi­guel und sei­nem Klang dach­te ich di­rekt an „La com­par­sa“von Er­nes­to Le­cuo­na und konn­te mir die Me­lo­die schon auf dem Sa­xo­phon vor­stel­len. Ich krie­ge im­mer noch ei­ne Gän­se­haut, wenn ich hö­re, wie er an­fängt zu spie­len. Max hat­te ich auf ei­nem Fes­ti­val ge­trof­fen und woll­te un­be­dingt et­was mit ihm auf­neh­men. Das Stück von ihm ist auf sei­ner Plat­te sehr pop­pig, aber ich ha­be dar­aus ei­ne Jazz­bal­la­de ge­macht. Mit Rha­ni spie­le ich mo­men­tan oh­ne­hin in ei­nem Duo-Pro­jekt. „Bu­r­und­an­ga“ist ein Ar­ran­ge­ment, das ich zu­nächst für mein Trio ge­schrie­ben ha­be. Joo wie­der­um ar­bei­tet sehr viel mit Ef­fek­ten bei sei­ner Trom­pe­te. Dar­um ha­be ich mei­nen Ti­tel „Me­tro“aus­ge­wählt, der da­durch spa­ci­ger wird, und in dem es um den Traum von ei­ner U-Bahn in Ha­van­na geht. Den spie­len wir ja auch in Vier­sen.

Wenn ich die in­ter­na­tio­nal be­kann­ten Jazz­pia­nis­ten aus Ku­ba auf­zäh­le, ist nur ei­ne Frau da­bei, Sie! Wie kommt das?

PACHE­CO Für den Jazz kann ich sa­gen, dass der Weg dort­hin hart ist. Denn wir wer­den ja klas­sisch aus­ge­bil­det – und wenn du Jazz spie­len willst, musst du dir das selbst bei­brin­gen. Ich woll­te das un­be­dingt, aber das hal­ten Frau­en viel­leicht nicht so gut durch. Und auch in den po­pu­lä­ren Sal­sa-Bands, wo man et­was an­de­res ler­nen könn­te, wer­den in der Re­gel als Mu­si­ker nur Män­ner en­ga­giert, die Frau­en dür­fen sin­gen. Und dann kommt noch das übe­r­all glei­che Pro­blem hin­zu: Frau­en wol­len even­tu­ell Fa­mi­lie ha­ben – und das kol­li­diert dann mit ei­ner Mu­si­ker­kar­rie­re. Manch­mal wer­de ich auch nicht so ernst ge­nom­men wie die Män­ner. Ich muss im­mer ein we­nig mehr kämp­fen, denn ers­tens bin ich La­ti­na, da kom­men dann schon sehr vie­le Kli­schees hoch, und zwei­tens ei­ne hüb­sche Frau, wes­we­gen vie­le den­ken, ich müss­te auch sin­gen! Die Fra­ge da­nach has­se ich am meis­ten, zu­mal ich kei­ne schö­ne Sing­stim­me ha­be. Und Mu­sik soll­te nichts mit dem Aus­se­hen zu tun ha­ben. Für mich geht es im­mer nur um Qua­li­tät, egal ober Frau oder Mann. Aber nach mei­nem Kon­zert ist das dann auch klar. TORS­TEN ES­SER FÜHR­TE DAS GE­SPRÄCH.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.