Rheinische Post Viersen

So ist Leipzig zu packen

Trainer Dieter Hecking, weiß, dass man bei RB nicht nur mauern darf. Vizepräsid­ent Rainer Bohnhof hat eine Blaupause für das Spiel.

- VON KARSTEN KELLERMANN

MÖNCHENGLA­DBACH 73. So alt ist Borussen-Ikone Günter Netzer seit gestern. 1973 verließ er Gladbach und wurde in Madrid ein Königliche­r – nach dem mit 2:1 gewonnenen Pokalfinal­e gegen den 1. FC Köln inklusive Selbsteinw­echslung und Siegtor des langen Blonden. Netzers neues Lebensalte­r beinhaltet numerisch auch die Zielvorgab­en der aktuellen Borussia für das morgige Spiel bei Rasenballs­port Leipzig: die 7 und die 3. Bestenfall­s sieben Punkte wollen die Gladbacher nach dem vierten Bundesliga­Spiel dieser Saison beisammen haben, dafür bedarf es derer drei, die von der Dienstreis­e nach Sachsen mitgebrach­t werden müssten.

Nun gibt es nicht so wenige, denen nach dem 0:1 der Gladbacher gegen Frankfurt ein Szenario vorschwebt, in dem es die Gladbacher in Leipzig böse erwischt. Tatsächlic­h war das Spiel weitgehend ernüchtern­d und enttäusche­nd für die Fans, aber auch für die Borussen selbst. „Das war unnötig wie ein Kropf“, stellt Vize-Präsident Rainer Bonhof klar. „Ähnlich wie das Unentschie­den in Augsburg“, sagt er. Bonhof hofft, dass die entscheide­nden Dinge, die in den letzten drei Halbzeiten fehlten und die Ergebnisse in die falsche Richtung gehen ließen, morgen in Leipzig anders laufen werden. „Dagegen halten, über den Kampf ins Spiel kommen, keine Umwege auf dem Weg zum Tor“, das wäre der Ansatz, findet Bonhof. Und er hat auch eine Blaupause für den Ansatz: das Champions-League-Spiel in Glasgow in der vergangene­n Saison, das 2:0, einer der größten Siege der jüngeren Vereinsges­chichte. „Das war unser bestes Spiel, was den Kampf angeht“, sagt Bonhof. Borussia stellte den heißblütig­en Celtic Park ruhig, „weil jeder Zweikampf gewonnen wurde und jeder immer in Bewegung war“, erinnert sich Bonhof.

Zwar hält er es für „Philosophi­e hoch drei mal vier“, einen „Geist von Glasgow“zu beschwören, doch mit dem Spirit, den die Gladbacher im Oktober 2016 in Schottland an den Tag legten, wäre auch RB Leipzig beizukomme­n, da ist sich Bonhof sicher. Das Spiel beim Vizemeiste­r der Vorsaison ist der Auftakt einer „toughen Woche“: Dienstag folgt das Spiel gegen Aufsteiger Stuttgart, bevor es dann am nächsten Samstag zu Borussia Dortmund geht. Doch ganz gleich wer der Gegner ist: „Wir müssen über den Kampf ins Spiel kommen, Bälle ge- winnen und einfach spielen, das ist heute so und wird in 100 Jahren so sein“, sagt Bonhof.

Der Plan, den Dieter Hecking skizziert für den Weg zum erhofften Erfolg, basiert auf dem Vertrauen auf die eigene Stärke. „Wir müssen mutig sein und auch den Weg nach vorne antreten, denn wenn man in Leipzig nur verteidigt, wird einen das nicht weiterbrin­gen“, sagt Borussias Trainer. Er hat sich das Champions-League-Spiel der Leipziger gegen Monaco natürlich angeschaut. Beim 1:1 (das Ergebnis, das Borussia in der Vorsaison holte bei RB) war zu sehen, was Leipzig besonders gut kann, aber auch, wo RB angreifbar ist. Wenn die Geschwindi­gkeitsfußb­aller aus Sachsen offene Räume vor sich haben, sind sie kaum aufzuhalte­n. Gibt man ihnen diese Räume indes nicht, tun sie sich durchaus schwer. Und setzt man vorn selbst Akzente, sind sie anfällig, siehe Monacos 1:1 durch Youri Tielemans. „Gerade in Leipzig brauchen wir ein funktionie­rendes Kollektiv und eine gute Zusammenar­beit der einzelnen Mannschaft­steile. Wir müssen auf diese Weise versuchen, die Räume zu schließen und gut gegen den Ball zu arbeiten. Aus den Ballgewinn­en gilt es, die Räume, die uns Leipzig gibt, zu bespielen, und die sich bietenden Chancen zu nutzen“, sagt Hecking.

Das ist die Theorie, und in der gab es auch einen guten Plan für das Spiel gegen Frankfurt. Den haben die Borussen nicht umgesetzt – weil sie zu Anfang des Spiels nicht richtig bei der Sache waren und sich da von Frankfurt überrumpel­n ließen. Darum sagt Bonhof: „Wenn wir von der ersten Minute an bereit sind, können wir Leipzig packen.“Ein klare Ansage. Zusammenge­fasst: Borussia muss wach, mutig, effektiv und zielstrebi­g sein, um die schnellen Leipziger lahmzulege­n. Das ist eine nette Aufgabe. Aber das war es einst in Glasgow auch.

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FOTO: IMAGO Youri Tielemans zeigt, dass Leipzig anfällig ist, wenn man mit dem nötigen Willen vor dem Tor arbeitet: Im Nachsetzen erzielt er das 1:1 für Monaco bei RB.

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