Wie Mar­tin Schulz die Steu­er­zah­ler ent­las­ten will

Be­zie­her klei­ner und mitt­le­rer Ein­kom­men pro­fi­tie­ren, Bes­ser­ver­die­nen­de wer­den stär­ker zur Kas­se ge­be­ten

Rieser Nachrichten - - Politik - VON MAR­TIN FER­BER

Die so­for­ti­ge Ab­schaf­fung des „So­li“für ei­nen Groß­teil al­ler Be­schäf­tig­ten und Steu­er­ent­las­tun­gen für die klei­ne­ren und mitt­le­ren Ein­kom­men ver­spricht SPD-Chef und Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz im Fal­le ei­nes Wahl­sie­ges im Herbst. Im Ge­gen­zug sol­len Bes­ser­ver­die­nen­de durch ei­ne Er­hö­hung des Spit­zen­steu­er­sat­zes von 42 auf 45 Pro­zent mehr be­zah­len, für Rei­che wä­ren so­gar 48 Pro­zent fäl­lig.

Im Ein­zel­nen sieht das Kon­zept, das Ham­burgs Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz und der hes­si­sche Lan­des­chef Thors­ten Schä­fer-Güm­bel er­ar­bei­tet ha­ben, vor: ● So­li­da­ri­täts­zu­schlag: Für Be­zie­her ei­nes zu ver­steu­ern­den Ein­kom­mens bis zu 52000 Eu­ro (Le­di­ge) und 104 000 Eu­ro (Ver­hei­ra­te­te) wird der „So­li“2020 kom­plett ab­ge­schafft, Be­zie­her hö­he­rer Ein­kom­men

müs­sen stu­fen­wei­se we­ni­ger zah­len. ● Ki­ta Ge­büh­ren: In Zu­sam­men­ar­beit mit den Län­dern und den Kom­mu­nen dringt die SPD auf ei­ne völ­li­ge Ab­schaf­fung der Ge­büh­ren für Kin­der­krip­pen und Kin­der­ta­ges­stät­ten.

● Kin­der­zu­schlag: Der Kin­der­zu­schlag, den Al­lein­er­zie­hen­de oder Fa­mi­li­en mit nied­ri­gem Ein­kom­men auf An­trag er­hal­ten, wird mit dem Kin­der­geld zu ei­nem er­wei­ter­ten Kin­der­geld zu­sam­men­ge­legt, das un­bü­ro­kra­tisch ge­währt wird.

● Ein­kom­men­steu­er: Der Spit­zen­steu­er­satz von 42 Pro­zent, den der­zeit Singles be­reits bei ei­nem zu ver­steu­ern­den Ein­kom­men von 54 058 Eu­ro und Ver­hei­ra­te­te bei 108116 Eu­ro zah­len müs­sen, soll künf­tig erst ab ei­nem zu ver­steu­ern­den Ein­kom­men von 60 000/120 000 Eu­ro er­ho­ben wer­den. Das ent­spricht ei­nem Brut­to­ein­kom­men von 70500 für Le­di­ge und 141 000 Eu­ro für Ver­hei­ra­te­te. Das Ent­las­tungs­vo­lu­men be­läuft sich auf rund zwei Mil­li­ar­den Eu­ro.

Im Ge­gen­zug wird der Spit­zen­steu­er­satz li­ne­ar-pro­gres­siv von der­zeit 42 auf 45 Pro­zent an­ge­ho­ben, der ab ei­nem Net­to-Ein­kom­men von 76200/154000 Eu­ro fäl­lig wird. Wer 250000 Eu­ro (500000) Eu­ro und mehr ver­dient, muss 48 Pro­zent be­zah­len. Die Er­hö­hung des steu­er­li­chen Gr­und­frei­be­trags soll jähr­lich auf der Grund­la­ge der Er­geb­nis­se des Exis­tenz­mi­ni­mum­be­richts er­fol­gen. ● Erb­schaft­steu­er: Lang­fris­tig hält die SPD an der Wie­der­ein­füh­rung der Ver­mö­gen­steu­er fest. Kurz­fris­tig soll ei­ne Re­form der Erb­schaft­steu­er ga­ran­tie­ren, dass gro­ße Erb­schaf­ten stär­ker be­steu­ert wer­den. ● Ab­gel­tungs­steu­er: Die Ab­gel­tungs­steu­er in Hö­he von pau­schal 25 Pro­zent auf Ka­pi­tal­er­trä­ge wird ab­ge­schafft, Zin­sen müs­sen mit der Ein­kom­men­steu­er ver­steu­ert wer­den. ● So­zi­al­ab­ga­ben: Die SPD for­dert die Ab­schaf­fung der Zu­satz­bei­trä­ge für die ge­setz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung, die aus­schließ­lich die Ver­si­cher­ten zu be­zah­len ha­ben. Gleich­zei­tig sol­len die Bei­trä­ge zu den So­zi­al­ver­si­che­run­gen für Be­schäf­tig­te, die zwi­schen 451 und 1300 Eu­ro pro Mo­nat ver­die­nen, deut­lich re­du­ziert wer­den, oh­ne dass sie da­durch ih­re vol­len Ren­ten­an­sprü­che ver­lie­ren. Bis­lang galt dies nur bis zu 850 Eu­ro.

Fo­to: An­der­sen, afp

SPD Chef Schulz will den „So­li“zu­nächst teil­wei­se ab­schaf­fen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.