Was die Be­triebs­ren­te bringt

Um im Al­ter ab­ge­si­chert zu sein, nut­zen im­mer mehr Men­schen ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge. Doch das ist nur in be­stimm­ten Fäl­len klug

Rieser Nachrichten - - Geld & Leben - VON CHRIS­TI­NA HEL­LER

Um im Al­ter ab­ge­si­chert zu sein, ent­schei­den vie­le Men­schen, sich nicht mehr auf die ge­setz­li­che Ren­te zu ver­las­sen. Sie sor­gen an­ders vor, zum Bei­spiel mit ei­ner Ries­ter-Ren­te oder mit ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge. Vor kur­zem be­schloss der Bun­des­tag, die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge mehr zu för­dern. Aber lohnt es sich, sol­che An­ge­bo­te zu nut­zen?

Wie funk­tio­niert die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge?

In vie­len Fäl­len ver­wen­det der Ar­beit­neh­mer ei­nen Teil sei­nes Brut­to­lohns, um ihn in ei­ne Ren­ten­ver­si­che­rung ein­zu­zah­len. Die­ser An­teil kann höchs­tens bei 254 Eu­ro mo­nat­lich und muss min­des­tens bei 233,13 Eu­ro jähr­lich lie­gen, sagt der Bund der Ver­si­cher­ten. Der Be­trag wird vom Brut­to­lohn ab­ge­zo­gen. Da­durch zah­len Ar­beit­neh­mer we­ni­ger Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben, aber auch der Ar­beit­ge­ber spart sich Lohn­ne­ben­kos­ten. Die Er­spar­nis hat auch zur Fol­ge, dass ein Teil der Bei­trä­ge durch den Staat fi­nan­ziert wird. So muss laut der Zeit­schrift

Fi­nanz­test ein Le­di­ger, der im Jahr 36 000 Eu­ro ver­dient und mo­nat­lich ei­nen Bei­trag von 100 Eu­ro für die Ver­si­che­rung zahlt, nur 52 Eu­ro von sei­nem Net­to­lohn auf­brin­gen. Der Rest ist der Be­trag, der ei­gent­lich in Form von Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben an den Staat ge­flos­sen wä­re.

Hat das auch Nach­tei­le?

Ja, da­durch, dass der mo­nat­li­che Bei­trag zur Be­triebs­ren­te schon vom Brut­to­lohn ab­ge­zo­gen wird, zahlt der Ar­beit­neh­mer auch we­ni­ger in die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ein, war­nen die Ex­per­ten von Fi­nanz­test. Des­halb sinkt sei­ne ge­setz­li­che Ren­te. Da­zu kommt, dass die Ren­ten­bei­trä­ge aus der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge nach Ren­ten­be­ginn noch be­steu­ert wer­den. Auch ein An­teil zur ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung geht da­von ab, schrei­ben die Tes­ter. Im oben be­schrie­be­nen Fall be­kommt der Rent­ner zwar 107 Eu­ro von sei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge, ihm blei­ben nach Ab­zü­gen aber nur 54 Eu­ro mo­nat­lich üb­rig. Fi­nanz­test sagt des­halb: Die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge lohnt sich nur, wenn der Ar­beit­ge­ber den Bei­trag auf­stockt. Vie­le Un­ter­neh­men tun das be­reits. Bie­ten sie es nicht an, soll­te man noch war­ten, be­vor man ei­nen Ver­trag ab­schließt, rät Fi­nanz­test. Denn ab 2019 sind Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, bei neu­en Ver­trä­gen min­des­tens 15 Pro­zent des Bei­tra­ges drauf­zu­le­gen. Bei al­ten Ver­trä­gen gilt die­se Re­ge­lung ab 2022.

Be­zah­len al­le Ver­si­che­run­gen gleich viel Ren­te?

Nein. Fi­nanz­test ver­glich 26 Di­rekt­ver­si­che­run­gen – laut Bund der Ver­si­cher­ten die am häu­figs­ten ge­wähl­te Form der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge. Für ih­ren Test hat die Zeit­schrift ei­nen Mo­dell-Kun­den ent­wor­fen. Er ist 40 Jah­re alt und wird bis zum Ren­ten­ein­tritt in 27 Jah­ren je­den Mo­nat 100 Eu­ro in die Al­ters­vor­sor­ge ein­zah­len. Die ga­ran­tier­te mo­nat­li­che Min­dest­ren­te, die er mo­nat­lich er­hal­ten wird, fällt höchst un­ter­schied­lich aus. Die Ver­si­che­rung Eu­ro­pa ga­ran­tiert ihm ei­ne mo­nat­li­che Min­dest­ren­te von 113 Eu­ro, In­ter­risk be­zahlt mo­nat­lich min­des­tens 111 Eu­ro Ren­te. Sie schnei­den am bes­ten ab. Am nied­rigs­ten fällt die ga­ran­tier­te Min­dest­ren­te beim Volks­wohl Bund aus. Dort be­kommt der Kun­de 88 Eu­ro. Über­schüs­se kön­nen die Min­dest­ren­te stei­gern. Sie hän­gen al­ler­dings da­von ab, wie gut der Ver­si­che­rer das Geld sei­ner Kun­den an­legt. Mit ih­nen kann nicht kal­ku­liert wer­den.

Was gibt es au­ßer dem Ren­ten­satz zu be­ach­ten?

Nicht al­le Ver­si­che­run­gen ver­zin­sen die ein­ge­zahl­ten Bei­trä­ge gleich, schreibt Fi­nanz­test. Man­che bie­ten für Ver­trä­ge, die 2017 ab­ge­schlos­sen wer­den, ei­nen Ga­ran­tie­zins von 0,9 Pro­zent an. Bei man­chen fällt die­ser nied­ri­ger aus oder ganz weg. Sie bie­ten da­für ei­ne hö­he­re Über­schuss­be­tei­li­gung an, die je­doch nicht ge­währ­leis­tet ist. Da­zu kommt, dass die Ver­si­che­rer auch ein­ma­li­ge Ab­schluss­kos­ten und jähr­li­che Ver­wal­tungs­ge­büh­ren er­he­ben, fand die Zeit­schrift her­aus. Auch sie schmä­lern die Ren­te und un­ter­schei­den sich von An­bie­ter zu An­bie­ter. Da nicht der Ar­beit­neh­mer, son­dern der Ar­beit­ge­ber ent­schei­det, bei wel­chem Ver­si­che­rer er ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge ab­schließt, muss der Ar­beit­ge­ber ge­nau ver­glei­chen, da­mit sei­ne Mit­ar­bei­ter wirk­lich von der be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge pro­fi­tie­ren.

Fo­to: Stephan Scheu, dpa

Schon längst ent­schei­den sich vie­le Ar­beit­neh­mer da­für, sich fürs Al­ter bes­ser ab­zu­si­chern, und nicht mehr nur auf die ge­setz­li­che Ren­te zu ver­trau­en. Ein Weg, um spä­ter mehr Geld zu ha­ben, ist die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge. Doch die lohnt sich nicht für je­den.

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