„Un­ser tap­fe­res Ba­bie“

Saarbruecker Zeitung - - Hallo Saarland -

Adolf Walter Mom­ber aus Saar­brü­cken er­in­nert sich an ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches Fa­mi­li­en­mit­glied, mit dem sein Va­ter ihn ei­nes Ta­ges von der Schu­le ab­hol­te: ei­nen R8. 1959 wur­de ich in der Ro­ten­berg­schu­le ein­ge­schult. Ein reg­ne­ri­scher Tag, dus­ter. An die­sem Nach­mit­tag kam mein Va­ter wie an­ge­kün­digt mit dem er­stan­de­nen Re­nault R8 vor un­ser Haus. Wir freu­ten uns und staun­ten. Ro­te Sit­ze, blin­kend me­tal­lic sil­ber, gut rie­chend. „Das ist un­ser drit­tes Kind, mein Ba­bie!“` sag­te mein Va­ter Adolf stolz. Mit `Ba­bie fuh­ren wir über die Jahr­zen­te sehr gut: Hol­land, Bel­gi­en, Frank­reich, Rhein­ge­bie­te, Mo­sel­ge­bie­te, Bay­ern und mein Va­ter zum Di­enst auf die Ar­beit. Er nahm ei­nen Be­am­ten­kre­dit auf, der bis zum Nim­merer­le­bens­tag Kre­dit­lauf- zeit hat­te. Nach 40 Jah­ren, ab dem Er­werb von Ba­bie,` wur­de der Kre­dit voll­stän­dig be­en­det. Spä­ter, bei ei­ner Re­pa­ra­tur des R8, stell­ten Werks­leu­te fest, dass der Fahr­ten­schei­ber er­heb­lich ma­ni­pu­liert war. Mein Va­ter hat­te Ba­bie von ei­ner Klos­ter­schwes­ter, die da­mit Se­nio­ren­be­treu­un­gen un­ter­nahm. Es hat­te 2 Jah­re ge­dau­ert, bis die­se Frau an Va­ter ver­kauf­te (et­wa 10.000 Mark). Das war al­les nicht mehr über­prüf­bar, da die Klos­ter­schwes­ter mitt­ler­wei­le ver­stor­ben war. Mein Va­ter hat­te ein klei­nes Ta­schen­ra­dio am Rück­spie­gel hän­gen. Das war ei­ne Ka­ta­stro­phe: Im­mer Ge­räu­sche, schlech­ter Emp­fang, in­sta­bi­le Sen­dung von Mu­sik. Mein Va­ter fluch­te dann und wann fürch­ter­lich. Für uns war si­cher ge­we­sen, der R8 Ba­bie hat­te von dem Or­den ei­ne Seg­nung er­hal­ten. Das war für un­se­re Fa­mi­lie ein wich­ti­ges Ele­ment. Ba­bie lief auch wun­der­bar und war nur zwei­mal re­pa­ra­tur­be­dürf­tig. Ich ha­be Ba­bie den Gar­aus ge­macht. Mit 18 Jah­ren be­kam ich ihn ver­trau­ens­voll. 3/4 Jahr spä­ter hat­te ich ei­nen Fron­tal­zu­sam­men­stoß mit ei­nem an­de­ren Fahr­zeug. En­de, To­tal­scha­den. Mir ist bei die­sem Un­fall nichts pas­siert, au­ßer ei­nes kur­zen Schrecks. Ba­bie bleibt in mei­ner Er­in­ne­rung. Er trotz­te Wind, Re­gen, Sturm, Schnee. Ein sehr tap­fe­res Ge­fährt, fas­zi­nie­ren­des Mo­dell. Ei­ne ver­bes­ser­te Form, mo­der­ner, war der nach­fol­gen­de Re­nault R8 Ma­jor. Manch­mal dach­te ich, die vor­de­ren Schein­wer­fer wä­ren Au­gen und das gan­ze Ge­bil­de hät­te ir­gend­ein Le­ben in sich und war doch nur ein Ro­bo­ter. Un­ser „Ba­bie“! Adol­fWal­terMom­ber

Saar­brü­cken

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