U-Aus­schuss Gru­ben­was­ser kommt

Grü­ne ver­mu­ten vor Flu­tung Ab­spra­chen zwi­schen RAG und Lan­des­re­gie­rung

Saarbruecker Zeitung - - Landespolitik / Region - Von SZ-Re­dak­teu­rin Ute Klock­ner

Macht die Lan­des­re­gie­rung dem Berg­bau-Kon­zern RAG das Ge­schäft an der Saar so ein­fach wie mög­lich? Die­se Ver­mu­tung he­gen die Grü­nen in der Dis­kus­si­on ums Gru­ben­was­ser und be­an­tra­gen ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss. Doch Wirt­schafts­staats­se­kre­tär Jür­gen Bar­ke bleibt de­mons­tra­tiv ge­las­sen.

Saar­brü­cken. Der Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Land­ta­ges zum The­ma Gru­ben­was­ser im Saar­land rückt nä­her. Ges­tern be­kräf­tig­ten die Frak­tio­nen von Lin­ken und Pi­ra­ten, sich dem Vor­ha­ben der Grü­nen an­zu­schlie­ßen, im Plenum am 18. März ein sol­ches Gre­mi­um zu be­an­tra­gen. Die Ko­ali­ti­on aus CDU und SPD kün­dig­te an, den U-Aus­schuss nicht blo­ckie­ren zu wol­len. Das könn­te sie oh­ne­hin nicht, denn die drei Op­po­si­ti­ons­frak­tio­nen ha­ben ge­nü­gend Man­da­te, um ei­nen U-Aus­schuss ein­zu­set­zen.

Den Grü­nen geht es vor al­lem um die Fra­ge, ob es bei der am 19. Fe­bru­ar 2013 er­teil­ten Ge­neh­mi­gung zur Teil­flu­tung im Berg­werk Saar (Fel­der Dils­burg und Prims­mul­de) Ab­spra­chen zwi­schen der RAG und der Lan­des­re­gie­rung gab. Es müs­se ge­klärt wer­den, ob da­mals zu Recht das so­ge­nann­te Son­der­be­triebs­plan­ver­fah­ren an­ge­wen­det wur­de, bei dem die Öf­fent­lich­keit nicht ge­hört wer­den muss. „Bei ei­nem Ab­schluss­be­triebs­plan wä­re Öf­fent­lich­keits­be­tei­li­gung not­wen­dig ge­we­sen“, sag­te Frak­ti­ons­chef Hu­bert Ul­rich. Dies sei je­doch ein be­deu­tend län­ge­res Ver­fah­ren. „Die ent­schei­den­de Fra­ge ist: Wird hier ei­ne Po­li­tik be­trie­ben zum Schutz des Trink­was­sers und der saar­län­di­schen Be­völ­ke­rung oder (. . .) macht man der RAG das Ge­schäft so ein­fach wie mög­lich?“, frag­te er.

Im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um sieht man ei­nem Un­ter­su­chungs­aus­schuss ge­las­sen ent­ge­gen: „Es gab de­fi­ni­tiv kei­ne po­li­ti­sche Ein­fluss­nah­me und nichts an­de­res wird am En­de das Er­geb­nis sein“, sag­te Wirt­schafts­staats­se­kre­tär Jür­gen Bar­ke (SPD). „Es wur­den kei­ne rechts­wid­ri­gen Ent­schei­dun­gen am Bür­ger vor­bei ge­trof­fen.“Das Son­der­be­triebs­plan­ver­fah­ren sei nach dem Bun­des­berg­ge­setz zwin­gend ge­we­sen. Ein Ab­schluss­be­triebs­plan wä­re dann zu wäh­len, wenn das Berg­werk sei­nen Be­trieb voll­stän­dig auf­ge­ge­ben hät­te und auch ein En­de der Auf­sichts­pflicht der Berg­be­hör­den her­bei­ge­führt wer­den soll. Dies sei beim Berg­werk Saar nicht der Fall, da dort im­mer noch Men­schen ar­bei­te­ten. Aber auch ein Ab­schluss­be­triebs­plan schrei­be kei­ne Öf­fent­lich­keit vor.

Den Vor­wurf der Grü­nen, 2013 kri­ti­sche Stel­lung­nah­men des Lan­des­amts für Um­welt­und Ar­beits­schutz (LUA) und des Ober­berg­amts nicht be­rück­sich­tigt zu ha­ben (wir be­rich­te- ten), wies Bar­ke scharf zu­rück. Der Ver­merk ei­ner Jus­ti­zi­a­rin aus dem Ober­berg­amt vom 18. De­zem­ber 2012, dass zur Zu­las­sung ein Ab­schluss­be­triebs­plan not­wen­dig sei, ha­be auf der fal­schen An­nah­me be­ruht, dass das Berg­werk Saar über kei­nen Haupt­be­triebs­plan ver­fügt. Der Irr­tum sei be­reits zwei Ta­ge spä­ter in ei­nem Ge­spräch mit Ver­tre­tern des Berg­amts auf­ge­klärt wor­den. Auch die vom LUA in ei­nem Schrei­ben vom Fe­bru­ar 2013 ge­äu­ßer­te Ein­schät­zung, wo­nach ei­ne Teil­flu­tung zu dem Zeit­punkt noch nicht ver­ant­wort­bar sei, ha­be man sehr ernst ge­nom­men. Ein vom Berg­amt be­auf­trag­ter Gut­ach­ter sei je­doch zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, dass kei­ne „grund­le­gen­den Ge­fähr­dun­gen für Mensch und Um­welt“be­ste­hen.

The­ma im Un­ter­su­chungs­aus­schuss soll auch die von der RAG am 29. April 2010 be­an­trag­te und kei­ne drei Wo­chen spä­ter – am 17. Mai 2010 – vom Berg­amt ge­neh­mig­te Flu­tung des drit­ten Felds des Berg­werks Saar, des Nord­felds bei Schwal­bach, sein. Wie das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um mit­teilt, war die Zu­las­sung al­lein An­ge­le­gen­heit der Berg­be­hör­de. Das da­mals FDP-ge­führ­te Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um so­wie das LUA sei­en in den Ge­neh­mi­gungs­pro­zess nicht ein­ge­bun­den ge­we­sen. Die da­ma­li­ge grü­ne Um­welt­mi­nis­te­rin Si­mo­ne Pe­ter ha­be sich „über­haupt nicht“für das The­ma in­ter­es­siert, sagt Bar­ke: „Das Um­welt­mi­nis­te­ri­um hät­te dar­um bit­ten kön­nen, über die Vor­gän­ge in­for­miert zu wer­den. Das ist nicht ge­sche­hen.“

Die Grü­nen wei­sen die­se Kri­tik zu­rück: „Nach al­lem, was uns zum heu­ti­gen Tag be­kannt ist, gab es da­mals kei­ne In­for­ma­ti­on an das Um­welt­mi­nis­te­ri­um. (. . .) Wenn man von ei­nem Vor­gang kei­ne Kennt­nis hat, kann man dar­auf auch nicht re­agie­ren“, so Ul­rich. Die kur­ze Ver­fah­rens­dau­er rüg­te er.

Die Ge­mein­de Nal­bach er­wägt nun, ge­gen den Son­der­be­triebs­plan von 2013 zu kla­gen und ei­nen Flu­tungs­stopp zu be­wir­ken. „Das se­hen wir ge­las­sen. Wir ge­hen da­von aus, dass die Be­wer­tung der Berg­be­hör­de recht­mä­ßig war“, sagt Bar­ke. Doch soll­te ein Ge­richt zu ei­ner an­de­ren Beur­tei­lung kom­men, könn­ten die Pum­pen so­fort wie­der an­ge­stellt wer­den.

FOTO: RAG

Das Are­al des Berg­werks Saar: Bis zum Jahr 2012 wur­de hier Koh­le ab­ge­baut. Nun wird sich ein Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Land­tags mit den Fol­gen des Berg­baus be­schäf­ti­gen.

Jür­gen Bar­ke

Hu­bert Ul­rich

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