Ver­stän­di­gung im Streit um Kir­chen­asyl

Saarbruecker Zeitung - - Politik -

Mit sei­ner Kri­tik am Kir­chen­asyl hat In­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re viel Staub auf­ge­wir­belt. Jetzt ha­ben die Kir­chen und das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge den Streit vor­erst bei­ge­legt. Die Ei­ni­gung gilt bis zum Herbst.

Berlin. Die christ­li­chen Kir­chen und das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) ha­ben sich auf den künf­ti­gen Um­gang mit dem Kir­chen­asyl ver­stän­digt. Bei­de Sei­ten ei­nig­ten sich un­ter an­de­rem dar­auf, dass die Tra­di­ti­on des Kir­chen­asyls an sich nicht in Fra­ge ge­stellt wird, wie das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um ges­tern mit­teil­te. Die Kir­chen er­ken­nen dem­nach ih­rer­seits an, dass das Kir­chen­asyl kein ei­gen­stän­di­ges, ne­ben dem Rechts­staat ste­hen­des In­sti­tut ist. Die Ei­ni­gung sieht laut Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um zu­dem vor, dass die Ge­wäh­rung von Kir­chen­asyl nur in Ein­zel­fäl­len als „Ul­ti­ma Ra­tio“in Be­tracht kommt. In sol­chen Fäl­len soll es dem­nach so früh­zei­tig wie mög­lich ei­ne Ein­zel­fall­prü­fung ge­ben, für die Kir­che und Bun­des­amt zen­tra­le An­sprech­part­ner be­nen­nen. Die­ses Ver­fah­ren soll zu­nächst bis zum Herbst er­probt wer­den.

Zu die­ser Ei­ni­gung kam es be­reits am Di­ens­tag in ei­nem Spit­zen­ge­spräch zwi­schen Ver­tre­tern der evan­ge­li­schen und ka­tho­li­schen Kir­che und dem BAMFPrä­si­den­ten Man­fred Schmidt. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) zeig­te sich zu­frie­den mit der Ver­ein­ba­rung. „Ich be­grü­ße es sehr, dass die Kir­chen sich deut­lich zum Gel­tungs­vor­rang staat­li­chen Rechts be­ken­nen“, er­klär­te der Mi­nis­ter. Sie hät­ten zu­dem klar ge­macht, dass das blo­ße An­ste­hen ei­ner Über­stel­lung in ei­nen an­de­ren EU-Staat kei­nen aus­rei­chen­den An­lass für die Ge­wäh­rung von Kir­chen­asyl bie­te. Der Mi­nis­ter hob zu­gleich her­vor: „Ge­gen die Tra­di­ti­on der Ge­wäh­rung von Kir­chen­asyl in be­son­ders ge­la­ger­ten Här­te­fäl­len als Ul­ti­ma Ra­tio ha­be und hat­te ich nichts ein­zu­wen­den.“De Mai­ziè­re hat­te die De­bat­te über das Kir­chen­asyl selbst maß­geb­lich aus­ge­löst. In ei­nem Interview warf er den Kir­chen vor, sich mit dem Kir­chen­asyl über gel­ten­des Recht zu stel­len. Da­bei hat­te er auch ei­nen Ver­gleich zu ei­ner Par­al­lel­jus­tiz durch is­la­mi­sches Scha­ria-Recht ge­zo­gen. Die­sen Ver­gleich nahm er spä­ter zu­rück.

Beim Kir­chen­asyl neh­men Kir­chen­ge­mein­den Asyl­be­wer­ber, de­nen die Ab­schie­bung droht, für ei­nen be­grenz­ten Zei­t­raum in ih­ren Ge­bäu­den auf. Da­durch soll Zeit für ei­ne Wie­der­auf­nah­me oder Über­prü­fung des Asyl­an­trags ge­won­nen wer­den. Die Zahl der Kir­chen­asyle war zu­letzt deut­lich ge­stie­gen. Al­ler­dings sind es ins­ge­samt wei­ter­hin sehr we­ni­ge Fäl­le. Der­zeit ha­ben die Ge­mein­den nach An­ga­ben der Kir­chen 226 Kir­chen­asyle ge­währt. afp Tho­mas de Mai­ziè­re

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