Ge­richt muss Streit um Stra­ßen­strich ent­schei­den

Pro­sti­tu­ier­te klagt ge­gen Ver­bot der Stadt Dort­mund

Saarbruecker Zeitung - - PANORAMA - Von dpa-Mit­ar­bei­ter Wolf­gang Dahl­mann

Schlüpf­ri­ges The­ma vor Ge­richt: Das Ver­bot des Stra­ßen­strichs in Dort­mund steht heu­te er­neut auf dem Prüf­stand der Jus­tiz. Ei­ne Pro­sti­tu­ier­te hat­te ge­gen das Ver­bot der Stadt ge­klagt.

Dort­mund. Vier Jah­re herrsch­te an­ge­spann­te Ru­he um den Dort­mun­der Stra­ßen­strich. Jetzt kocht das schlüpf­ri­ge The­ma wie­der hoch. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter will heu­te ent­schei­den, ob Pro­sti­tu­ier­te in Dort­mund auf der Stra­ße an­schaf­fen dür­fen. Vor al­lem geht es dar­um, ob der al­te Stra­ßen­strich in der Ra­vens­ber­ger Stra­ße in der Nord­stadt wie­der ge­öff­net wer­den muss.

Da­mals hat­te der mas­sen­haf­te Zu­zug von neu­en EUBür­gern aus Bul­ga­ri­en und Ru­mä­ni­en das Re­vier ge­ra­de­zu ex­plo­die­ren las­sen. Hun­der­te Frau­en woll­ten schnel­les Geld auf der Stra­ße ma­chen. In der Nord­stadt wa­ren auf­rei­zend leicht be­klei­de­te Frau­en auf ih­rem Weg zur Ar­beit kein sel­te­ner An­blick auch für Kin­der. Als sich die Zahl der Pro­sti­tu­ier­ten ver­dop­pel­te und ver­drei­fach­te, zog die Ver­wal­tung 2011 die Brem­se. Dort­mund ver­bot die Stra­ßen­pro­sti­tu­ti­on auf dem ge­sam­ten Stadt­ge­biet.

Pro­sti­tu­ier­te sol­len in Dort­mund ih­re Di­ens­te nicht mehr an der Stra­ße an­bie­ten dür­fen.

Ei­ne Task Force durch­streift bis heu­te die Nord­stadt.

In an­de­ren Groß­städ­ten kocht das The­ma eher auf klei­ner Flam­me. In München dür­fen Pro­sti­tu­ier­te an neun Or­ten auf der Stra­ße an­bah­nen. Ein Pro­blem sei das nicht, heißt es. Da­zu gibt es meist be­son­de­re Zei­ten. Zum Voll­zug geht es ins Ho­tel, nach Hau­se oder da­hin, wo es ein­fach nicht auf­fällt. In Berlin ist der Stra­ßen­strich wie in der Kur­fürs­ten­stra­ße, der Ora­ni­en­bur­ger Stra­ße oder neu­er­dings an der B 2 ge­dul­det. Die Stadt ver­zich­tet auch auf ei­ne Sperr­ge­biets­ver­ord­nung. Pro­ble­me be­rei­tet das den Stadt­vä­tern nicht.

In Saar­brü­cken da­ge­gen ist Stra­ßen­pro­sti­tu­ti­on nur auf drei Ab­schnit­ten im Deutschmüh­len­tal, in der Bur­ba­cher Hoch­stra­ße und an der Dud­wei­ler Land­stra­ße zu­läs­sig. Im eher frei­zü­gi­gen Ham­burg mit der Ree­per­bahn hat die Stadt im zum Sperr­ge­biet ge­hö­ren­den St. Ge­org zu dras­ti­schen Maß­nah­men ge­grif­fen und droht Frei­ern bei Kon­takt­auf­nah­me 5000 Eu­ro Stra­fe an.

Mit dem To­tal­ver­bot des Stra­ßen­strichs in Dort­mund hat­te Ober­bür­ger­meis­ter Ull­rich Sier­au (SPD) al­ler­dings die Rech­nung oh­ne die Pro­sti­tu­ier­te Da­ny ge­macht. Sie klag­te am Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen ih­ren Ar­beits­platz ein und be­kam vor zwei Jah­ren teil­wei­se Recht. Der Strich in der Ra­vens­ber­ger Stra­ße und Um­ge­bung blieb zwar ge­schlos­sen. Und auch im wei­ten In­nen­stadt­be­reich dür­fen die Frau­en nicht öf­fent­lich mit ih­rer Gunst wer­ben. Aber für die Au­ßen­be­rei­che der Stadt ho­ben die Rich­ter das Stra­ßen­ver­bot auf. Sie ga­ben den Hin­weis, die Stadt sol­le ei­nen neu­en Stra­ßen­strich in den Vo­r­or­ten su­chen. Dann kön­ne der Rest der Stadt mög­li­cher­wei­se zum Sperr­ge­biet er­klärt wer­den. Dort­mund will je­doch in der Be­ru­fung auf gan­zer Li­nie ge­win­nen.

Das Ver­bot hat sich in­des schon be­merk­bar ge­macht. Rei­hen­wei­se zo­gen die Pro­sti­tu­ier­ten aus Süd­ost­eu­ro­pa in an­de­re Städ­te wie Duis­burg ab. Auf den Dort­mun­der Nord­stadt-Stra­ßen sind aber im­mer noch 20 bis 30 hart­nä­cki­ge Frau­en un­ter­wegs.

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