„Die Re­form ist ei­ne ver­gif­te­te Me­di­zin.“

Saarbruecker Zeitung - - SAARLAND -

den vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men zur Men­gen­steue­rung. Kran­ken­häu­ser sol­len näm­lich ver­pflich­tet wer­den, Min­dest­men­gen für be­stimm­te Leis­tun­gen fest­zu­le­gen. Er­bringt ein Haus dann ei­ne Leis­tung, ob­wohl es hier die fest­ge­leg­te Min­dest­men­ge nicht er­reicht, er­hält es kei­ne Ver­gü­tung. Die SKG rech­net hier mit Ver­lus­ten von acht Mil­lio­nen Eu­ro. „Das be­deu­tet, dass wir – um­ge­rech­net auf Pfle­ge­kräf­te – 62 Stel­len in der Pfle­ge nicht mehr be­zah­len kön­nen“, heißt es in dem Brief wei­ter. Wo dann ge­spart wird, sei je­dem Kran­ken­haus selbst über­las­sen, be­tont Ja­kobs.

Um die Zahl der Pfle­ge­kräf­te zu er­hö­hen, sieht der Ent­wurf vor, von 2016 bis 2018 rund 660 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr für ein „Pfle­ge­stel­len­för­der­pro­gramm“zur Ver­fü­gung zu stel­len. „Dies führt für un­se­re vier Häu­ser zu-

Tho­mas Ja­kobs, Saar­län­di­sche Kran­ken­haus­ge­sell­schaft

sam­men nur zu 6,5 neu­en Stel­len im Jahr“, stel­len die Ge­schäfts­füh­rer klar. Wie vie­le Stel­len dies für das Saar­land wä­ren, las­se sich der­zeit nicht be­zif­fern, so Ja­kobs: „Die Kran­ken­häu­ser müs­sen in der La­ge sein, zehn Pro­zent der zu­sätz­li­chen Per­so­nal­kos­ten selbst auf­zu­brin­gen“, nennt er ei­ne Be­din­gung. Dies kön­ne nicht je­de Kli­nik.

Eben­falls kri­tisch se­hen sie den Plan, dass Kran­ken­häu­ser für gu­te Leis­tun­gen et­wa bei Ope­ra­tio­nen Zu­schlä­ge er­hal­ten und Ab­zü­ge bei schlech­ten. Dies kann auf lan­ge Sicht zu Schlie­ßun­gen ein­zel­ner Ab­tei­lun­gen füh­ren. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) er­hofft sich so ei­nen Ab­bau von Über­ka­pa­zi­tä­ten und ei­ne Spe­zia­li­sie­rung der Kli­ni­ken. „Ob und wie stark wir von den Zu­schlä­gen pro­fi­tie­ren, ist heu­te noch gar nicht ab­seh­bar“, so die Saar­brü­cker Klin­ken. Die SKG fürch­tet, dass der noch nicht de­fi­nier­te Qua­li­täts­be­griff da­zu ge­nutzt wer­de, die Ver­gü­tung zu re­du­zie­ren. Wenn nur we­ni­ge Kli­ni­ken die Stan­dards er­fül­len könn­ten, be­deu­te dies Ver­lus­te für die üb­ri­gen.

Die Saar­brü­cker Kli­ni­ken for­dern die Po­li­tik da­her auf, sich für ei­ne Ent­las­tung des Kran­ken­haus­per­so­nals ein­zu­set­zen. Ta­rif­stei­ge­run­gen müss­ten von den Kran­ken­kas­sen be­zahlt wer­den, die Fi­nanz­aus­stat­tung der Kran­ken­häu­ser müs­se auf so­li­de Fü­ße ge­stellt wer­den – dem An­spruch, die Pa­ti­en­ten­ver­sor­gung und die Qua­li­tät der Be­hand­lun­gen zu ver­bes­sern, wer­de der Ge­setz­ent­wurf nicht ge­recht.

„Das Ge­setz wird die Per­so­nal­not an Kran­ken­häu­sern wei­ter ver­schär­fen“, glaubt auch Ver­di-Ex­per­te Michael Qu­et­ting. Die Ge­werk­schaft for­dert ei­ne ge­setz­li­che Fest­le­gung, wie viel Per­so­nal für be­stimm­te Auf­ga­ben nö­tig ist. Am 7. Sep­tem­ber be­ginnt die An­hö­rung zum Ent­wurf. An die­sem Tag will Ver­di vor den Saar-Land­tag zie­hen und den Ver­tre­tern der Frak­tio­nen ih­re Pe­ti­ti­on über­rei­chen. En­de Ok­to­ber soll der Bun­des­tag das Ge­setz ver­ab­schie­den, die Re­form zum 1. Ja­nu­ar 2016 in Kraft tre­ten.

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