Kir­keler Rent­ner soll Mord be­auf­tragt ha­ben

Ein 71-Jäh­ri­ger aus Kir­kel soll ei­nem Hand­wer­ker 50 000 Eu­ro für den Auf­trags­mord ge­bo­ten ha­ben. Der Fall be­schäf­tigt nun das Land­ge­richt.

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - VON WOLF­GANG IHL

Ein 71-jäh­ri­ger Rent­ner aus Kir­kel soll ei­nen Hand­wer­ker be­auf­tragt ha­ben, sei­ne Nach­ba­rin we­gen Strei­tig­kei­ten um­zu­brin­gen, und da­für 50 000 Eu­ro ge­bo­ten ha­ben. Der Hand­wer­ker zeig­te den Kir­keler an. Jetzt be­schäf­tigt sich das Land­ge­richt in Saarbrücken mit dem Fall.

SAARBRÜCKEN/KIR­KEL. Mehr als zwölf Jah­re nach ei­nem an­geb­li­chen Mord­auf­ruf muss sich ein Steu­er­be­ra­ter aus dem Saar­pfalz­kreis vor dem Land­ge­richt Saarbrücken ver­ant­wor­ten. Die An­kla­ge wirft dem mitt­ler­wei­le 71 Jah­re al­ten Mann aus Kir­kel ver­such­te An­stif­tung zum Mord vor. Er soll im April 2004 wäh­rend ei­nes Streits mit der Nach­bar­schaft um ei­ne Ga­ra­ge ei­nem Hand­wer­ker 50 000 Eu­ro ge­bo­ten ha­ben, wenn der die Nach­ba­rin um­bringt. Das er­zähl­te der heu­te 63 Jah­re al­te Hand­wer­ker als Zeu­ge vor Ge­richt. Der An­ge­klag­te weist die Vor­wür­fe zu­rück. Er sag­te, dass er kei­nen Mord­auf­trag er­teilt ha­be.

Dreh- und An­gel­punkt die­ser selt­sa­men Ge­schich­te, die sich bis ins De­tail wohl nie wird auf­klä­ren las­sen, ist ein seit Jahr­zehn­ten schwe­len­der Streit zwi­schen dem Steu­er­be­ra­ter und ei­ner Nach­bars­fa­mi­lie. Der 71-Jäh­ri­ge be­rich­te­te am ers­ten Pro­zess­tag da­von, dass er die mitt­ler­wei­le 49 Jah­re al­te Frau schon als klei­nes Mäd­chen im Al­ter von zwölf Jah­ren von sei­nem Grund­stück ver­wie­sen ha­be, weil sie sich „un­flä­tig be­nom­men“ha­be. Da­mals ha­be zwi­schen dem Haus der El­tern der Frau und sei­nem 2000 Qua­drat­me­ter Grund­stück ein gro­ßes, frei­es Ge­län­de ge­le­gen. Dar­auf ha­be die Fa­mi­lie der Frau in den 90er Jah­ren ein Haus ge­baut. Da­bei sei ei­ne „il­le­ga­le Ga­ra­ge“an sei­ne Gren­ze ge­baut wor­den. Sie ha­be ihm die Sicht aus ei­ni­gen Fens­tern ge­nom­men. Des­halb ha­be er sich vor Ge­richt durch al­le In­stan­zen ge­gen die Ga­ra­ge ge­wehrt. Aber oh­ne Er­folg.

Nach Fest­stel­lung ei­nes Zi­vil­ge­rich­tes hat sich der An­ge­klag­te ge­gen die Nach­ba­rin aber nicht nur mit recht­li­chen Mit­teln ge­wehrt. Er soll sie beim Bau der Ga­ra­ge 1995 ge­schubst ha­ben, so dass sich die Frau bei ei­nem Sturz ver­letz­te. Der An­ge­klag­te be­strei­tet dies. Aber Zeu­gen be­stä­tig­ten die Aus­sa­ge der Frau. Des­halb wur­de er zur Zah­lung von 1200 Mark (600 Eu­ro) Schmer­zens­geld an die Frau ver­ur­teilt. Spä­tes­tens seit die­ser Zeit war der Streit zwi­schen den Nach­bars­fa­mi­li­en Orts­ge­spräch.

Im Jahr 2004 woll­te der Steu­er­be­ra­ter dann ei­ne Ga­ra­ge an der Gren­ze zum Nach­bar­grund­stück bau­en. Die Bau­be­treu­ung über­nahm ein Kun­de des Steu­er­be­ra­ters, der be­sag­te Hand­wer­ker. Der 63-Jäh­ri­ge be­rich­te­te da­zu als Zeu­ge vor Ge­richt: Da­mals sei er re­gel­mä­ßig ein­mal im Mo­nat mit sei­nem Ge­schäfts­un­ter­la­gen beim heu­ti­gen An­ge­klag­ten ge­we­sen. Der ha­be je­des Mal über die Nach­ba­rin ge­schimpft. Be­son­ders schlimm sei es ge­we­sen, als es Pro­ble­me mit dem Neu­bau der Ga­ra­ge gab. Ur­sa­che sei wohl ei­ne An­zei­ge der Nach­ba­rin ge­we­sen. Je­den­falls sei die Bau­auf­sichts­be­hör­de auf­ge­taucht und ha­be ge­rügt, dass ge­plan­te Dach der Ga­ra­ge sei zwölf Zen­ti­me­ter zu hoch. Dar­auf­hin ha­be der Bau an­ders aus­ge­führt wer­den müs­sen. Des­halb sei der An­ge­klag­te au­ßer sich ge­we­sen, so der Zeu­ge. Dann ha­be der Mann ihm 20 000 Eu­ro an­ge­bo­ten, wenn er die Frau be­sei­ti­ge.

Ant­wort des Hand­wer­kers nach ei­ge­ner Aus­sa­ge: „Für 20 000 Eu­ro ge­he ich doch nicht ins Ge­fäng­nis.“Dar­auf ha­be der An­ge­klag­te ei­nen et­wa zwei Zen­ti­me­ter di­cken Um­schlag ge­nom­men und auf den Tisch ge­wor­fen. Im Sicht­feld ha­be man ei­nen Fünf­zig-Eu­ro-Schein ge­se­hen. Und der Steu­er­be­ra­ter ha­be ge­sagt, „dann er­hö­he ich auf 50 000“. In die­sem Mo­ment, so der Zeu­ge, ha­be er die Sa­che nicht mehr für blo­ßes Ge­re­de ge­hal­ten. Sein Fa­zit zum Pro­zess­auf­takt: „Ich weiß nicht, ob er den Mord­auf­trag ernst ge­meint hat oder nicht.“Aber: „Ich ha­be ihn ernst ge­nom­men.“

Der Hand­wer­ker be­hielt die gan­ze Sa­che über Jah­re für sich. Erst 2009 schrieb er ei­ne Straf­an­zei­ge, nach­dem er mit dem Steu­er­be­ra­ter in ge­schäft­li­chen Din­gen an­ein­an­der ge­ra­ten war. Nach jah­re­lan­gen Er­mitt­lun­gen und zwei ge­platz­ten Straf­pro­zes­sen un­ter­nimmt das Land­ge­richt in Saarbrücken nun ei­nen drit­ten An­lauf in die­ser Sa­che. Der Pro­zess wird fort­ge­setzt.

„Ich ha­be ihn ernst ge­nom­men.“

Der Zeu­ge vor Ge­richt

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