Ei­ne Zier aus längst ver­gan­ge­nen Zei­ten

GLOSSE

Saarbruecker Zeitung - - STANDPUNKT - PIA ROLFS

Pünkt­lich­keit ist die Höf­lich­keit der Kö­ni­ge, hieß es frü­her. Doch auch in die­ser Hin­sicht ha­ben die Men­schen of­fen­bar die Mon­ar­chie ab­ge­schafft. Denn sie sind im­mer öf­ter un­pünkt­lich. Und das ist nicht ein­mal von Nach­teil, wol­len US-For­scher her­aus­ge­fun­den ha­ben. Denn un­pünkt­li­che Men­schen sei­en krea­ti­ver und op­ti­mis­ti­scher. Das mag alt­mo­disch­pünkt­li­che Zeit­ge­nos­sen ver­blüf­fen, liegt aber in der Na­tur der Sa­che. Er­for­dert doch die Su­che nach ei­ner Aus­re­de für die Ver­spä­tung viel Krea­ti­vi­tät – und Op­ti­mis­mus, dass der an­de­re sie glaubt. Ir­gend­wann al­ler­dings wer­den wohl gar kei­ne Zeit­punk­te mehr für Tref­fen aus­ge­macht, son­dern die­se per Han­dy al­le fünf Mi­nu­ten neu ver­ab­re­det und wie­der ver­scho­ben. Und dann gibt es we­der Pünkt­lich­keit noch Un­pünkt­lich­keit, weil nie­mand mehr durch­blickt. Wer aber meint, das ent­schul­di­ge ihn jetzt schon, freut sich zu früh. Und ist da­mit schon wie­der un­pünkt­lich.

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