Ge­büh­ren für die Kon­to­ver­wal­tung

Die Zins­flau­te macht Bau­spar­kas­sen das Le­ben schwer. Jetzt sorgt die Ein­füh­rung von Ser­vice­pau­scha­len bei den Kun­den für Un­mut.

Saarbruecker Zeitung - - SZ-EXTRA IMMOBILIEN - VON FRIEDERIKE MARX UND WOLF VON DEWITZ der Bau­spar­kas­se Schwä­bisch Hall

KO­BLENZ (dpa) Die Not ist groß in Zei­ten der Zins­flau­te – auch bei Bau­spar­kas­sen. An­ge­sichts der Er­trags­schmel­ze dre­hen sie an der Ge­büh­ren­schrau­be. Ei­ni­ge In­sti­tu­te füh­ren ei­ne jähr­li­che Ser­vice­pau­scha­le für Alt­ver­trä­ge ein. Ver­brau­cher­schüt­zer sind ver­är­gert und fürch­ten, dass das Bei­spiel Schu­le ma­chen könn­te. „Es ist so, als ob ei­ne Spar­kas­se Ein­tritt von Kun­den da­für ver­langt, weil sie das Ge­bäu­de un­ter­hält“, kri­ti­siert Fi­nanz­ex­per­te Hart­mut Schwarz von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Bremen. Post von ih­rer Bau­spar­kas­se be­kom­men der­zeit un­ter an­de­rem Kun­den der De­be­ka, Si­gnal Idu­na und der LBS Baye­ri­sche Lan­des­bau­spar­kas­se.

Die De­be­ka will für Alt­ver­trä­ge aus dem Be­stand, die nicht mehr ak­tiv ver­kauft wer­den, ein jähr­li­ches Ent­gelt wäh­rend der Spar­pha­se von zwölf be­zie­hungs­wei­se 24 Eu­ro er­he­ben. Ein De­be­kaSpre­cher be­grün­det die Ent­schei­dung mit den Fol­gen der Zins­flau­te und ho­hen Kos­ten für re­gu­la­to­ri­sche An­for­de­run­gen. Jähr­li­che Ge­büh­ren sei­en in der Bran­che nichts un­ge­wöhn­li­ches, „bei uns wa­ren sie bis­her die Aus­nah­me“, sagt der Spre­cher.

Tat­säch­lich ver­langt bei­spiels­wei­se die Bau­spar­kas­se Wüs­ten­rot bei ih­rer ak­tu­el­len Ta­rif-Ge­ne­ra­ti­on ei­ne jähr­li­che Kon­to­ge­bühr von 15 Eu­ro. Die Bau­spar­kas­se Schwä­bisch Hall er­hebt ein Jah­res­ent­gelt von zwölf Eu­ro. Selbst die Bun­des-Fi­nanz­agen­tur ha­be die kos­ten­lo­se Ver­wah­rung von Bun­des­ti­teln vor ei­ni­gen Jah­ren ein­ge­stellt, sagt ein Schwä­bi­schHall-Spre­cher. „Da­hin­ter steckt ja ein nicht ge­rin­ger Auf­wand, den nicht ein­mal der Bund kos­ten­los an­bie­ten kann.“

Die Si­gnal Idu­na Bau­spar­kas­se führ­te zum Jah­res­wech­sel ei­ne

„Da­hin­ter steckt ein nicht ge­rin­ger Auf­wand, den nicht ein­mal der Bund kos­ten­los an­bie­ten kann.“

Ein Spre­cher Ser­vice­pau­scha­le für al­le Kun­den und Ta­ri­fe von ein­heit­lich 15 Eu­ro jähr­lich pro Kon­to ein. Grund sei­en die Nied­rig­zin­sen und stei­gen­de Kos­ten. Vor­her gab es ver­schie­de­ne Ge­büh­ren­mo­del­le. Mit der Pau­scha­le sei­en al­le Ge­büh­ren, die wäh­rend der Spar- und Dar­le­hens­pha­se ei­nes Bau­spar­ver­tra­ges an­fal­len, ab­ge­gol­ten, wirbt das Un­ter­neh­men.

Bei der LBS Bay­ern kos­tet es 9,60 Eu­ro per an­num. Al­ler­dings bit­ten die Bay­ern jetzt auch die Be­sit­zer äl­te­rer Po­li­cen zur Kas­se, die bis­her kei­ne Ge­bühr zahl­ten. Ver­brau­cher­schüt­zer Schwarz fürch­tet, dass an­de­re Lan­des­bau­spar­kas­sen nach­zie­hen könn­ten.

Da De­be­ka und Co. die all­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen wäh­rend des lau­fen­den Ver­trags­ver­hält­nis­ses än­der­ten, kön­nen Bau­spa­rer der Ge­bühr wi­der­spre­chen. Schwarz emp­fiehlt, so­fort „nach Er­halt der In­for­ma­ti­on schrift­lich zu wi­der­spre­chen, dann ent­fällt die­se Ser­vice­pau­scha­le“. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le Bran­den­burg hat auf ih­rer In­ter­net­sei­te ei­nen Mus­ter­brief.

Die Bau­spar­kas­sen ste­cken wie an­de­re Kre­dit­in­sti­tu­te in der Nied­rig­zins­fal­le. Vor al­lem hoch­ver­zins­te Alt­ver­trä­ge be­las­ten sie. Trotz Zu­tei­lungs­rei­fe neh­men vie­le Kun­den ihr Dar­le­hen nicht in An­spruch, um mög­lichst lan­ge von den Gut­ha­ben­zin­sen der 90er Jah­re zu pro­fi­tie­ren. „Die Bau­spar­kas­sen müs­sen Spar­gelder, die sie nicht als Dar­le­hen ver­ge­ben, nach den Vor­ga­ben des Bau­spar­kas­sen­ge­set­zes in ri­si­ko­ar­me Wert­pa­pie­re an­le­gen, die auf­grund der Po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank kaum noch Ren­di­te er­brin­gen“, be­schreibt ein Spre­cher der LBS Bay­ern das Pro­blem. Zahl­rei­che In­sti­tu­te kün­di­gen da­her hoch­ver­zins­te Alt-Ver­trä­ge, die seit min­des­tens zehn Jah­ren in Dar­le­hen um­ge­wan­delt wer­den kön­nen und noch nicht voll be­spart sind. Die­se Pra­xis ist recht­lich um­strit­ten. En­de Fe­bru­ar steht das The­ma auf der Agen­da des Bun­des­ge­richts­hofs.

Für Ver­brau­cher sind Ser­vice­ge­büh­ren oder die Kün­di­gung hoch­ver­zins­ter Alt­ver­trä­ge är­ger­lich. Der Chef der Fi­nanz­auf­sicht (Ba­fin), Fe­lix Hu­feld, mahnt da­ge­gen, Kre­dit­in­sti­tu­te müss­ten we­gen sin­ken­der Er­trä­ge Kos­ten ver­rin­gern, an­de­re Er­trags­quel­len er­schlie­ßen oder ihr Ge­schäfts­mo­dell hin­ter­fra­gen.

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