Elek­tro-Sze­ne fei­ert saar­län­di­schen DJ

Der Saar­brü­cker Flo­ri­an Lin­sen­mai­er ali­as „Flo.von“hat sich als Pro­du­zent von Elek­tro-Mu­sik ei­nen Na­men ge­macht.

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - VON PATRI­CIA HEI­NE Flo­ri­an Lin­sen­mai­er muss­te mit der Mu­sik, die er heu­te liebt, selbst erst ein­mal warm wer­den.

SAAR­BRÜ­CKEN Ein Klick. Die Mu­sik star­tet. Der Kopf, die Schul­tern, die Bei­ne – al­les wippt. Im Takt der elek­tro­ni­schen Rhyth­men. Flo­ri­an Lin­sen­mai­er strahlt. Sein gan­zer Kör­per strahlt. Elek­tro­ni­sche Mu­sik ist sei­ne Dro­ge. Sie bringt ihn hoch. Sie macht ihn glück­lich. Von ihr kann er nicht ge­nug krie­gen. Der 28-jäh­ri­ge Saar­brü­cker pro­du­ziert sie selbst. Un­ter dem Na­men „Flo.von“. Zu­hau­se in sei­nem Stu­dio. Oder viel­mehr in sei­nem Büro. Re­ga­le mit Ord­nern, ein Schreib­tisch, ein Hun­de­bett­chen. Hier soll Mu­sik ent­ste­hen? Und ob. Fast al­les, was Flo zum Mu­sik mi­schen braucht, ver­steckt sich in Pro­gram­men auf sei­nem Lap­top. An den Wän­den hän­gen Eier­kar­tons aus Schaum­stoff – um den Raum schall­dicht zu ma­chen. Wenn der Bass los­geht. Lau­te Tö­ne. Mo­no­ton. Lärm in den Oh­ren. Das ist Tech­no – für die, die ihn nicht bes­ser ken­nen. Flos Mu­sik hin­ge­ge­gen häm­mert nicht. Sie ist an­ge­nehm. Me­lo­die, ge­rapp­te Tei­le, von ihm selbst.

„G-Hou­se“nennt sich die­se sof­te­re Ver­si­on der elek­tro­ni­schen Mu­sik. Ei­ne klei­ne Spar­te. Die rü­cke aber im­mer mehr in den Vor­der­grund, fin­det der Künst­ler, „weil klei­ne Leu­te da­hin­ter ste­cken, die en­ga­giert sind“. Da­zu ge­hört Flo al­le­mal. Seit ei­nem Jahr ist er bei ei­nem La­bel un­ter Ver­trag. Dar­über ver­kauft er sei­ne Mu­sik und wirbt für sich. Ge­ra­de grün­det er ein neu­es La­bel, mit ei­nem Kum­pel zu­sam­men. Da­mit will er Tech­no-Künst­lern aus der Re­gi­on ei­ne Platt­form für Ver­öf­fent­li­chun­gen bie­ten. In di­ver­sen Chart­lis­ten lan­de­te er un­ter den Top 100 bis Top 10 welt­weit.

Sein Netz­werk reicht weit über das Saar­land hin­aus. In Köln, Me­xi­ko und Mia­mi ar­bei­tet Flo mit „Ty­pen“zu­sam­men an neu­en „Tracks“. Die elek­tro­ni­sche Mu­sik – sie hat ih­re ei­ge­ne Spra­che. „Da spricht dich je­der mit „Bro“oder „Bru­der“an“, er­klärt der DJ.

Und so hat auch je­der, der in der Sze­ne rich­tig am Start ist, sei­nen „Re­si­denz-Club“, wie Flo ihn nennt. Er herrscht zur­zeit über die Saar­brü­cker Clubs „Mau­er­pfeif­fer“und „Si­lo“. In der Nacht. Wenn die Sze­ne zum Le­ben er­wacht. Dann steht Flo hin­ter dem DJ-Pult. Legt los. Die Leu­te ras­ten aus. Al­les tanzt. Al­les schwitzt. Al­les fei­ert. Den DJ. Sei­ne Mu­sik.

Für Flo Be­loh­nung nach har­ter Ar­beit. Ar­beit, für die er ei­nen kla­ren Kopf braucht. Kei­ne Dro­genD­röh­nung. Das fin­det er „wi­der­lich und ab­sto­ßend“. Dro­gen – der Fluch der Sze­ne. „Ich muss mir die Mu­sik nicht schön zie­hen“, sagt Flo be­stimmt. Das lässt sein Be­ruf auch nicht zu. Lin­sen­mai­er ist Er­zie­her in ei­ner Wohn­grup­pe von zwölf Ju­gend­li­chen. „Ich könn­te nie­mals am Wo­che­n­en­de die Pil­len ein­schmei­ßen und am nächs­ten Tag An­ti-Dro­gen-Ge­sprä­che mit mei­nen Ju­gend­li­chen füh­ren“, sagt er. Sei­ne Dro­ge – die Mu­sik eben.

Jen­seits vom Ge­schäft ist Flo kein Par­ty-Tier. In der Sze­ne sei­en zwar ei­ni­ge der Mei­nung, er müs­se die Clubs auch als Gast bes­ser ken­nen. Aber Flo zieht es ins Ru­hi­ge, ins Grü­ne. In den Wald mit sei­ner Ma­ry, ei­ner braun-wei­ßen Misch­lings­hün­din. „Dann ist der Kopf frei und es flutscht“, er­zählt er. Ein neu­er Track – mal ent­steht er an ei­nem Tag, mal dau­ert es zwei Wo­chen. „Ich bin oft sau­er und ver­bis­sen, wenn es nicht funk­tio­niert.“Aber es funk­tio­niert eben oft. Jung­pro­du­zen­ten be­wun­dern Flo und sei­ne Mu­sik. Fra­gen ihn nach Rat. Und dar­in geht er auf. Über Mu­sik re­den und sie an­de­ren er­klä­ren.

Da­bei muss­te er mit dem Tech­no erst­mal warm wer­den. „Ich fand Tech­no frü­her ganz schlimm und nichts­sa­gend“, er­zählt Flo. Bis er vor rund acht Jah­ren über Freun­de in die Sze­ne kam. Aus­pro­bier­te und merk­te, wie schwer es ist. Heu­te hat er sich ei­nen Na­men ge­macht. Macht sein Ding. Rei­tet auf kei­ner Wel­le mit. „Ich lie­be al­les, was ich ma­che und bin da­mit voll zu­frie­den“, sagt Flo. Ganz oh­ne Wun­der­pil­len. Weil es die Mu­sik ist, die ihn oben hält.

„Ich fand Tech­no frü­her ganz schlimm und

nichts­sa­gend.“

FOTO: MAU­RER

Zu­hau­se hat sich Flo­ri­an Lin­sen­mai­er ein Stu­dio ein­ge­rich­tet, in der er sei­ne Mu­sik pro­du­ziert.

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