Die Fein­hei­ten deut­schen Rechts

Erst­mals wird am „Cent­re Ju­ri­di­que Fran­co-Al­le­mand“der Saar-Uni ei­ne Wei­ter­bil­dung für fran­zö­si­sche An­wäl­te über deut­sches Recht an­ge­bo­ten.

Saarbruecker Zeitung - - Region - VON HÉLÈNE MAILLASSON Rechts­an­walt Chris­toph Clan­get, der das Pro­gramm mit­kon­zi­piert hat

SAAR­BRÜ­CKEN „Wie war das noch mit den Zi­vil­sa­chen, gibt es in Deutsch­land ei­ne münd­li­che Ver­hand­lung?“Auch nach Fei­er­abend dis­ku­tie­ren die fran­zö­si­schen Rechts­an­wäl­te bei ei­nem Glas Cré­mant wei­ter dar­über, was sie am ers­ten Tag ih­rer Fort­bil­dung in Saar­brü­cken ge­lernt ha­ben. 13 Ju­ris­ten aus dem Nach­bar­land neh­men an dem ge­mein­sa­men Fort­bil­dungs­pro­gramm der Pa­ri­ser Kam­mer, des Saar­län­di­schen An­walt­ver­eins, der saar­län­di­schen Rechts­an­walts­kam­mer und des „Cent­re Ju­ri­di­que Fran­coAl­le­mand“der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des teil. Um­ge­kehrt kön­nen ab En­de Fe­bru­ar auch deut­sche Rechts­an­wäl­te die Fort­bil­dung in fran­zö­si­schem Recht in Pa­ris be­le­gen.

Am ers­ten Tag ging es an der Saar-Uni für die Gäs­te aus Frank­reich um die Rol­le des An­walts im deut­schen Rechts­sys­tem und die Or­ga­ni­sa­ti­on der Jus­tiz. An sich nichts Schwie­ri­ges, aber der Un­ter­richt in der Fremd­spra­che ist für die meis­ten ei­ne Her­aus­for­de­rung. „Ich ha­be lan­ge Zeit kein Deutsch mehr ge­spro­chen. Ich bin auf Ar­beits­recht spe­zia­li­siert und ha­be nur fran­zö­si­sche Man­dan­ten“, er­klärt An­na Cou­d­ray, die als An­wäl­tin in Pa­ris zu­ge­las­sen ist. Das Pro­gramm rich­tet sich nicht an frisch­ge­ba­cke­ne Ab­sol­ven­ten son­dern an An­wäl­te, die schon in ih­rem Be­ruf ar­bei­ten. „In Frank­reich ist die Wei­ter­bil­dung für An­wäl­te Pflicht. Sie müs­sen 20 St­un­den im Jahr vor­wei­sen kön­nen“, er­klärt die Saar­brü­cker Rechts­an­wäl­tin Sa­bi­ne Alt­mey­er, die in dem deutsch-fran­zö­si­schen Pro­gramm un­ter­rich­tet.

An­na Cou­d­ray hat sich für ein­zel­ne Mo­du­le des in­ge­samt 66 Un­ter­richs­stun­den um­fas­sen­den Fort­bil­dungs­an­ge­bots ent­schie­den. Wer das kom­plet­te Pro­gramm ab­sol­viert, be­kommt am En­de ein deutsch-fran­zö­si­sches Wei­ter­bil­dungs­zer­ti­fi­kat. Da­für hat sich Em­ma­nu­el Wel­ler ent­schie­den. In Pa­ris hat Wel­ler bis­her we­nig mit deut­schen Man­dan­ten zu tun. „Aber vi­el­leicht kommt das noch. Und ich in­ter­es­sie­re mich sehr für Deutsch­land. Die­ses Pro­gramm ist ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit für mich, um mei­ne pri­va­ten und be­ruf­li­chen In­ter­es­sen zu ver­bin­den“, so der Fach­mann für Im­mo­bi­li­en­recht. Das neue saar­län­di­sche Pro­gramm hat sich weit über Pa­ris hin­aus her­um­ge­spro­chen. Ei­ne Teil­neh­me­rin wohnt zum Bei­spiel in Niz­za und ar­bei­tet als An­wäl­tin in Mo­na­co. „Dass un­ser An­ge­bot be­reits im ers­ten Jahr­gang ei­ne so gu­te Re­so­nanz be­kommt, stärkt das Saar­land als grenz­über­schrei­ten­den Jus­tiz-Stand­ort“, freut sich Rechts­an­walt Chris­toph Clan­get, der das Pro­gramm mit­kon­zi­piert hat. Auch in Straß­burg hör­te Emi­lie-Char­lot­te Bré­tel da­von und mel­de­te sich prompt an. „In mei­ner Kanz­lei di­rekt an der Gren­ze ist ein Drit­tel der Fäl­le grenz­über­schrei­tend.“

„Dass un­ser An­ge­bot ei­ne so gu­te Re­so­nanz be­kommt, stärkt das Saar­land als grenz­über­schrei­ten­den

Jus­tiz-Stand­ort.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.