Kin­der mer­ken sich al­les. Au­ßer Wit­ze. Lei­der.

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN -

Kin­der mer­ken sich al­les. Das weiß je­der, dem je­mals im drit­ten Ab­satz auf Sei­te 17 ei­nes be­reits 300 Mal vor­ge­le­se­nen Buchs aus Ver­se­hen „Der Ha­se rann­te flott da­von“statt „Der Ha­se rann­te rasch da­von“über die Lip­pen ge­kom­men ist. Das wird so­fort ver­bes­sert, und zwar mit ei­nem Ge­sichts­aus­druck, wie ihn Mar­lon Bran­do im Pa­ten für Vir­gil Sol­loz­zo üb­rig hat (der spä­ter dann ja auch um­ge­pus­tet wird). Kin­der mer­ken sich nun mal al­les. Fast al­les. Und schon sind wir mit­ten­drin in ei­nem dunk­len Ka­pi­tel, das in sämt­li­chen Er­zie­hungs­ratge­bern tot­ge­schwie­gen wird. Denn es gibt ei­ne Sa­che, die sich Kin­der nicht mer­ken kön­nen: Wit­ze. Das hält sie aber lei­der nicht im Ent­fern­tes­ten da­von ab, die­se mit gro­ßer Be­geis­te­rung zu er­zäh­len. Das läuft dann in et­wa so ab: „Ei­ne Gi­raf­fe geht durch den Zoo und sagt: Hal­lo ihr Ze­bras. Pup­si.“Man ahnt schon, dass ele­men­ta­re Tei­le beim Er­zäh­len aus­ge­las­sen und ver­mut­lich der Ein­fach­heit hal­ber durch „Pup­si“er­setzt wur­den. Die Kür­ze die­ses Gag-Frag­ments steht da­bei im kras­sen Ge­gen­satz zur Er­zähl­dau­er, die sich we­gen zig­fa­chem Neu­be­ginn, wäh­rend auf ei­nem Lut­scher ge­kaut, die Kat­ze ge­strei­chelt und der Ap­fel­saft ver­schüt­tet wird, auf et­wa 20 Mi­nu­ten er­streckt. 20 Mi­nu­ten im Fe­ge­feu­er früh­kind­li­chen Hu­mors, aus dem es kein Ent­kom­men gibt. Die lo­gi­sche Re­ak­ti­on nach der Po­in­te – die kei­ne ist – wä­ren kla­re Wor­te: „Das soll ein Witz sein? Ein Witz ist lus­tig und bringt die Men­schen zum La­chen. Ich muss nicht la­chen. Al­so ist das kein Witz. Er­zähl so et­was nie wie­der.“Kann man nicht brin­gen, es sei denn, man möch­te ein Trau­ma her­vor­ru­fen. Was macht man al­so? Man kloppt sich auf die Schen­kel, schüt­telt sich vor La­chen und wird prompt be­lohnt: Das Kind er­zählt den Witz gleich noch mal.

Die­ser Er­folg für das Kind, ge­paart mit dem Fehl­ver­hal­ten der Zu­hö­rer, kann schlim­me Fol­gen ha­ben. Näm­lich dann, wenn Leu­te wie Ma­rio Barth, der un­ge­fähr so lus­tig ist wie Fuß­pilz, ei­nen schlech­ten Witz nach dem an­de­ren raus­hau­en, was das ob sei­ner Er­fah­run­gen mit dem Nach­wuchs total ver­un­si­cher­te Pu­bli­kum mit Ap­plaus wie doof gou­tiert. Es fol­gen RTL-Sen­dun­gen, Come­dy-Prei­se, aus­ver­kauf­te Tour­ne­en. Um die­se Spi­ra­le hin­ab in die Höl­le der Un­lus­tig­keit früh­zei­tig zu stop­pen, be­darf es wohl doch kla­rer Wor­te zum rich­ti­gen Zeit­punkt: „Wenn du wei­ter­hin sol­che Sa­chen sagst, wirst du en­den wie Ma­rio Barth!“Das soll­te sit­zen.

Kin­der, die Wit­ze er­zäh­len, kön­nen bei fal­schem Ver­hal­ten ih­rer Zu­hö­rer schnell vom rich­ti­gen Weg ab­kom­men. Schlimms­ten­falls en­den sie dann in ei­ner RTL-Sen­dung. Wie sich die­ses Schick­sal ab­wen­den lässt, das le­sen Sie hier.

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