Straf­an­zei­ge ge­gen ei­nen Saar-Ang­ler

Die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ta wirft dem Saar­brü­cker vor, er set­ze Fi­sche über län­ge­re Zeit Schmer­zen und To­des­angst aus. Ein an­ony­mer Hin­weis auf die Face­book­sei­te des Man­nes brach­te das Gan­ze ins Rol­len.

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN - VON FRANK KOH­LER

SAAR­BRÜ­CKEN. Die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ta hat ges­tern ei­nen Saar­brü­cker Ang­ler we­gen Ver­stö­ßen ge­gen das Tier­schutz­ge­setz an­ge­zeigt. Vi­de­os und Be­rich­te auf der Face­book­sei­te des Man­nes be­wei­sen nach An­sicht der Tier­schüt­zer, dass der lei­den­schaft­li­che Hob­by­ang­ler aus Saar­brü­cken „kei­ne sport­li­che Fair­ness ge­gen­über Fi­schen zeigt“. Re­gel­mä­ßig ma­che er Jagd auf Zan­der, Hech­te, Wel­se und Bar­sche, teil­te Pe­ta am Mon­tag mit.

Das heißt: Der Mann zieht die Tie­re aus dem Was­ser, po­siert mit sei­nem Fang für Fo­tos und Vi­de­os, bringt die Fi­sche zu­rück ins Was­ser und stellt die Ak­tio­nen ins In­ter­net. Das Ver­fah­ren heißt Catch and Re­lease, al­so Fan­gen und Frei­las­sen, und war ges­tern zu­nächst noch für je­den auf der Face­book­sei­te des Saar­brückers zu se­hen. Il­le­gal ist das, was der Mann tat und im In­ter­net zeig­te – auch im Saar­land – auf je­den Fall.

„Das ist ver­bo­ten im no­vel­lier­ten saar­län­di­schen Fi­sche­r­ei­ge­setz und gilt als Ord­nungs­wid­rig­keit. Die­ses Ge­setz soll das Tier­wohl und die waid­ge­rech­te Fi­sche­rei stär­ken. Catch and Re­lease ist aber nicht waid­ge­recht“, sag­te ges­tern die Spre­che­rin des saar­län­di­schen Um­welt­mi­nis­te­ri­ums, Sa­bi­ne Schorr.

Ge­fragt, wie die Or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ta über­haupt auf den Saar­brü­cker ge­kom­men war, ant­wor­te­te Tan­ja Br­ei­ning, Fach­re­fe­ren­tin für Fi­sche und Mee­res­tie­re: „Wir hat­ten ei­nen an­ony­men Hin­weis er­hal­ten auf die Face­book­sei­te des Man­nes. Dar­auf­hin er­stat­te­ten wir ges­tern per Fax und pos­ta­lisch An­zei­ge bei der Staats­an­walt­schaft Saar­brü­cken.“

Pe­ta ge­he mit An­zei­gen ge­gen das Fan­gen und Frei­las­sen vor, weil es den Tie­ren län­ger Schmer­zen zu­fü­ge, als das beim tra­di­tio­nel­len An­geln oh­ne­hin schon der Fall sei. „Denn dann wer­den die Fi­sche so­fort ge­tö­tet.“

Das Fan­gen und Frei­las­sen kommt of­fen­bar auch bei tra­di­tio­nel­len Pe­tri­jün­gern schlecht weg. „Wir er­hal­ten sehr vie­le Hin­wei­se von Ang­lern, die das nicht rich­tig fin­den“, sagt Br­ei­ning. Nach An­sicht der Tier­recht­le­rin hat der an­ge­zeig­te Saar­brü­cker Ang­ler nicht nur ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit be­gan­gen, son­dern sich so­gar ei­nes Ver­ge­hens schul­dig ge­macht. „Wir rech­nen mit ei­ner Geld­stra­fe.“Das Amts­ge­richt Lem­go ha­be am 31. März 2011 aus­drück­lich fest­ge­stellt, dass Fan­gen und Frei­las­sen ei­ne straf­ba­re Hand­lung sei. Die Ex­per­tin sagt, ei­nem Be­schluss des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts

Tan­ja Br­ei­ning, Müns­ter zu­fol­ge ver­sto­ße das An­gel-Ver­fah­ren ge­gen das Tier­schutz­ge­setz, näm­lich ge­gen Pa­ra­graph 1, Satz 2: „Nie­mand darf ei­nem Tier oh­ne ver­nünf­ti­gen Grund Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den zu­fü­gen.“

Be­schwer­den über die­se il­le­ga­le Form des An­gelns er­rei­chen Pe­ta nach Br­ei­nings An­ga­ben „ein- bis zwei­mal“im Mo­nat. Da­bei kä­men Hin­wei­se aus ganz Deutsch­land. Br­ei­ning: „Catch and Re­lease be­deu­tet für Fi­sche enor­men Stress und oft­mals Ver­let­zun­gen – vie­le der so trau­ma­ti­sier­ten Tie­re ster­ben in­fol­ge die­ser Tor­tur.“

Die Pe­ta-Ak­ti­vis­ten ver­an­schau­li­chen das Leid der Tie­re beim An­geln so: „Stel­len Sie sich vor, je­mand bohrt Ih­nen ei­nen Me­tall­ha­ken durch den Mund. Mit Ih­rem gan­zen Kör­per­ge­wicht an die­sem Ha­ken hän­gend, wer­den Sie in ei­ne für Sie frem­de At­mo­sphä­re ge­zo­gen, in der Sie nicht mehr at­men kön­nen.“Die Bio­lo­gin Lyn­ne Sned­don ha­be nach­ge­wie­sen, dass Fi­sche im Mund und am Kopf, ge­nau da, wo der An­gel­ha­ken das Ge­we­be durch­bohrt, vie­le Schmerz­emp­fän­ger ha­ben. Des­halb sei Pe­ta ge­ne­rell für ein Ver­bot des An­gel­sports.

Wer als Au­ßen­ste­hen­der die Face­book­sei­te des von Pe­ta an­ge­zeig­ten Ang­lers an­klick­te, er­fuhr am Nach­mit­tag dort nu : „Lei­der ist die­ser In­halt der­zeit nicht ver­füg­bar.“

Ei­ne er­be­te­ne Stel­lung­nah­me zu den Vor­wür­fen gab es bis zum Re­dak­ti­ons­schluss nicht.

„Wir rech­nen mit ei­ner Geld­stra­fe.“

(pum) Im Jahr 2015 wur­den im Saar­land 227 Kin­der von un­ter 20jäh­ri­gen Frau­en ge­bo­ren. Da­mit lag der An­teil der Kin­der von jun­gen Müt­tern im Saar­land im Ver­gleich der Bun­des­län­der mit drei Pro­zent fast an der Spit­ze. Ei­nen hö­he­ren An­teil wie­sen nur die Län­der Bre­men und Sach­sen-An­halt auf.

SYM­BOL­FO­TO: NIET­FELD/DPA

Auch Freun­den des tra­di­tio­nel­len An­gelns ist das Fan­gen von Fi­schen, nur um mit ih­nen zu po­sie­ren und sie wie­der aus­zu­set­zen, ein Dorn im Au­ge. Das Saar­land un­ter­sag­te das Fan­gen und Frei­las­sen An­fang 2017. Wer das Ver­bot miss­ach­tet, be­geht zu­min­dest ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit.

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