„Ver­such, das An­geln zu stig­ma­ti­sie­ren”

Der Fi­sche­rei­ver­band Saar sagt, die Or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ta schie­ße übers Ziel hin­aus. Der Ver­bands­prä­si­dent warnt da­vor, das Zu­rück­set­zen ge­an­gel­ter Fische grund­sätz­lich zur Straf­tat zu er­klä­ren.

Saarbruecker Zeitung - - REGIONALVERBAND - VON FRANK KOH­LER Prä­si­dent des Fi­sche­rei­ver­ban­des Saar, über die An­zei­ge der Or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ta

SAAR­BRÜ­CKEN Die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ta hat am Mon­tag, wie be­rich­tet, ei­nen Saar­brü­cker Ang­ler we­gen Ver­stö­ßen ge­gen das Tier­schutz­ge­setz an­ge­zeigt. Vi­de­os und Be­rich­te auf der Face­book­sei­te des Man­nes be­wei­sen nach An­sicht der Tier­schüt­zer, dass der Mann „kei­ne sport­li­che Fair­ness ge­gen­über Fi­schen zeigt“. Re­gel­mä­ßig ma­che er Jagd auf Zan­der, Hech­te, Wel­se und Bar­sche, teil­te Pe­ta mit. Das heißt: Der Mann zieht die Tie­re aus dem Was­ser, po­siert da­mit für Fo­tos und Vi­de­os, bringt die Fische zu­rück ins Was­ser und zeigt das Gan­ze im In­ter­net. Die­ses „Catch and Re­lease“, al­so Fan­gen und Frei­las­sen, war am Mon­tag zu­nächst noch für je­den auf der Face­book­sei­te des Saar­brückers zu se­hen.

Wer sie spä­ter als Au­ßen­ste­hen­der an­klick­te, er­fuhr: „Lei­der ist die­ser In­halt der­zeit nicht ver­füg­bar.“Ei­ne er­be­te­ne Stel­lung­nah­me zu den Vor­wür­fen gab der Ang­ler bis­lang nicht ab.

Catch and Re­lease sei nicht waid­ge­recht, sag­te die Spre­che­rin des Um­welt­mi­nis­te­ri­ums, Sa­bi­ne Schorr, auf SZ-An­fra­ge. Das Ver­fah­ren sei im no­vel­lier­ten saar­län­di­schen Fi­sche­r­ei­ge­setz ver­bo­ten und ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit.

Dar­auf­hin hat sich der Prä­si­dent des Fi­sche­rei­ver­ban­des Saar, Andre­as Schnei­der­löch­ner, ge­mel­det. Er wirft Pe­ta vor, die Or­ga­ni­sa­ti­on ver­su­che „mit al­len Mit­teln, das An­geln zu stig­ma­ti­sie­ren“.

Im Saar­land sei dies spä­tes­tens seit der Auf­for­de­rung von Pe­ta an die Lei­tung der Ge­mein­schafts­schu­le Mett­lach-Or­scholz be­kannt, die dort seit 15 Jah­ren be­trie­be­ne An­gel-Ar­beits­ge­mein­schaft ein­zu­stel­len. Auch jetzt schie­ße Pe­ta weit über das Ziel hin­aus, wenn das Zu­rück­set­zen ge­an­gel­ter Fische grund­sätz­lich zum straf­ba­ren Ver­ge­hen er­klärt wer­de.

Zu Recht wei­se die Spre­che­rin des Um­welt­mi­nis­te­ri­ums dar­auf hin, dass nach dem no­vel­lier­ten saar­län­di­schen Fi­sche­r­ei­ge­setz al­len­falls ei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit in Fra­ge kom­me.

Das brin­ge klar zum Aus­druck, dass das Um­welt­mi­nis­te­ri­um sich wie der Fi­sche­rei­ver­band Saar „aus­drück­lich ge­gen ein nicht waid­ge­rech­tes Ver­hal­ten von ein­zel­nen Ang­lern

Andre­as Schnei­der­löch­ner, aus­spricht“. Die vor­lie­gen­de „me­di­en­wirk­sam in­sze­nier­te An­zei­ge“durch Pe­ta sei aber „Be­stand­teil ei­ner ent­mün­di­gen­den Ve­ga­ne­ri­deo­lo­gie“.

Die „se­lek­ti­ve Ent­nah­me von Fi­schen“ist nach Schnei­der­löch­ners Wor­ten ein Kern­prin­zip des „Catch-and-Re­lease-Kon­zep­tes“. So kön­ne da­bei nicht per se von ei­ner nicht waid­ge­rech­ten An­gel­me­tho­de ge­spro­chen wer­den.

Ein Jä­ger ent­schei­de, ob er ei­nen wert­vol­len Erb­gut-Trä­ger im Re­vier nicht lie­ber schont. Eben­so müs­se es auch ei­nem Ang­ler, der ei­nen 90-Zen­ti­me­ter-Hecht ge­fan­gen hat, über­las­sen blei­ben, ob er die­sen wert­vol­len Gen-Trä­ger ins Was­ser zu­rück­führt, wenn er ei­gent­lich ei­nen Zan­der für die Kü­che be­nö­tigt.

An ei­ner wei­te­ren Stel­le wi­der­spricht der Ver­bands­prä­si­dent der Pe­ta-Darstel­lung. Die Or­ga­ni­sa­ti­on be­ruft sich bei ih­rer Kri­tik so­wohl am An­geln als auch am Fan­gen und Frei­las­sen auf die Bio­lo­gin Lyn­ne Sned­don. Sie sagt, dass Fische genau dort vie­le Schmerz­emp­fän­ger ha­ben, wo der An­gel­ha­ken das Ge­we­be durch­bohrt.

Der Ver­bands­prä­si­dent sagt, man­gels „wis­sen­schaft­li­chen Nach­wei­ses des Schmerz­emp­fin­dens re­spek­ti­ve der Lei­dens­fä­hig­keit bei Fi­schen“ent­fal­le ei­ne Straf­bar­keit. Schnei­der­löch­ner zu­fol­ge ruft das ei­gent­li­che „Catch and Re­lease kei­ne län­ger an­hal­ten­den er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen beim Fisch“her­vor.

„Be­stand­teil ei­ner ent­mün­di­gen­den Ve­ga­ne­ri­deo­lo­gie.“

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