Ex­per­te: Hö­he­re Stra­fen hel­fen kaum ge­gen An­grif­fe auf Po­li­zei

Saarbruecker Zeitung - - Landespolitik - VON DA­NI­EL KIRCH Pro­duk­ti­on die­ser Sei­te: Patri­cia Hei­ne, Bar­ba­ra Sche­rer Da­ni­el Kirch

SAAR­BRÜ­CKEN Ei­ne Er­hö­hung des Straf­ma­ßes für An­grif­fe auf Po­li­zei­be­am­te, wie sie Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) der­zeit plant, wird po­ten­zi­el­le Ag­gres­so­ren nach An­sicht des Trie­rer Kon­flikt- und Ge­walt­for­schers Ro­land Eckert kaum ab­schre­cken. „Vie­le Ge­walt­si­tua­tio­nen wer­den von star­ken Af­fek­ten be­glei­tet“, sag­te der eme­ri­tier­te So­zio­lo­giePro­fes­sor der Saar­brü­cker Zei­tung im Vor­feld ei­ner Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung über das The­ma in Saar­brü­cken. „Bei Fa­mi­li­en­kon­flik­ten, bei al­ko­hol­ge­trie­be­nen Wirts­haus­schlä­ge­rei­en, bei Mas­sen­sze­nen in und um Fuß­ball­sta­di­en, bei Re­vier­kämp­fen ver­fein­de­ter Ju­gend-Cli­quen und erst recht bei den Aus­ein­an­der­set­zun­gen von Glau­bens­ge­mein­schaf­ten ist die si­tua­ti­ve Sti­mu­la­ti­on der Ak­teu­re so hoch, dass mög­li­che Sank­tio­nen we­nig Ein­druck ma­chen, selbst wenn sie be­kannt sein soll­ten.“

Für die Ab­schre­ckung sei lang­fris­tig viel wich­ti­ger, dass für Tä­ter die Wahr­schein­lich­keit zu­nimmt, über­haupt iden­ti­fi­ziert und schließ­lich ab­ge­ur­teilt zu wer­den. Die­se Wahr­schein­lich­keit aber hän­ge von ver­füg­ba­ren Ein­satz­kräf­ten, Be­weis­mit­teln und dem Per­so­nal für die Fahn­dung ab. Für das An­se­hen des Recht­staa­tes sei auch we­ni­ger die Hö­he der Straf­dro­hung ent­schei­dend als die ver­läss­li­che Ver­ar­bei­tung von De­lik­ten durch die Jus­tiz, sag­te Eckert. Als Ge­fahr sieht er hier die Spar­maß­nah­men der Bun­des­län­der im Ge­fol­ge der Schul­den­brem­se. „Wenn ei­ne neue Rechts­la­ge da­zu mo­ti­vie­ren wür­de, ver­mehrt An­zei­gen zu stel­len, zu­sätz­li­che Per­so­nal­res­sour­cen aber nicht zur Ver­fü­gung ste­hen, dürf­te der Stau bei den Staats­an­walt­schaf­ten wei­ter an­wach­sen und den An­reiz ver­stär­ken, Er­mitt­lun­gen ein­zu­stel­len“, so Eckert. „Dar­un­ter wür­de die Glaub­wür­dig­keit der Straf­ver­fol­gung lei­den – und der Frust bei den Po­li­zei­be­am­ten wei­ter zu­neh­men.“............................................. Ro­land Eckert

dis­ku­tiert am Frei­tag um 19 Uhr in der Bel Eta­ge in Saar­brü­cken bei der Jun­gen Grup­pe der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP) mit Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD), Mi­nis­ter­prä­si­den­tin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (CDU), Lan­des­po­li­zei­prä­si­dent Nor­bert Rupp und GdP-Lan­des­chef Ralf Por­zel.

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