Saar-Pro­fes­sor weist „Luft­num­mer“nach

Der Pen­si­ons­fonds in Rhein­land-Pfalz ist ver­fas­sungs­wid­rig. Chris­toph Gröpl hat das Ur­teil erstrit­ten.

Saarbruecker Zeitung - - Landespolitik/Region - VON DA­NI­EL KIRCH

SAAR­BRÜ­CKEN/KO­BLENZ/MAINZ Die rhein­land-pfäl­zi­sche Lan­des­re­gie­rung aus SPD, Grü­nen und FDP hat seit ver­gan­ge­ner Wo­che ein di­ckes Pro­blem. Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof (VGH) in Ko­blenz hat den Pen­si­ons­fonds für Lan­des­be­am­te und mit ihm auch den Dop­pel­haus­halt 2014/2015 teil­wei­se für ver­fas­sungs­wid­rig und nich­tig er­klärt (Az. VGH N 2/15). Erstrit­ten hat das Ur­teil ein Pro­fes­sor aus dem Saar­land: Chris­toph Gröpl, In­ha­ber des Lehr­stuhls für Staats­und Ver­wal­tungs­recht, deut­sches und eu­ro­päi­sches Fi­nanz- und Steu­er­recht an der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des.

Gröpl war in dem Ver­fah­ren vor dem VGH, das sich über zwei Jah­re hin­zog, Ver­fah­rens be­voll­mäch­tig­ter der CDU-Frak­ti­on im Mainz er Land­tag. Die Frak­ti­on un­ter ih­rer Vor­sit­zen­den Ju­lia Klöck­ner war in dem Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren An­trag­stel­le­rin. Der ge­bür­ti­ge Bay­er, der seit dem Jahr 2003 in Saar­brü­cken lehrt, hat­te be­reits 2011 und 2013 als Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter der Op­po­si­ti­on im Land­tag von Nord­rhein-West­fa­len er­reicht, dass der dor­ti­ge Ver­fas­sungs­ge­richts­hof zwei Haus­halts­ge­set­ze für nich­tig er­klär­te.

Weil auf die Bun­des­län­der im­men­se Pen­si­ons­las­ten zu­kom­men, sam­mel­te Rhein­land-Pfalz seit 1996 zu­nächst mit Ein­spa­run­gen Geld für spä­te­re Pen­sio­nen in ei­nem neu­en Fonds an. 2006 drang der da­ma­li­ge Fi­nanz­mi­nis­ter In­golf Deu­bel (SPD) auf die Um­wand­lung der Zu­füh­run­gen in Dar­le­hen. Mitt­ler­wei­le um­fasst der Fonds auf dem Pa­pier rund fünf Mil­li­ar­den Eu­ro. Aber: „Der Pen­si­ons­fonds lieh das Geld, das er vom Land er­hielt, so­fort und ganz über­wie­gend wie­der an das Land zu­rück, und zwar in Form von Schuld­schei­nen“, er­klärt Gröpl. Da­mit sei der Pen­si­ons­fonds ei­ne „Luft­num­mer“, er hel­fe bei der Fi­nan­zie­rung der Pen­sio­nen über­haupt nicht wei­ter. „Und es ist noch schlim­mer“, sagt Gröpl: „Die Kon­struk­ti­on des Pen­si­ons­fonds er­mög­lich­te es dem Land Rhein­land-Pfalz, un­zu­läs­si­ger wei­se die Staats­ver­schul­dung zu er­hö­hen und da­mit die Schul­den­brem­se zu um­ge­hen.“

Ver­fah­rens be­voll­mäch­tig­ter in ei­nem Ver­fas­sungs­streit ver­fah­ren zu sein, bei dem es um fünf Mil­li­ar­den Eu­ro ge­he, sei „kei­ne All­tags­an­ge­le­gen­heit“, sag­te Gröpl. In dem Ver­fah­ren sei­en je­weils Schrift­sät­ze von 60 bis 70 Sei­ten aus­ge­tauscht wor­den. Al­lein das Ur­teil um­fas­se 57 Sei­ten. Sei­ne Be­nen­nung als Ver­fah­rens be­voll­mäch­tig­te rund das sieg­rei­che Ur­teil fass­tGröpl als„ Kom­pli­ment für das ho­he Ni­veau der Rechts­wis­sen­schaft an der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des“auf.

Fi­nanz­mi­nis­te­rin Do­ris Ah­nen (SPD) will die Al­ters­ver­sor­gung für die Be­am­ten nun neu re­geln. In der lan­ge um­strit­te­nen Fra­ge ge­be es nun Rechts­si­cher­heit. „Mei­ne Auf­ga­be ist es jetzt, die nö­ti­gen Kon­se­quen­zen aus dem Ur­teil zu zie­hen“, sag­te sie. Klar sei, dass es in Zu­kunft stei­gen­de Ver­sor­gung s aus­ga­ben ge­be, wor­auf sich das Land vor­be­rei­ten müs­se.

FO­TO: OLI­VER DIETZE

Uni-Pro­fes­sor Chris­toph Gröpl

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