Ho­he Geld­stra­fen für Saar-Par­tei­en

Vor der Land­tags­wahl 2009 wur­den Frak­ti­ons­mit­tel für Par­teiz­we­cke ein­ge­setzt.

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - Pro­duk­ti­on die­ser Sei­te: Ute Kirch, Jas­min Kohl Diet­mar Klos­ter­mann

We­gen Ver­stö­ßen ge­gen das Par­tei­en­gesetz aus dem Jahr 2009 müs­sen CDU, SPD, Grü­ne und FDP teils ho­he Geld­stra­fen zah­len. Aus Sicht der Bun­des­tags­ver­wal­tung hat­ten sie kurz vor der Land­tags­wahl Frak­ti­ons­gel­der für Par­tei­ar­beit aus­ge­ge­ben. Das ist ver­bo­ten.

(kir) Für rechts­wid­ri­ge Vor­gän­ge aus dem Jahr 2009 wer­den CDU, SPD, Grü­ne und FDP nun zur Kas­se ge­be­ten. Aus Sicht der Bun­des­tags­ver­wal­tung, die über die Ein­hal­tung des Par­tei­en­rechts wacht, ha­ben die steu­er­fi­nan­zier­ten Land­tags­frak­tio­nen da­mals kurz vor der Land­tags­wahl Par­tei­ar­beit be­trie­ben. Das ist un­zu­läs­sig.

Grund­la­ge für die Ent­schei­dung der Bun­des­tags­ver­wal­tung ist ein Rech­nungs­hof­be­richt aus dem ver­gan­ge­nen Jahr, der das Fi­nanz­ge­ba­ren der Frak­tio­nen zwi­schen 2004 und 2009 un­ter die Lu­pe nahm (die SZ be­rich­te­te). Die Frak­tio­nen hat­ten der Lan­des­kas­se im ver­gan­ge­nen Jahr be­reits 325 000 Eu­ro zu­rück­er­stat­tet. Für Frak­ti­ons­aus­ga­ben, die ei­ne un­zu­läs­si­ge Par­tei­en­fi­nan­zie­rung dar­stel­len, wur­den nun Straf­zah­lun­gen ver­hängt – in der Re­gel das Drei­fa­che der rechts­wid­ri­gen Aus­ga­ben.

Die höchs­te Stra­fe ent­fällt auf die Grü­nen: Sie müs­sen 116 000 Eu­ro zah­len – we­gen ei­ner Bro­schü­re, die die Grü­nen-Frak­ti­on zehn Ta­ge vor der Land­tags­wahl 2009 an al­le Haus­hal­te ver­tei­len ließ. Der Rech­nungs­hof hat­te die­se Bi­lanz der Land­tags­ar­beit, die 41 614 Eu­ro kos­te­te, in­halt­lich zwar nicht be­an­stan­det; we­gen des Er­schei­nungs­ter­mins stuf­te er den Be­richt al­ler­dings nicht mehr als le­gi­ti­me Öf­fent­lich­keits­ar­beit ein.

Die Frist vor Land­tags­wah­len sei der Grü­nen-Frak­ti­on da­mals nicht be­kannt ge­we­sen, sagt Grü­nen-Lan­des­chef Mar­kus Tres­sel. Vier Wo­chen frü­her wä­re die Bro­schü­re nicht an­greif­bar ge­we­sen. Für die Straf­zah­lung ha­be man Rück­la­gen ge­bil­det. Auch bei der SPD geht es um ei­ne Bro­schü­re, die von der Land­tags­frak­ti­on et­wa sechs Wo­chen vor der Land­tags­wahl ver­brei­tet wur­de, so­wie um ein­zel­ne Ver­an­stal­tun­gen. In der Bro­schü­re wur­de ei­ne ne­ga­ti­ve Bi­lanz der CDU-Re­gie­rung von 1999 bis 2009 ge­zo­gen und mit den ei­ge­nen Plä­nen kon­tras­tiert. Für den Rech­nungs­hof war da­mit die Gren­ze zu­läs­si­ger Öf­fent­lich­keits­ar­beit über­schrit­ten. Da­für muss die SPD nun 38 000 Eu­ro Stra­fe zah­len. „Die SPD Saar re­spek­tiert das Prü­fungs­er­geb­nis des Deut­schen Bun­des­ta­ges und wird ihm Fol­ge leis­ten“, er­klär­te SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Pe­tra Berg. Un­ab­hän­gig da­von ha­be die SPD-Frak­ti­on be­reits 2016 Maß­nah­men er­grif­fen, um sol­che Vor­gän­ge in Zu­kunft zu ver­hin­dern.

Die CDU muss 22 500 Eu­ro we­gen ei­nes Wirt­schafts­fo­rums zah­len, bei dem zwei Wo­chen vor der Land­tags­wahl der da­ma­li­ge Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg (CSU) auf­trat. Die CDU wand­te ein, die 15 000 Eu­ro teu­re Ver­an­stal­tung ha­be der Darstel­lung wirt­schafts­po­li­ti­scher Leit­li­ni­en der Frak­ti­on ge­dient, sei kei­ne Wahl­kampf-Kund­ge­bung ge­we­sen. Laut CDU setz­te die Bun­des­tags­ver­wal­tung zur Straf­be­mes­sung statt der 15 000 Eu­ro nur die Hälf­te an, wor­aus sich ei­ne Stra­fe von 22 500 Eu­ro er­gibt. Man wer­de in Zu­kunft die Rechts­auf­fas­sung der Bun­des­tags­ver­wal­tung ein­hal­ten, wird ver­si­chert. Von der FDP for­dert die Bun­des­tags­ver­wal­tung rund 2000 Eu­ro zu­rück, weil ein Prak­ti­kant der Frak­ti­on vor der Land­tags­wahl 2009 Par­tei­ar­beit ge­macht ha­ben soll.

Für ei­ne Bro­schü­re kurz vor der Wahl sind 116 000 Eu­ro Stra­fe fäl­lig.

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