Mi­li­tär rie­gelt Par­la­ment in Ca­ra­cas ab

Saarbruecker Zeitung - - POLITIK -

(dpa) In Ve­ne­zue­la scheint das de­mo­kra­tisch ge­wähl­te Par­la­ment end­gül­tig ent­mach­tet. Mi­li­tär­ein­hei­ten rie­gel­ten am Di­ens­tag das Ge­bäu­de ab und ver­wei­ger­ten Ab­ge­ord­ne­ten den Zu­gang. An­schlie­ßend kam die von Staats­chef Ni­colás Ma­du­ro in­iti­ier­te neue Ver­fas­sungs­ge­ben­de Ver­samm­lung in dem Saal zu ei­ner Sit­zung zu­sam­men, in dem bis­her das von der Op­po­si­ti­on do­mi­nier­te Par­la­ment tag­te. Zu­vor hat­te die neue Ver­samm­lung zwar in dem Ge­bäu­de ge­tagt, aber in ei­nem an­de­ren Saal. Der Vi­ze­prä­si­dent des Par­la­ments, Fred­dy Gue­va­ra, äu­ßer­te die Sor­ge, dass das Land vor ei­ner „har­ten Dik­ta­tur“ste­he.

Ab­ge­ord­ne­te be­rich­te­ten, das sich Sol­da­ten in der Nacht Zu­tritt zu den bis­he­ri­gen Rä­um­lich­kei­ten des Par­la­ments ver­schafft hät­ten, da­mit die Sit­zung der Ver­fas­sungs­ver­samm­lung vor­be­rei­tet wer­den konn­te. Sie hat als über­ge­ord­ne­tes Staats­or­gan das Par­la­ment de fac­to ent­mach­tet. Ma­du­ro preist das Gre­mi­um als „Volks­ver­samm­lung“, doch dar­in sit­zen fast nur li­ni­en­treue Re­gie­rungs­an­hän­ger, auch sei­ne Frau und sein Sohn. Die Wahl der 545 Mit­glie­der war von Be­trugs­vor­wür­fen und ei­nem Boy­kott der Op­po­si­ti­on über­schat­tet. Noch am Mon­tag tag­te das re­gu­lä­re Par­la­ment in dem Ge­bäu­de. Es erkennt Ent­schei­dun­gen der den So­zia­lis­ten do­mi­nier­ten Ver­samm­lung nicht an.

Die UN er­hob un­ter­des­sen schwe­re Ge­walt- und Fol­ter­vor­wür­fe ge­gen die Re­gie­rung von Ma­du­ro. Bei den Pro­tes­ten sei es zu un­ver­hält­nis­mä­ßi­ger, sys­te­ma­ti­scher Ge­walt ge­gen De­mons­tran­ten ge­kom­men. Ex­per­ten hät­ten will­kür­li­che Ver­haf­tun­gen, Fol­ter und ge­walt­tä­ti­ge Haus­durch­su­chun­gen fest­ge­stellt.

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