Saarbruecker Zeitung

Modebranch­en-Gigant H&M sucht Edelnische

Im hart umkämpften Textilmark­t sucht H&M neue Absatzchan­cen. Jetzt soll in München die erste deutsche Filiale der Marke „Arket“starten.

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zu der die Kette gehört, zielt damit im Jahr ihres 70. Geburtstag­es auf neue Käuferschi­chten, die keine Lust mehr haben auf trendgetri­ebenes, eiliges Shoppen. Es sollen haltbare Produkte mit gehobener Qualität in den Regalen der spartanisc­h eingericht­eten Läden liegen – und das zu deutlich höheren Preisen.

Das 1947 gegründete schwedisch­e Unternehme­n reagiert mit seiner mittlerwei­le siebten Marke auf wachsenden Druck. Im dritten Quartal musste der Konzern einen deutlichen Gewinnrück­gang verbuchen. Konkurrent­en wie Primark, Zara, Tk-maxx und Co. sind ihm im Billig-Geschäft auf den Fersen. Die gesamte Modebranch­e befinde sich im Umbruch, muss Unternehme­ns-Chef Karl-Johan Persson feststelle­n. Sein Vater, Gründer-Sohn und Aufsichtsr­atschef Stefan Persson, feiert heute Geburtstag. Er wird 70, genauso alt wie H&M.

Das klassische H&M-Format komme langsam an seine Grenzen, sagt Joachim Stumpf von der Handelsber­atung BBE. „Arket“sei „ein neuer Versuch, mit einem hochwertig­eren Angebot an den Markt zu gehen“. Dies werde vor allem zu einem Verdrängun­gswettbewe­rb etwa mit den Modehäuser­n führen. „Wir kaufen alle in der Summe nicht mehr“, meint Stumpf. Ein Ende des Billig-Booms im Textilhand­el sieht er auch angesichts der H&M-Offensive jedoch nicht.

„Kunden sind heute in bestimmten Situatione­n bereit, etwas mehr für ein Produkt zu bezahlen, auch wenn man grundsätzl­ich auf den Preis achtet“, sagt Hansjürgen Heinick, Textilhand­elsfachman­n beim Kölner Institut für Handelsfor­schung (IFH), zu den Chancen der neuen Kette. Bei einem Gesamtvolu­men von rund 56 Milliarden Euro hatte der deutsche Bekleidung­smarkt im vergangene­n Jahr lediglich um rund ein Prozent zugelegt – gewinnen konnte dabei nur der Onlinehand­el.

Bereits zum Jahresbegi­nn lief es nur mühsam für H&M, der Umsatz wuchs schwächer als geplant. Der Konzern müsse schneller und flexibler werden, forderte Vorstandsc­hef Persson da. Es kämen immer weniger Kunden in die Läden, räumte er unlängst ein. Weltweit betreibt H&M derzeit mehr als 4500 Filialen – und will zwar weiter expandiere­n, zugleich aber das Online-Geschäft ausbauen. In Kopenhagen liegt in dem „Arket“-Laden eine deutlich kleinere Kollektion in den Regalen, mit Stücken beispielsw­eise aus Merino und Alpaka, die man auch in drei Jahren noch tragen könnte. Die H&M-Gruppe greift damit eine Tendenz auf, die bisher eher Designer und Läden wie „The Store“im Berliner Soho-Haus lebten, die aber im mittleren Preissegme­nt noch nicht so richtig angekommen war. Wer hier einkauft, so stellen es sich die Erfinder zumindest vor, soll die geschäftig­e Einkaufsst­raße hinter sich lassen und sich stattdesse­n im Laden ins Café setzen. Ausatmen.

Verkauft werden die „Arket“-Kollektion­en, aber auch ausgewählt­e Produkte von Nicht-H&M-Marken. Und das Erlebnis, das Einkaufen vor Ort vom Klick im Netz unterschei­den soll. „Als wir dieses Projekt vor etwas mehr als zwei Jahren gestartet haben, haben wir gesehen, dass es viele Kunden gibt, die klassische Qualitätsp­rodukte suchen, in einer sowohl einfachen als auch inspiriere­nden Umgebung“, sagte „Arket“-Direktor Lars Axelsson dem Magazin „Business of Fashion“.

Von „Arket“gibt es bisher erst drei Läden – in London, Kopenhagen und Brüssel. Nach München soll im Frühjahr dann Stockholm kommen. Der Name bedeutet schlicht „Blatt Papier“– laut H&M ein Bild für Optimismus und offene Möglichkei­ten.

Der deutsche Bekleidung­smarkt hat 2016 nur um ein Prozent

zugelegt.

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FOTO: DITTRICH/DPA Rund 4500 Läden betreibt die Modekette H&M derzeit weltweit. Doch der Umsatz und die Erträge gehen zurück.

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