Kom­mu­ne muss Straf­tä­ter auf­neh­men

Saarbruecker Zeitung - - Erste seite - Pro­duk­ti­on die­ser Sei­te: Frau­ke Scholl Ste­pha­nie Schwarz

KOBLENZ (dpa) Die Ge­mein­de Haß­loch muss ge­gen ih­ren Wil­len ei­nen straf­fäl­li­gen Asyl­be­wer­ber auf­neh­men. Das hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schie­den. Es geht um ei­nen Mann, der we­gen meh­re­rer Se­xu­al­de­lik­te ei­ne drei­jäh­ri­ge Haft­stra­fe ver­büßt hat und als be­son­ders ag­gres­siv gilt.

KOBLENZ (afp) Städ­te und Ge­mein­den müs­sen die Zu­wei­sung auch straf­fäl­lig ge­wor­de­ner Asyl­be­wer­ber ak­zep­tie­ren. Selbst dann, wenn der Be­tref­fen­de nach ei­ner Haft­stra­fe noch als rück­fall­ge­fähr­det gilt, wie das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Koblenz in ei­nem ges­tern ver­öf­fent­lich­ten Be­schluss ent­schied. Das kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tungs­recht wer­de da­durch nicht ver­letzt. In dem Fall, über den das Ge­richt ent­schied, hat­te der Land­kreis Bad Dürk­heim der Ge­mein­de Haß­loch ei­nen Asyl­be­wer­ber zu­ge­wie­sen, der ei­ne drei­jäh­ri­ge Haft­stra­fe we­gen Se­xu­al­de­lik­ten ab­ge­ses­sen hat­te. Der Mann un­ter­liegt ei­nem Über­wa­chungs­pro­gramm des Lan­des Rhein­land-Pfalz und ei­ner ge­richt­lich an­ge­ord­ne­ten Be­treu­ung. Ein Gut­ach­ter emp­fahl die Un­ter­brin­gung in ei­ner Män­ner­w­ohn­grup­pe so­wie die Ein­nah­me von Me­di­ka­men­ten ge­gen sei­ne Psy­cho­se.

Mit ei­nem ge­richt­li­chen Eil­an­trag wand­te sich die 20 000-Ein­woh­ner-Ge­mein­de Haß­loch ge­gen die Zu­wei­sung. Sie be­rief sich auf ihr kom­mu­na­les Selbst­ver­wal­tungs­recht und mein­te, zum Schutz ih­rer Ein­woh­ner ste­he ihr ein Ab­wehr­recht zu. Das Ge­richt folg­te dem nicht. Die Ge­mein­de kön­ne nur ei­ge­ne Rech­te gel­tend ma­chen, nicht aber mög­li­che Ge­mein­wohl­be­lan­ge der Bür­ger. Der Mann kön­ne über­dies nicht in der Lan­des­auf­nah­me­stel­le un­ter­ge­bracht wer­den, da sein Asyl­an­trag be­reits ab­ge­lehnt wor­den sei. Auch nicht in Bad Dürk­heim, weil dort schon an­de­re „Pro­blem­fäl­le“un­ter­ge­bracht sei­en.

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