Al­les nur Po­le­mik?

Saarbruecker Zeitung - - Themen des tages -

Der eit­le Mo­de­zar kann es nicht las­sen: Von Zeit zu Zeit lässt er der schar­fen Zun­ge frei­en Lauf. Jüngs­tes Bei­spiel sind die kras­sen Äu­ße­run­gen zur deut­schen Flücht­lings­po­li­tik an die Adres­se der Kanz­le­rin. Po­le­misch, pro­vo­ka­tiv, über­spitzt sind La­ger­felds Äu­ße­run­gen, kei­ne Fra­ge. Be­die­nen sie rech­tes Ge­dan­ken­gut? Das lässt sich schnell be­haup­ten. Doch wer sich al­lein dar­an fest­hält, ver­schließt die Au­gen vor ei­nem vi­ru­len­ten Pro­blem, das zwi­schen den Zei­len sei­ner streit­ba­ren Wor­te durch­scheint: Der An­ti­se­mi­tis­mus ist in Deutsch­land längst nicht nur im rech­ten La­ger zu ver­or­ten. Und in ei­nem Groß­teil der mus­li­mi­schen Welt ge­hört er zum All­tag – selbst­ver­ständ­lich, un­ver­hoh­len, dras­tisch. Als sol­cher wird er von Tei­len der Mi­gran­ten auch in Deutsch­land ge­lebt. Die Ängs­te vie­ler Ju­den sind be­grün­det – Er­fah­rungs­wer­te gibt es ge­nug. Ist es die Angst vor Ras­sis­mus-Vor­wür­fen oder falsch ver­stan­de­ne To­le­ranz, dass dar­über oft kühl hin­weg­ge­se­hen wird? Nein, An­ti­se­mi­tis­mus darf nicht ta­bui­siert wer­den. Nie­mals. Völ­lig egal, wo­her er kommt.

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