Ver­tu­schung im gro­ßen Rah­men

Der Thril­ler „Göt­ter in Weiß“han­delt von ei­ner Ärz­tin, die ei­nen Skan­dal auf­de­cken will.

Saarbruecker Zeitung - - Fernsehen -

SAAR­BRÜ­CKEN (ry) An­na (Clau­dia Mi­chel­sen) ist Chir­ur­gin und ar­bei­tet so wie ihr Ehe­mann Gun­nar ( Jan Mes­su­tat) am Kli­ni­kum ei­ner Kle­in­stadt an der Meck­len­bur­gi­schen Se­en­plat­te. Hier ha­ben sie sich mit ih­rem ge­mein­sa­men Sohn ein schö­nes Le­ben auf­ge­baut. Aus ih­rem ge­wohn­ten Trott wird An­na jäh her­aus­ge­ris­sen, als die klei­ne Leah (Hed­da Er­le­bach) nach ei­ner Rou­ti­ne­ope­ra­ti­on plötz­lich ei­nen all­er­gi­schen Schock er­lei­det. Aus­lö­ser war ein An­ti­bio­ti­kum, das die Ärz­tin je­doch gar nicht ge­ge­ben hat. Ein me­di­zi­ni­sches Rät­sel für An­na, bis sie her­aus­fin­det, dass die Kli­nik ein mas­si­ves Hy­gie­ne­pro­blem hat. Je mehr un­an­ge­neh­me Wahr­hei­ten sie auf­deckt, des­to stär­ker wird sie an­ge­fein­det. An­na steht vor Ge­wis­sens­ent­schei­dun­gen, die al­les zu Fall brin­gen könn­ten, was sie sich auf­ge­baut hat.

El­mar Fi­scher („Un­term Ra­dar“) rückt in sei­nem fes­seln­den Werk ei­ne Ärz­tin in den Mit­tel­punkt, die ei­nem Hy­gie­ne­pro­blem in ih­rer Kli­nik auf die Spur kommt. Die Prot­ago­nis­tin wird von Clau­dia Mi­chel­sen („Ku’damm 56“) ge­spielt, von der Fi­scher be­geis­tert war. „Ob­wohl sie die Din­ge beim Spie­len sehr re­du­ziert an­geht, ent­fal­tet sie ei­ne wahn­sin­nig in­ten­si­ve Wir­kung. Das ist si­cher­lich ihr Mar­ken­zei­chen. Wie sie die Sze­nen durch­dringt, ist für mich die ho­he Kunst. Es ist un­ser zwei­ter ge­mein­sa­mer Film. Nie ha­be ich er­lebt, dass sie in ir­gend­ei­ner Form ‚over­ac­ten‘ wür­de. Sie ist im­mer glaub­wür­dig. Man geht mit ihr mit, man glaubt an sie. Sie trägt die­sen Film und sei­nen Span­nungs­bo­gen auf ih­ren Schul­tern.“Mi­chel­sen selbst be­zeich­net die Ar­beit mit Fi­scher als „wun­der­bar“und spricht von ei­ner ih­rer „schöns­ten Ar­bei­ten der letz­ten Jah­re“.

Im Zen­trum des Films steht ein Keim, der ei­ne Ge­fahr für die Pa­ti­en­ten der Kli­nik dar­stellt. In Deutsch­land gibt es auf­grund sol­cher Kei­me je­des Jahr Zehn­tau­sen­de To­te. Doch wie­so ist die­ses Pro­blem so schwer zu kon­trol­lie­ren? „Ich ha­be bei der Re­cher­che mit Fach­leu­ten ge­spro­chen, Zei­tungs­ar­ti­kel über Hy­gie­ne-Skan­da­le ge­le­sen und Kran­ken­häu­ser be­sucht. Es man­gelt nicht an Pro­blem­be­wusst­sein, im Ge­gen­teil: Die meis­ten Ärz­te ha­ben ei­ne kla­re Vor­stel­lung da­von, wie die Ge­fah­ren zu be­sei­ti­gen sind. Was fehlt, ist das nö­ti­ge Geld, um die Stan­dards an­zu­he­ben und die Ri­si­ken auf ein Mi­ni­mum zu re­du­zie­ren. Im Film sagt un­ser Chef­arzt Dr. Bar­na: ,Ich kann das Kran­ken­haus nicht mehr hal­ten, wir müs­sen schlie­ßen.‘ Leu­te wie Bar­na müs­sen heu­te auch die Zah­len und Bi­lan­zen ei­ner Kli­nik im Blick ha­ben. [...] Un­be­strit­ten geht er fal­sche Ri­si­ken ein und bringt sei­ne Pa­ti­en­ten in Ge­fahr, aber sei­ne Aus­gangs­po­si­ti­on ist erst ein­mal ver­trackt.“

Göt­ter in Weiß, 20.15 Uhr, ARD

FOTO: NDR/VOL­KER RO­LOFF

Dr. An­na Hell­berg (Clau­dia Mi­chel­sen) fragt sich, wie ein An­ti­bio­ti­kum in den Kör­per der klei­nen Leah ge­lan­gen konn­te, ob­wohl sie ihr gar kein Mit­tel ge­spritzt hat. Ih­re Nach­for­schun­gen sto­ßen auf tau­be Oh­ren.

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