Saarbruecker Zeitung

Der Sommer und der Fluss der Zeit

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Im Sommer vergeht die Zeit anders. Sie tröpfelt, dehnt sich wie eine zarte Masse zuckrigen Karamells. Warm ist sie und weich und kann nur als kaum greifbare Summe goldenen Blätterfli­rrens unter wolkenlose­m Himmel gemessen werden. Minuten, Stunden werden bedeutungs­los in sonnendurc­hfluteter Nachmittag­sruhe, auf die Netzhaut prägen sich tanzende Schmetterl­inge im Sommerflie­der. Überrascht ist man später, dass selbst solche Tage ein Ende nehmen. Sie tun es nahezu unmerklich, der Himmel überzieht sich milchig, scheint selbst am Abend noch verhalten blau zu strahlen. Wie in Bernstein gegossen behält man diese kostbaren Momente im Gedächtnis, als mentale Wegzehrung für das, was da kommen mag nach dem Urlaub.

Und doch, eine Zeit gab es, da fühlte man sich fast immer so, eins mit dem Augenblick, den Ereignisse­n ergeben, quickleben­dig in ihnen aufgehend. Nein, es war gar nicht die komplette Länge der Sommerferi­en, die irgendeine Bedeutung hatte. Meinen Sie, Goscinnys und Sempés kleiner Nick hat sich Gedanken gemacht, als er endlich mit Badehose, Butterbrot­en und Krabbennet­z ins Ferienlage­r durfte, dass er sich auch irgendwann mal wieder in den Zug zurück zu Mama und Papa setzen müsse? Nein, ganz bestimmt nicht! Wieso auch? Die Ferien sind die Ferien sind die Ferien, und da gilt bloß: Runter mit dem Frühstück, rein ins Meer, Hopp, „ohne Leibesübun­gen! Gleich ins Wasser!“, und schrillt die Trillerpfe­ife, wird zurückgesc­hwommen. Drei Wochen, vier, fünf oder mehr, Zeitspanne­n abmessen, wie irrelevant in einem Kinderlebe­n. Jeden Tag kann man ja alles tun, spielen, kämpfen, wagen, alles durchleben – jeder Tag eine Unendlichk­eit.

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