Darf Re­al Kun­den fil­men?

Da­ten­schüt­ze­rin hält die Ka­me­ras für „pro­ble­ma­tisch“

Schwabmuenchner Allgemeine - - Wirtschaft -

Frau Grasl, in 40 Re­al-Märk­ten neh­men Ka­me­ras an den Kas­sen Kun­den auf, um ziel­grup­pen­ge­naue Wer­bung zu zei­gen. Was hal­ten Sie als Ex­per­tin für Da­ten­schutz da­von? Kat­ha­ri­na Grasl: So et­was ist pro­ble­ma­tisch. Je mehr Da­ten Kon­zer­ne er­fas­sen, des­to um­fas­sen­de­re Kun­den-Pro­fi­le kön­nen sie er­stel­len. Für die Un­ter­neh­men sind die­se Da­ten­sät­ze wert­voll. Aus Sicht des Da­ten­schut­zes ist die Ent­wick­lung zum glä­ser­nen Kun­den be­denk­lich.

Ist so et­was denn er­laubt? Grasl: Vi­deo­auf­zeich­nung im öf­fent­li­chen Raum ist nur un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen er­laubt. In die­sem Fall darf der Su­per­markt in sei­nen Rä­um­lich­kei­ten fil­men, weil er das Haus­recht hat. Er muss Kun­den je­doch noch vor dem Be­tre­ten des über­wach­ten Be­reichs gut sicht­bar auf die Auf­zeich­nung hin­wei­sen.

Bei Re­al steht: „Die­ser Markt wird vi­deo­über­wacht.“Reicht die­ser knap­pe Hin­weis denn aus? Grasl: Ja, so ein Hin­weis kann rein recht­lich aus­rei­chend sein, wenn er deut­lich ge­nug an­ge­bracht ist. Es muss nicht ex­pli­zit auf je­de ein­zel­ne Ka­me­ra und die Art der Auf­zeich­nung hin­ge­wie­sen wer­den.

Laut Be­trei­ber wer­den nur Al­ter und Ge­schlecht auf­ge­zeich­net. Al­so al­les halb so schlimm? Grasl: Wenn es so ist, han­delt es sich tat­säch­lich um an­ony­mi­sier­te und nicht um per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten. Die Fra­ge ist, in­wie­weit die Ka­me­ras auch Da­ten er­fas­sen, die Rück­schlüs­se auf den Ver­brau­cher zu­lie­ßen, et­wa von EC-Kar­ten. Dann wä­re die Ein­wil­li­gung des Kun­den er­for­der­lich. In­wie­weit dies hier der Fall ist, kann ich nicht be­ur­tei­len.

Wel­che Mög­lich­kei­ten hat der nor­ma­le Ver­brau­cher, um nicht ge­filmt zu wer­den? Grasl: Im Grun­de we­nig. Der Su­per­markt hat das Haus­recht und darf mit Kennt­nis des Kun­den fil­men. Wer da­mit nicht ein­ver­stan­den ist, muss in ei­nem an­de­ren La­den ein­kau­fen. In­ter­view: Andre­as Schopf

Zur Per­son Kat­ha­ri­na Grasl ist Ju ris­tin im Be­reich Da­ten­schutz bei der Ver­brau­cher­zen­tra­le Bay­ern.

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