Son­nen­strom di­rekt vom Dach

Mie­ter­strom Neu­es Ge­setz för­dert Ver­mie­ter, die selbst er­zeug­ten Strom aus Fo­to­vol­ta­ik-An­la­gen an ih­re Mie­ter lie­fern. Die­se sind je­doch nicht zur Ab­nah­me ver­pflich­tet.

Schwabmuenchner Allgemeine - - Immo-börse - VON HORST PE­TER WICKEL

Augs­burg Bis­her hat­ten vor al­lem Ei­gen­heim­be­sit­zer die Mög­lich­keit, lo­kal er­zeug­ten Strom aus Fo­to­vol­ta­ik-An­la­gen auf dem Haus­dach zu nut­zen. Doch nach ei­nem neu­en Ge­setz zur För­de­rung von Mie­ter­strom, das En­de April vom Ka­bi­nett be­schlos­sen wur­de, ist das jetzt auch für Be­woh­ner von Miet­woh­nun­gen mög­lich. Wenn ein Ver­mie­ter ei­ne So­lar­an­la­ge auf dem Dach in­stal­liert hat, kann er den so er­zeug­ten Strom an sei­ne Mie­ter lie­fern. Das war zwar prin­zi­pi­ell auch schon vor­her mög­lich, rech­ne­te sich aber für die meis­ten Ver­mie­ter nicht.

Rund zwei Drit­tel der Mie­ter könn­ten sich, so ei­ne Um­fra­ge im Auf­trag von Ener­gie­an­bie­tern, gut vor­stel­len, so­ge­nann­ten Mie­ter­strom zu be­zie­hen. So könn­ten auch die Be­woh­ner von Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern von der Ener­gie­wen­de und nied­ri­gen Strom­prei­sen pro­fi­tie­ren, heißt es.

Bis­lang hat­ten die Mie­ter we­nig von der Ener­gie­wen­de, denn sie muss­ten je­den Mo­nat die Ökostrom-Um­la­ge zah­len, die auf den Strom­preis auf­ge­schla­gen wird. Da­mit sich das än­dert, wer­den zu­nächst ein­mal die Ver­mie­ter ge­för­dert. Sie sol­len ei­ne Ver­gü­tung von 2,8 bis 3,8 Cent pro Ki­lo­watt­stun­de er­hal­ten, die sie er­zeu­gen. Für ei­nen durch­schnitt­li­chen Haus­halt, den sie mit dem Strom ver­sor­gen, er­hiel­ten sie da­mit pro Jahr ei­ne För­de­rung von rund 80 bis 140 Eu­ro.

Ener­gie­wen­de geht al­le an

Für den rest­li­chen Strom, der nicht von den Mie­tern ab­ge­nom­men wird und ins Netz der all­ge­mei­nen Ver­sor­gung ein­ge­speist wird, er­hält der An­la­gen­be­trei­ber wie bis­her die Ein­spei­se­ver­gü­tung nach dem EEG. An­ders als beim Strom­be­zug aus dem Netz fal­len beim Mie­ter­strom wie bis­her kei­ne Netz­ent­gel­te, Kon­zes­si­ons­ab­ga­ben, Um­la­gen und Strom­steu­er an, weil die­ser Strom nicht ins Netz ein­ge­speist wird. „Wenn ein Ver­mie­ter ei­ne Fo­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf dem Dach in­stal­liert hat, kön­nen künf­tig auch sei­ne Mie­ter von dem Strom pro­fi­tie­ren, der auf dem Haus­dach pro­du­ziert wird“, sag­te Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Bri­git­te Zy­pries. „Wir wol­len, dass künf­tig auch Mie­ter am Aus­bau der er­neu­er­ba­ren Ener­gie be­tei­ligt wer­den.“

Ob sich Mie­ter­strom al­ler­dings für die Mie­ter lohnt, ist kei­nes­wegs si­cher, denn die För­der­mit­tel lan­den erst ein­mal beim Ver­mie­ter. Ver­brau­cher­schüt­zer und der Mie­ter­ver­ein kri­ti­sie­ren, dass die Un­gleich­be­hand­lung von Haus­ei­gen­tü­mern und Mie­tern be­ste­hen blei­be. Durch die ge­rin­ge­ren Ne­ben­kos­ten stei­gern zu­min­dest Ver­mie­ter die At­trak­ti­vi­tät der Im­mo­bi­lie. Ge­werb­li­che Mie­ter kön­nen da­durch auch ei­ne bes­se­re CO2-Bi­lanz aus­wei­sen, wie die For­schungs­ein­rich­tung „In­sti­tut Woh­nen und Um­welt“mit­teilt. Der Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­le so­wie der Mie­ter­bund be­män­geln, dass sich Ei­gen­tü­mer mit ei­ner So­lar­an­la­ge auf dem Dach nach wie vor „deut­lich güns­ti­ger“selbst mit Ökostrom ver­sor­gen kön­nen. Die Bun­des­re­gie­rung ha­be es ver­passt, Mie­ter­strom fi­nan­zi­ell in glei­cher Hö­he wie von Ei­gen­tü­mern selbst ge­nutz­ten So­lar­strom zu för­dern. Der Bran­chen­ver­band „Bun­des­ver­band der Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft“ (BDEW) warn­te da­vor, dass die Mehr­heit der Mie­ter von dem ge­plan­ten Mie­ter­strom­mo­dell nicht pro­fi­tie­ren wür­de. Denn „we­ni­ge pri­vi­le­gier­te Haus­hal­te“wür­den von Ab­ga­ben be­freit, vie­le an­de­re zahl­ten je­doch drauf.

Mie­ter kann, muss aber nicht

Weil Mie­ter nicht un­be­dingt da­mit rech­nen kön­nen, von ih­rem Ver­mie­ter ei­nen güns­ti­gen Miet­strom­ver­trag an­ge­bo­ten zu be­kom­men, ha­ben sie nach dem neu­en Ge­setz wei­ter­hin die freie Wahl. Bei über­höh­ten Prei­sen müs­sen sie erst gar kei­nen Mie­ter­strom­ver­trag ab­schlie­ßen oder sie kön­nen spä­ter zu ei­nem an­de­ren Strom­an­bie­ter wech­seln. Da­durch soll der Ver­mie­ter be­wegt wer­den, wett­be­werbs­fä­hi­ge Prei­se an­zu­bie­ten.

Das Ge­setz sieht vor, dass ein Mie­ter durch den Mie­ter­strom­ver­trag nicht län­ger als ein Jahr ge­bun­den sein wird und den Mie­ter­strom­ver­trag un­ab­hän­gig vom Miet­ver­trag kün­di­gen darf. Miet­ver­trag und Miet­strom­ver­trag dür­fen, so die neue Vor­schrift, oh­ne­hin nicht ge­kop­pelt wer­den.

Fo­to: John Smith, Fo­to­lia.com

Kon­takt: Vin­cent Au­mil­ler im­mo­bi­li­en@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.