Shop­pen, bis der Zoll kommt

Rei­se­zeit Im Ur­laub aus­gie­big ein­kau­fen ist be­liebt. Bei den Nach­barn in der EU hat der Zoll kaum was da­ge­gen. Bei Mit­bring­seln aus der Fer­ne sieht das schon an­ders aus

Schwabmuenchner Allgemeine - - Geld & Leben - VON BERRIT GRÄBER

Augs­burg Par­me­san aus Ita­li­en, Rot­wein aus Frank­reich, Schmuck aus Du­bai, Zi­gar­ren aus Ku­ba: Vie­le Rei­sen­de neh­men gern Lan­des­ty­pi­sches aus dem Ur­laub mit nach Hau­se. In­ner­halb der Eu­ro­päi­schen Uni­on ist das in der Re­gel auch kein Pro­blem. Das gilt vor­erst auch noch für Groß­bri­tan­ni­en. Beim Über­schrei­ten von Frei­men­gen, bei Schmug­gel und strik­ten Sou­ve­nirVer­bo­ten sieht es aber an­ders aus. Dann kann das Mit­bring­sel teu­er wer­den. Ein Über­blick, was er­laubt ist – und wann der Är­ger los­geht.

Was darf man in­ner­halb der Eu­ro­päi­schen Uni­on?

Wer in ein EU-Land ver­reist, muss sich kei­nen Kopf ma­chen, was Zoll und Ab­ga­ben an­geht – so­lan­ge er nur für sich ein­kauft. Zwi­schen den EU-Län­dern be­steht frei­er Wa­ren­ver­kehr, von ei­ni­gen Son­der­ge­bie­ten wie et­wa den Ka­na­ri­schen In­seln ab­ge­se­hen. Von über­all sonst dür­fen Rei­sen­de so vie­le neue Schu­he, Klei­der, Kä­se, Wurst oder Schmuck mit nach Hau­se neh­men, wie sie wol­len.

Gibt es Aus­nah­men?

Be­schrän­kun­gen gel­ten für ei­ni­ge Ge­nuss­mit­tel wie et­wa Ta­bak, Al­ko­hol und Kaf­fee. So sind EU-weit ma­xi­mal 800 Zi­ga­ret­ten so­wie 200 Zi­gar­ren als Mit­bring­sel er­laubt, 110 Li­ter Bier, zehn Li­ter Li­kör oder Schnaps mit ei­nem Al­ko­hol­ge­halt von mehr als 22 Pro­zent. Für Ein­käu­fe in Bul­ga­ri­en, Un­garn, Lett­land, Li­tau­en, Ru­mä­ni­en und Kroa­ti­en gibt es stren­ge­re Auf­la­gen. Statt 800 dür­fen Rei­sen­de aus die­sen Län­dern nur 300 Zi­ga­ret­ten steu­er­frei mit­brin­gen. Wer mit mehr er­wischt wird, be­kommt die Glimm­stän­gel ab­ge­nom­men und muss Ta­bak­steu­er nach­be­zah­len.

Was gilt im Nicht-EU-Aus­land?

Keh­ren Ur­lau­ber mit dem Flug­zeug oder Kreuz­fahrt­schiff aus Län­dern au­ßer­halb der EU zu­rück, dür­fen sie Wa­ren im Wert von ins­ge­samt 430 Eu­ro ab­ga­ben­frei mit­brin­gen. Per Bahn oder Au­to liegt das Li­mit bei 300 Eu­ro pro Per­son. Ur­lau­ber un­ter 15 Jah­ren dür­fen Ein­käu­fe bis 175 Eu­ro da­bei ha­ben. Wer kei­nen Är­ger mit dem Zoll will, soll­te beim Shop­pen Quit­tun­gen auf­he­ben. Teil­ba­re Wa­ren wie Zi­ga­ret­ten oder T-Shirts dür­fen auf meh­re­re Rei­sen­de auf­ge­split­tet wer­den. Das gilt aber nicht für die teu­re Lu­xus­uhr aus der Schweiz, das Golf-Set aus den USA oder die Gold­ket­te aus Du­bai. Hoch­prei­si­ges muss ver­zollt wer­den, „ganz gleich, ob ge­kauft oder ge­schenkt“, er­läu­tert Tho­mas Meis­ter vom Haupt­zoll­amt Mün­chen.

Wie sieht es mit Fäl­schun­gen aus?

Der Han­del mit ge­fälsch­ten De­si­gner­wa­ren ist ver­bo­ten, Rei­sen­de soll­ten des­halb stets die Fin­ger da- von las­sen. Al­ler­dings ist der Be­sitz bis zum Wert von 430 Eu­ro pro Per­son nicht straf­bar. Für Ur­lau­ber im Nicht-EU-Aus­land heißt das: Ein we­nig De­si­gner-Imi­tat für den Pri­vat­ge­brauch ist er­laubt. Der Spiel­raum ist über­ra­schend groß­zü­gig. „Was zählt, ist der tat­säch­lich ge­zahl­te Preis am Ur­laubs­ort, nicht der Ori­gi­nal­preis da­heim“, er­läu­tert Meis­ter. Bei Dut­zen­den imi­tier­ter Uh­ren plus mas­sen­wei­se Raub­ko­pi­en in vie­len Grö­ßen hört die Straf­frei­heit aber schnell auf.

Was pas­siert, wenn Ur­lau­ber ih­re Wa­ren nicht ver­zol­len?

Rei­sen­de, die et­was zu ver­zol­len ha­ben, müs­sen auf Flug­hä­fen den ro­ten Aus­gang neh­men. Mar­schie­ren sie zum grü­nen, ist die Ent­schei­dung zum Schmug­gel schon ge­fal­len. Wer­den Zoll­be­am­te fün­dig, wird es un­an­ge­nehm. Wer schmug­gelt, hin­ter­zieht Steu­ern und macht sich straf­bar. Je hö­her das Ein­kom­men, des­to hö­her die Stra­fe. „Es soll weh tun“, sagt Fach­mann Meis­ter. Ab ei­nem be­stimm­ten Be­trag wird ein Steu­er­straf­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Bei wie viel Eu­ro das los­geht, ist das Ge­heim­nis der Zoll­be­hör­den. Zur Ori­en­tie­rung: Ent­de­cken Be­am­te ein nicht an­ge­mel­de­tes Lap­top in der 1000-Eu­ro-Ka­te­go­rie, ei­ne Lu­xus­uhr oder wert­vol­len Gold­schmuck, kann der Steu­er­sün­der ei­nem Ver­fah­ren schon nicht mehr ent­rin­nen.

Wann wird es rich­tig teu­er?

Wer mit nicht de­kla­rier­ten Ein­käu­fen bis 700 Eu­ro er­wischt wird, muss ei­ne Pau­schal­steu­er von 17,5 Pro­zent zah­len. Dies gilt nicht nur für Raub­ko­pi­en, son­dern auch für wert­vol­le Ori­gi­nal­wa­re aus dem Nich­tEU-Aus­land. Hat der Ur­lau­ber Ein­käu­fe von über 700 Eu­ro da­bei, kas­siert der Zoll zwei Mal: 19 Pro­zent Ein­fuhr­um­satz­steu­er so­wie ei­nen Zoll­satz je nach Wa­ren­art. Für Tex­ti­li­en liegt die­ser bei­spiels­wei­se bei bis zu 14 Pro­zent, für Gold­schmuck bei 2,5, für Golf­schlä­ger bei 2,7 Pro­zent. Straf­gel­der kom­men noch da­zu. Al­lein am Air­port Mün­chen muss­ten Zoll­sün­der 2016 knapp 900 Mil­lio­nen Eu­ro nach­zah­len.

Wel­che Wa­ren sind ta­bu?

Milch­pro­duk­te, Kä­se oder Fleisch aus Nicht-EU-Län­dern dür­fen nicht ein­ge­führt wer­den. Aus Ar­ten-, Pflan­zen- und Seu­chen­schutz­grün­den ist au­ßer­dem Koral­len­schmuck ver­bo­ten, ge­nau­so wie Mu­scheln aus der Ka­ri­bik, Ho­nig­wa­ben aus der Tür­kei, Schnit­ze­rei­en aus El­fen­bein oder Gür­tel aus Schlan­gen­le­der. Fin­den Zoll­be­am­te et­was Ver­bo­te­nes, wird die Wa­re ein­ge­zo­gen. Au­ßer­dem wird ei­ne Ver­nich­tungs­ge­bühr von et­wa fünf Eu­ro pro Ki­lo­gramm fäl­lig. Gleich meh­re­re tau­send Eu­ro muss zah­len, wer Pro­duk­te von Tie­ren und Pflan­zen aus dem Wa­shing­to­ner Ar­ten­schutz­über­ein­kom­men im Ge­päck hat.

Fo­to: Se­bas­ti­an Will­now, dpa

Rei­sen­de, die et­was zu ver­zol­len ha­ben, müs­sen auf Flug­hä­fen den ro­ten Aus­gang neh­men. Mar­schie­ren sie zum grü­nen, ist die Ent­schei­dung zum Schmug­gel schon ge­fal­len. Al­lein am Air­port Mün­chen muss­ten Zoll­sün­der 2016 knapp 900 Mil­lio­nen Eu­ro nach­zah­len.

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