Wie­so ich am Thea­ter spie­le

Schwabmuenchner Allgemeine - - K!ar.text - VON FRAN­ZIS­KA OTTLIK Le­ben mit Be­hin­de­rung kl­ar­text@augs­bur­ger all­ge­mei­ne land.de

In der wun­der­ba­ren Welt des Thea­ters ha­be ich selbst be­reits Sa­gen­haf­tes er­lebt. Ich spie­le in der in­klu­si­ven Thea­ter­grup­pe Eu­ki­tea in Die­dorf, zu­sam­men mit zwölf wit­zi­gen Kol­le­gen. Wir sind ein bunt ge­misch­ter Hau­fen lus­ti­ger Men­schen mit Herz und Tief­gang. Un­ser Re­gis­seur heißt Gior­gio. Er ist der net­tes­te Ita­lie­ner, den ich ken­ne. Trotz sei­ner Stren­ge führt er uns warm­her­zig, wir Schau­spie­ler lie­ben ihn al­le. Ich kann euch nur ei­nes sa­gen: Es macht nicht nur Spaß, Thea­ter zu spie­len, son­dern es gibt Mut und Selbst­ver­trau­en.

Nie­mals hät­te ich da­ran ge­glaubt, dass solch un­ter­schied­li­che Men­schen ei­nen sol­chen Zu­sam­men­halt le­ben kön­nen. Ich war ge­tra­gen von al­len. Kein un­be­kann­tes Ge­fühl, für die­je­ni­gen un­ter euch, die eben­falls mu­si­ka­lisch oder krea­tiv tä­tig sind. Das Ge­fühl ist wie Lie­be, nur ru­hi­ger und sanf­ter.

Pas­send heißt un­ser lus­ti­ges Büh­nen­stück „Lie­be durch al­le Zei­ten“und er­zählt die Ge­schich­te von Men­schen, die die Lie­be su­chen. Das Bes­te aber ist, dass ich die Lie­be in die­ser Grup­pe ge­fun­den ha­be. Wie liebst du? Oder weißt du über­haupt, was Lie­be ist? Ich glau­be, die meis­ten Men­schen ha­ben gar kei­ne Ah­nung, denn Lie­be hat so vie­le Fa­cet­ten. Lie­be heißt für mich, den an­de­ren so zu neh­men, wie er ist, oh­ne Wenn und Aber. Ein­fach nur sei­nen Duft lie­ben, die Nä­he ge­nie­ßen, sich ge­gen­sei­tig un­ter­stüt­zen. Und wenn Mal et­was schief­geht, ist das egal: Haupt­sa­che, wir sind ge­sund und mun­ter.

Vie­le Men­schen sind der Meinung, dass ei­nem ein an­de­rer Mensch ge­hört und er für ei­nen da sein muss. Kein Mensch ge­hört ei­nem an­de­ren. Kei­ner hat das Recht, über ei­nen an­de­ren zu be­stim­men. Als Trä­ger ei­ner Be­hin­de­rung ha­be ich das lei­der zu oft im Un­gu­ten er­fah­ren.

Des­halb ra­te ich dir: Sei im­mer acht­sam, wie du mit an­de­ren um­gehst. Ver­let­ze nie­man­den, auch nicht dich selbst, und sei dir si­cher, dass am En­de die Lie­be folgt. Mei­ner Meinung nach kommt al­les Gu­te zu dir zu­rück, wenn du auf dein Herz hörst und da­nach han­delst. So ziehst du förm­lich Men­schen an, die auch Gu­tes in sich ha­ben. In mei­nem Fall war es weit we­ni­ger Glück oder Zu­fall, dass ich zu mei­ner Schau­spiel­grup­pe ge­kom­men bin. Wir ha­ben uns ge­gen­sei­tig ge­sucht und ge­fun­den. Und das hat sich ge­lohnt, denn ei­nes weiß ich: Im Mo­ment bin ich glück­lich.

Fran­zis­ka Ottlik ist 23 Jah­re alt und von Ge­burt an schwer­be­hin­dert. Sie ist halb­sei­tig ge­lähmt und kann nicht sp­re chen, son­dern nur Lau­te von sich ge ben. Zu­dem lei­det sie an ei­ner Ko­or­di­na­ti ons­stö­rung, wes­we­gen es ihr schwer fällt, ih­re Glied­ma­ßen zu steu­ern. In un­se rer Ko­lum­ne schreibt Fran­zis­ka über ih ren All­tag mit Be­hin­de­rung. Mit­hil­fe der so­ge­nann­ten ge­stütz­ten Kom­mu­ni­ka­ti on kann Fran­zis­ka sich aus­drü­cken. Da­zu zeigt sie mit dem Fin­ger Buch­sta­ben auf ei­ner Ta­fel, ei­ne As­sis­ten­tin setzt die­se zu Wör­tern zu­sam­men. Wer mehr über sie er­fah­ren will, schaut auf ih­ren Blog: www.fran­zis­kaott­lik.word­press.com.

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