Ei­ne Rei­se ins Cha­os

Aus­lands­rei­se Au­ßen­mi­nis­ter Ga­b­ri­el be­sucht als ers­ter eu­ro­päi­scher Spit­zen­po­li­ti­ker Li­by­en

Schwabmuenchner Allgemeine - - Politik -

Gut zwei St­un­den braucht die Trans­all-Mi­li­tär­ma­schi­ne mit Sig­mar Ga­b­ri­el an Bord von Si­go­nella auf Si­zi­li­en nach Tripolis in Li­by­en. Un­ter dem Au­ßen­mi­nis­ter glit­zert das Mit­tel­meer. Ir­gend­wo da un­ten ist ga­ran­tiert das ei­ne oder an­de­re Flücht­lings­boot un­ter­wegs. Mög­li­cher­wei­se er­trin­ken Men­schen. Doch wie kann die­se Dau­er­tra­gö­die auf See be­en­det wer­den?

Bei ei­nem Über­ra­schungs­be­such in Li­by­en hat Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) im­mer­hin 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­lich für die Flücht­lings­hil­fe in dem Kri­sen­staat zu­ge­sagt. Die ge­wal­ti­gen Pro­ble­me wird das bes­ten­falls lin­dern kön­nen. Auf der Rou­te, die Ga­b­ri­el über­fliegt, ha­ben seit 2014 in um­ge­kehr­ter Rich­tung 300000 Men­schen das Mit­tel­meer über­quert. In den ers­ten fünf Mo­na­ten die­ses Jah­res wa­ren es schon mehr als 60000 – 26 Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Et­wa 1700 Men­schen er­tran­ken in die­ser Zeit im Mit­tel­meer.

Ga­b­ri­el be­such­te am Don­ners­tag in Tripolis ein In­ter­nie­rungs­la­ger, das noch zu den bes­ten in ganz Li­by­en ge­hört. Er sag­te, an­de­re La­ger sei­en „fins­te­re Ge­fäng­nis­se“in de­nen „fürch­ter­li­che Zu­stän­de“herrsch­ten. Spä­ter trifft der SPDPo­li­ti­ker in Tripolis auch den Chef der Über­gangs­re­gie­rung Fa­jis alSarr­adsch. Seit dem Sturz von Lang­zeit­macht­ha­ber Mu­am­mar al-Gad­da­fi 2011 herrscht Bür­ger­krieg­s­cha­os in Li­by­en. Drei Re­gie­run­gen re­kla­mie­ren die Macht in dem nord­afri­ka­ni­schen Wüs­ten­staat für sich, ihr Ein­fluss ist je­doch lo­kal be­grenzt. Die von den Ver­ein­ten Na­tio­nen un­ter­stütz­te Re­gie­rung von al-Sarr­adsch hat kaum Kon­trol­le über die Haupt­stadt Tripolis hin­aus.

„Was auf­hö­ren muss, ist, dass vie­le Tei­le der Welt in die­sem Land ih­re In­ter­es­sen vor­an­brin­gen“, sag­te Ga­b­ri­el. Ein sol­ches Vor­ge­hen er­schwe­re ei­ne Ver­hand­lungs­lö­sung. „Wir müs­sen da­für sor­gen, dass die in­ter­na­tio­na­le Staa­ten­ge­mein­schaft hier nicht Krieg und Bür­ger­krieg und Men­schen­han­del di­rekt oder in­di­rekt fi­nan­ziert.“

Foto: Flo­ri­an Gärt­ner, pho­to­thek.net, Aus­wär­ti­ges Amt, dpa

Sig­mar Ga­b­ri­el be­sucht ein Flücht­lings la­ger in Li­by­en.

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